Es ist viel, was Stefan Fourier seinen Lesern verspricht. Denn letztlich behauptet er nichts anderes, als den Code erfolgreicher Unternehmen gefunden zu haben. Überprüfen lässt sich das allerdings nicht, da sich seine Richtigkeit erst in der Zukunft erweisen wird. Dass Stefan Fourier mit Metaphern aus den Naturwissenschaften arbeitet, ist bei seinem beruflichen Lebenslauf verständlich. Der Physiker aus Dresden interessierte sich schon früh für evolutions- und systemtheoretische Fragestellungen. Und neben seiner beruflichen Tätigkeit versuchte er ökonomischen Themen mit philosophischen zu verbinden. Nach seiner Übersiedlung nach Westdeutschland gründete Fourier 1990 mit seiner Frau zusammen ein Beratungsunternehmen für Personal- und Organisationsentwicklung, Prozessoptimierung, Changemanagement und Projektmanagement.
Um Platz für seine eigenen Ansätze zu schaffen, stellt Fourier im ersten Teil seines Buches vier bekannte Erfolgsrezepte vor, die Unternehmen umbringen können, um dann nach einer ersten Zwischenbilanz die Champions von morgen zum grundsätzlich Anderssein aufzufordern. Das sei deshalb notwendig, weil Arbeitsteilung, Effizienz, Wachstum und Strategie zwar ganze Epochen geprägt haben, in der Zukunft aber nur noch Grundüberzeugungen für Todgeweihte sein können, da sie der Wandlungsfähigkeit im Wege stehen. Gespannt wartete ich also auf den entschlüsselten Code. Doch ich musste weiterhin warten, da Stefan Fourier seinem Konzept treu bleibt, primär Vergangenes zu analysieren. Also werde ich zu Beginn der Kapitels "Der Segen der Redundanz" mit Rommels Wüstenfeldzügen bekannt gemacht. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn er mir die alten Klischees über militärische Organisationen ersparen würde. Auf dem Papier mag zwar vieles so sein, wie Fourier es sieht, aber wer militärische Kommandostrukturen von innen kennt, würde nie auf die Idee kommen, Redundanz sei beim Militär kein Thema. Im Gegenteil, Militär funktioniert unter anderem, weil es hochgradig redundant ist. Einig gehe ich mit dem Autor, dass die Vernichtung von Redundanzreserven die Störanfälligkeit eines Unternehmens erhöht. Komplexe System lassen sich eben nicht so leicht steuern, wie das viele meinen.
Um nicht dem Chaos das Wort zu reden, bricht Stefan Fourier zwar eine Lanze für Meta-Prozesse, fordert aber gleichzeitig, dass diese genügend Gestaltungsspielräume lassen. Und die richtige Balance zwischen Effizienz und Robustheit zu finden, ist Aufgabe des Managements. Dem zu widersprechen wäre töricht. Aber die meisten Leser werden sich mit solch vagen "Codes" nicht zufrieden geben. Im sechsten Kapitel geht es dann um die Frage, ob ein Unternehmen groß oder klein sein soll. Das sei die falsche Frage, sagt Fourier und geht dann auf einige Tabus zum Thema Macht ein. Konkreter wird es, wenn Fourier empfiehlt, ein Unternehmen in 1:10-Einheiten aufzuteilen. Das Verhältnis 1:10 sei zwar kein Naturgesetz, aber eine praktikable Formel für die ideale Größe einer Gruppe, die sich noch von einer einzelnen Person prägen lasse.
Im siebten Kapitel "Die Angstbremse" geht es um die Fragen, warum Menschen den Wandel nicht mögen und wie man das ändern kann. Und da der Autor Antworten schuldig bleibt, die Substanz haben und neu wären, war ich von diesem Kapitel am meisten enttäuscht. Nach zwei weiteren Kapiteln, in denen es um Netzwerke und fließende Unternehmenskulturen geht, folgt dann Teil 3 "Der Weg zum Champion ist einfach, aber nicht leicht". Die Titelüberschriften zeigen, welche Koordinaten Fourier aussteckt. Sie lauten: Motivation durch Freiheit - Kontinuität statt Aktionismus - Erfolg ist nicht genug - Die Gedanken sind frei!
Auf Seite 180 folgt schließlich die lang ersehnte Entschlüsselung des genetischen Codes der Robusten. Da es die Lektüre von Fouriers Buch ohnehin erleichtern würde, wenn der Leser den Code gleich zu Beginn wüsste, gebe ich ihn hiermit bekannt. Die Fünfer-Helix setzt sich aus den Strängen Struktur, Prozess, Mensch, Netzwerk sowie Kultur zusammen. Und sie ist verbunden durch die Basen Sinn, Vertrauen, Offenheit und Verantwortung.
Mein Fazit: Von einem Management-Vordenker, wie der Klappentexter den Autor nennt, erwarte ich mehr als weitere Beispiele für gescheiterte und erfolgreiche Unternehmen. Die sind zwar interessant und intelligent in größere Zusammenhänge eingebettet, können aber die Enttäuschung nicht wettmachen, die ich bei der Entschlüsselung des Codes empfand. Zwischen drei und vier Bewertungssternen schwankend, entschied ich mich für deren vier, weil sich Stefan Fourier engagiert für eine andere Unternehmenskultur einsetzt und wichtige künftige Schlüsselqualifikationen auf den Punkt bringt.