Es gibt Bücher, die verlieren in der gekürzten Hörbuchfassung ihren gesamten Charme. Bei anderen ist der Unterschied zur Langversion kaum merkbar und wieder andere gewinnen geradezu durch eine straffe Kürzung. Genau das ist bei Arto Paasalinnas "Im Jenseits ist die Hölle los" der Fall. Ein wahrer Glücksgriff für das Genre Hörbuch; das Duo Finnische Geschichte plus Vorleser Jürgen von der Lippe auf die Ohren der Käufer loszulassen. Den durchaus schrägen, aber auch liebenswerten und interessanten Stoff von Paasalinna fabuliert, rezitiert, spricht und parodiert von der Lippe in seiner einzigartigen trockenen, humorvollen Art. Dabei leiht er verschiedenen Charakteren seine verstellte Stimme, produziert deren Figur geschickt vor unserem geistigen Auge und kneift und piekst einem nebenbei ins Zwerchfell.
Ein dreißigjähriger finnischer Journalist, da Paasalinna in der Ich-Form erzählt nennen wir ihn Arto, wird überfahren und verabschiedet sich ins Jenseits. Erstaunt muss er feststellen, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist. Er lebt als Geist weiter und erfährt durch den Probst Hinamäki, dass jeder intelligente Mensch Jahre, manchmal sogar Jahrhunderte erhalten bleibt. Aber die wirklich Dummen, verpuffen schon nach ein paar Minuten ins Nichts. Arto lernt, dass Geister sich per Gedankenkraft an jeden Ort bewegen können, dabei aber aufpassen müssen, dass sie nicht in den Weiten der Galaxis verschwinden. Er muss mit ansehen und hören, wie seine Witwe nach relativ kurzer Zeit den leeren Platz in ihrem Doppelbett neu belegt, und auf einer Reise nach Rom lernt Arto Papst Pius den IX. kennen. Er nimmt an Debatten verstorbener Schriftsteller teil, führt einen Selbstmörder in das Leben nach dem Tod ein, macht die Bekanntschaft des ältesten toten Finnen Hureta, der ihm aus der 9000 Jahre alten Vergangenheit erzählen kann und nebenbei gern ins Pornokino geht. Er versucht unliebsamen Zeitgenossen die Träume zu verderben und kümmert sich liebevoll um ein altes Mütterchen. Last not least nimmt Arto an einer Versammlung teil, bei der Jesus spricht und verliebt sich; unsterblich wäre hier die falsche Formulierung, in die schöne Elsa. Sie merken: im Jenseits ist tatsächlich die Hölle los.
Ich weiß nicht, wie gut der Stoff wäre, würde ihn nicht Jürgen von der Lippe lesen. Der Mann ist gnadenlos gut als Vorleser. Man muss weder ihn noch seinen Humor mögen, aber was er hier abliefert, das verdient allergrößten Respekt. Selten habe ich eine Geschichte mit so detailliertem, feinem Humor gehört. Von der Lippe versteht es, Paasalinnas Geschichte mit einem zwinkernden Auge und einem halb erhobenen Zeigefinger darzubieten. Es würde Seiten füllen, jedes kleine Bonmot der Geschichte, das mich zum Lachen brachte, wiederzugeben. Hören sie einfach mal rein und lassen sie sich überraschen, wie schwer und doch gleichzeitig interessant es sein kann, in Finnland abzuleben. Ganz nebenbei bemerkt: 8,97 Euro für vier CDs sind ein echter Schnäppchenpreis.