Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
101 von 103 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fluch und Segen von Intelligenz, 29. August 2006
Ich übernehme mal die Worte von Dr. Dagmar Knopf (freie Wissenschaftsjournalistin in Limburg), die genau meine Sichtweise zu diesem Buch widerspiegelt:
Jeder träumt bisweilen davon, sich von seinen Mitmenschen abzuheben - etwa durch ein besonderes Talent oder einen gigantischen IQ. Für einige wenige nun ist genau das das tägliche Los und macht sie alles andere als glücklich: Sie fühlen sich ausgegrenzt, missverstanden und allein. Wieder andere können sich solche Gefühle überhaupt nicht erklären, weil sie gar nichts von ihrer Außergewöhnlichkeit ahnen.
Hochbegabte sind schlauer als 98 Prozent der Bevölkerung. Doch sind sie auch auf sensorischer und emotionaler Ebene überdurchschnittlich empfindsam? Die Diplompsychologin und Verhaltenstherapeutin Andrea Brackmann tastet sich einfühlsam an diese Gruppe von Menschen heran, die sich so ganz anders fühlen als der Rest. "Jenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel?" fragt die Autorin und beschäftigt sich damit auf eher unübliche Weise mit dem Phänomen überdurchschnittlicher Intelligenz.
Zahlreiche Beispiele aus ihren langjährigen Erfahrungen als Therapeutin scheinen die Vermutung im Titel grundsätzlich zu bestätigen. So entwickeln viele Hochbegabte schon als Kind starke Eigenarten und ertragen Ungerechtigkeiten nur schlecht. Außerdem sind sie häufig lärmempfindlich oder fühlen körperliche Schmerzen, wenn ihnen fremde Menschen nur beim Schlangestehen zu nahe kommen. Aus der übersensiblen Wahrnehmung der Umwelt, ihrer Mitmenschen und von sich selbst ergeben sich schließlich viele soziale Schwierigkeiten.
Hochintelligente Menschen haben beispielsweise extreme Ansprüche an Freundschaften und gleichzeitig Schwierigkeiten, auch nur Smalltalk zu führen - was in den Augen anderer leicht als mangelnder Sinn für Humor abgestempelt werden kann und einen lockeren Umgang schwierig macht. Im Gegensatz zu vielen Ratgebern über Hochbegabung wendet sich Andrea Brackmann mit ihrem Werk weniger an unsichere Eltern, die bei ihren Sprösslingen ein besonderes Talent vermuten. Sie richtete sich vor allem an Psychotherapeuten, die in ihrer täglichen Arbeit auf einen besonders intelligenten und empfindsamen Menschen treffen, dessen Situation vielleicht aber auf den ersten Blick nicht erfassen.
Tatsächlich gestaltet sich die Diagnose häufig nicht einfach: Ein Großteil der Hochbegabten ahnt selbst nichts von den eigenen Fähigkeiten, sondern wundert sich ein Leben lang, warum einiges so viel komplizierter läuft als bei anderen. Um bei diesen Patienten aber nicht fälschlicherweise eine psychische Störung zu diagnostizieren, ist es nach Meinung der Autorin wichtig, den richtigen Blick für die übersensible Persönlichkeitsstruktur zu gewinnen. So erklärt Brackmann schließlich auch Symptome wie Autismus oder Borderline vor dem Hintergrund der Hochbegabung - ein Aspekt, dem man sich durchaus eine noch lebhaftere Diskussion wünschen würde.
Fazit: Andrea Brackmann ist mit "Jenseits der Norm" ein Buch gelungen, das spannende und sicher auch erleuchtende Augenblicke gewährt. Vor allem auch für erwachsene Hochbegabte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
36 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Überreizbare Sensoren , 11. November 2007
Forschende und erfindende Hochbegabte wirken wie von einem andere Stern und stoßen auf Unverständnis. Das Philosophische und Experimentelle provoziert (unfreiwillig) Lehrer, die nicht differenzieren. Was der für Fragen stellt, wie lange der Eindrücke verarbeitet, wie der sich kleidet - den wollen wir provozieren und verspotten. Man hat gefälligst normal zu sein. Und normal ist, was die Mehrheit macht, auch wenn es objektiv falsch ist. So verkennen wir den inneren Reichtum der von uns sogenannten "Verrückten" oder "Gestörten".
Die Verhaltenstherapeutin Andrea Brackmann gibt diesen Verunsicherten ihren Wert zurück und nennt sie Hochbegabte (H.B). Das ist einer von 40. Man kann eben Menschen nur verstehen und helfen, wenn man sie mag. Und dazu gehören auch die grenzgängerischen Borderliner und im Extrem autistische Menschen.
Da gibt es typisierende Psychogramme (natürlich auch in Kombination):
Der philosophierende Träumer. Der am Detail scheiternde Erfinder. Die chaotische Künstlerin. Die verunsicherte Rebellin. Der überblickende Besserwisser. Das führende Multitalent. Der unbestechlich Gerechte. Der in seinen Fragen gefangene Professor. Die extrem sich auslebende Grenzgängerin. Die sich zur Einfachheit bekennende Asketin. Der schillernde, neugierige Workoholik. Den zuviel im Kopf herumschwirrenden Zweifler. Der akribisch ordnende Perfektionist. Der umfassend gebildete Gedichteschreiber.
Deren gemeinsame Problematik liegt darin, dass ihre feinen Sensoren relativ schnell überfordert sind. Sie erleben eine Art Nerventerror. Das Zuviel an ungeordneten Sinneseindrücken zerfällt in Fragmente und blockiert die innere Verarbeitung. So erklärt sich der Bedarf an Ruhe und Ritualen.
Und weil sie eben in Gefahr sind, Schaden zu nehmen und die Verletzung fürchten, geben sie sich entsprechend. Die Borderliner sind von Kindheit und Jugend an emotionell belastet, gereizt und fühlen sich unverstanden. Zudem erschwert ihr großes Einfühlungsvermögen das Finden der eigenen Position. So bleibt ihre Leistung in Vielem zurück, wobei sie in ihren Interessen genial sind.
Introvertierte fühlen und denken mehr, nehmen zu viel auf und müssen entsprechend mehr innerlich verarbeiten. Der H.B braucht ein Schritt-Tempo, einen klaren Rhythmus beim Lernen und Arbeiten mit kreativen Pausen.
Der isolierte H.B braucht Bestärkung durch klare Strukturen, braucht Reflektion (vor- und nachdenken, Realitätsprüfung), braucht Kreativität, Identifikation mit dem richtigen Umfeld, und Aufklärung über sich mit der Ermittlung von Potentialen und Zielen.
Die Seele kann an der unverarbeiteten seelischen Grausamkeit des "Angreifers" zerbrechen. Abwertungen, etwa von den Eltern, müssen bearbeitet werden. Hilfreich ist auch, die Motive der Angreifer aufzudecken. Schulverweigerer müssen zur H.B-Schule, sonst entwickeln sie ganz eigene Methoden und sprechen nur auf bestimmte Dinge an.
Der H.B muss also viel an Selbsterkenntnis aufbringen. Er muss das Plus und Minus seiner Sensibilität bewerten, zu seinem Anderssein stehen, Gemeinschaft lernen und sein Potential dort einbringen.
Machen wir uns also nicht schuldig, diese wertvollen Menschen zu verkennen. Lernen wir, für sie Partei zu nehmen wie die verständige Autorin. Ein angepasster Bürokrat kann eben schlecht eine Inspiration für gesellschaftliche Veränderungen sein. Deshalb sind diese, unsere H.B einfach unverzichtbar.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
51 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein intelligentes und mutiges Buch, 27. Juni 2005
Von Ein Kunde
Dieses Buch will viel: hochbegabte Kinder, Jugendliche und Erwachsene beschreiben, eine allgemeine Theorie der Hochbegabung formulieren, mögliche seelische und soziale Probleme Hochbegabter schildern und psychische Störungsbilder (ausgerechnet die umstrittenen Borderline-Störungen und autistischen Syndrome) vor dem Hintergrund von Hochbegabungs-Phänomenen erklären. Es will uns überdies eine neue humanistische Sicht auf das Verhältnis von Therapeut und Klient nahebringen und therapeutische Behandlungsansätze für Hochbegabte aufzeigen. Und es rüttelt an unserem Verständnis von Begriffen der "Norm" und der "psychischen Störung", des "Gesunden" und "Verrückten", des "Gewöhnlichen" und des "Außergewöhnlichen".Das Erstaunliche ist: der hoch kompakte Inhalt dieses schmalen Bandes wird - in klarer, verständlicher Sprache - diesen Ansprüchen gerecht. Nicht alle ihrer Thesen kann die Autorin vollständig empirisch belegen. In diesem Falle gilt jedoch, was Sigmund Freud sagte: "Man kann Leute nicht entbehren, die den Mut haben, Neues zu denken, ehe sie es aufzeigen können." Es steckt in diesem Buch mehr Sprengkraft, Provokation und Innovationsgeist, als es auf den ersten Blick vermuten läßt: was als harmloser Elternratgeber beginnt, endet als unverfrorene Kritik an der "Tyrannei des Normalen" in Psychologie, Pädagogik, Wissenschaft und Gesellschaft. Erfreulich inspirierend und im besten Sinne subversiv!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|