Forschende und erfindende Hochbegabte wirken wie von einem andere Stern und stoßen auf Unverständnis. Das Philosophische und Experimentelle provoziert (unfreiwillig) Lehrer, die nicht differenzieren. Was der für Fragen stellt, wie lange der Eindrücke verarbeitet, wie der sich kleidet - den wollen wir provozieren und verspotten. Man hat gefälligst normal zu sein. Und normal ist, was die Mehrheit macht, auch wenn es objektiv falsch ist. So verkennen wir den inneren Reichtum der von uns sogenannten "Verrückten" oder "Gestörten".
Die Verhaltenstherapeutin Andrea Brackmann gibt diesen Verunsicherten ihren Wert zurück und nennt sie Hochbegabte (H.B). Das ist einer von 40. Man kann eben Menschen nur verstehen und helfen, wenn man sie mag. Und dazu gehören auch die grenzgängerischen Borderliner und im Extrem autistische Menschen.
Da gibt es typisierende Psychogramme (natürlich auch in Kombination):
Der philosophierende Träumer. Der am Detail scheiternde Erfinder. Die chaotische Künstlerin. Die verunsicherte Rebellin. Der überblickende Besserwisser. Das führende Multitalent. Der unbestechlich Gerechte. Der in seinen Fragen gefangene Professor. Die extrem sich auslebende Grenzgängerin. Die sich zur Einfachheit bekennende Asketin. Der schillernde, neugierige Workoholik. Den zuviel im Kopf herumschwirrenden Zweifler. Der akribisch ordnende Perfektionist. Der umfassend gebildete Gedichteschreiber.
Deren gemeinsame Problematik liegt darin, dass ihre feinen Sensoren relativ schnell überfordert sind. Sie erleben eine Art Nerventerror. Das Zuviel an ungeordneten Sinneseindrücken zerfällt in Fragmente und blockiert die innere Verarbeitung. So erklärt sich der Bedarf an Ruhe und Ritualen.
Und weil sie eben in Gefahr sind, Schaden zu nehmen und die Verletzung fürchten, geben sie sich entsprechend. Die Borderliner sind von Kindheit und Jugend an emotionell belastet, gereizt und fühlen sich unverstanden. Zudem erschwert ihr großes Einfühlungsvermögen das Finden der eigenen Position. So bleibt ihre Leistung in Vielem zurück, wobei sie in ihren Interessen genial sind.
Introvertierte fühlen und denken mehr, nehmen zu viel auf und müssen entsprechend mehr innerlich verarbeiten. Der H.B braucht ein Schritt-Tempo, einen klaren Rhythmus beim Lernen und Arbeiten mit kreativen Pausen.
Der isolierte H.B braucht Bestärkung durch klare Strukturen, braucht Reflektion (vor- und nachdenken, Realitätsprüfung), braucht Kreativität, Identifikation mit dem richtigen Umfeld, und Aufklärung über sich mit der Ermittlung von Potentialen und Zielen.
Die Seele kann an der unverarbeiteten seelischen Grausamkeit des "Angreifers" zerbrechen. Abwertungen, etwa von den Eltern, müssen bearbeitet werden. Hilfreich ist auch, die Motive der Angreifer aufzudecken. Schulverweigerer müssen zur H.B-Schule, sonst entwickeln sie ganz eigene Methoden und sprechen nur auf bestimmte Dinge an.
Der H.B muss also viel an Selbsterkenntnis aufbringen. Er muss das Plus und Minus seiner Sensibilität bewerten, zu seinem Anderssein stehen, Gemeinschaft lernen und sein Potential dort einbringen.
Machen wir uns also nicht schuldig, diese wertvollen Menschen zu verkennen. Lernen wir, für sie Partei zu nehmen wie die verständige Autorin. Ein angepasster Bürokrat kann eben schlecht eine Inspiration für gesellschaftliche Veränderungen sein. Deshalb sind diese, unsere H.B einfach unverzichtbar.