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Jenseits des Glaubens: Eine Reise in den anderen Islam: Eine Reise in einen anderen Islam
 
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Jenseits des Glaubens: Eine Reise in den anderen Islam: Eine Reise in einen anderen Islam [Taschenbuch]

V.S. Naipaul
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 607 Seiten
  • Verlag: List Taschenbuch; Auflage: 1., Aufl. (1. September 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548604668
  • ISBN-13: 978-3548604664
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 12,4 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 981.334 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Schon einmal hat V. S. Naipaul vier nichtarabische L„nder besucht, in denen Muslime leben. Sechzehn Jahre sp„ter bereist er sie aufs Neue, um mit gesch„rftem Blick dort anzuknpfen, wo er damals aufgeh”rt hatte.

Über den Autor

Vidiadhar Surajprasad Naipaul wurde am 17. August 1932 auf Trinidad geboren und lebt seit 1950 in Großbritannien. Der Romancier, Reiseschriftsteller und Journalist gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der englischsprachigen Literatur und hat alle nur denkbaren literarischen Auszeichnungen erhalten, darunter 2001 den Nobelpreis für Literatur.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Abermals besucht Naipaul, 14 Jahre nach seiner ersten Reise, über die er in "Eine islamische Reise" berichtet hat, die islamischen Staaten Indonesien, Iran, Pakistan und Malaysia. Es ist als wäre die Zeit in diesen Ländern stehen geblieben. Naipaul geht es wiederum darum, die Begegnungen mit den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Er schreibt Reiseliteratur, die sich kritisch mit dem Phänomen des "wie können die Menschen so leben wie sie leben" befasst.
Reise ist es eigentlich nur insofern, als man zum Ort, wo diese Menschen leben, hinfahren muss. Was er schreibt, ist kritisch, die Kritik liest sich meist schon zwischen den Zeilen und aus dem, was Naipaul seine Protagonisten sagen lässt. Aber noch deutlicher als beim ersten Mal wird er selber. Zum Beispiel, wenn er schreibt: "Die muslimischen Vielehen, so lächerlich sie Außenstehenden vorkommen mochten, bescherten vielen der Betroffenen unsägliches Leid, das sich von Generation zu Generation forterbte, weil die Menschen offenbar unter dem Zwang standen, die Misshandlungen, - die Eifersucht, die Quälereien, die Vernachlässigung -, die sie hatten erdulden müssen, weiterzugeben."
Das Thema greift er mehrfach auf und findet auch keine Schlüssel es zu beschönigen. Er schreibt, er habe spät begriffen, "dass es beim muslimischen Brauch des mehrfachen Heiratens und der leichten Scheidung nicht nur um den männlichen Sexualtrieb ging: Er hinterließ kaputte Familien. Er erzeugte eine Gesellschaft aus Halbwaisen".

Fünf Monate hat Naipaul 1995 diese Länder bereist. Was er seiner Meinung nach vorgefunden hat ist ein "immenses Durcheinander, das unter Umständen auch nach tausend Jahren noch kein Ende findet". Und das soll der islamischen Gesellschaft geschuldet sein, die sich über die Besonderheiten eines jeden Volkes und Stammes übergestülpt hat. Das fasziniert ihn immer wieder aufs neue, obwohl er doch selber als Inder aus einem Kulturkreis kommt, wo das Rad der Wiedergeburten immer wieder bei einem ähnlichen Durcheinander der Gesellschaft anhält, um sich dann ebenso ungerührt wieder weiter zu drehen. Was die Menschen in ihrer nächsten Wiedergeburt sind, hat doch wenigstens der Islam beantwortet, dachte man, aber der Autor macht klar, dass auch im Islam nichts klar zu sein scheint und die Ungewissheit schafft Neurosen: "Bei der Frage, wer oder was sie sind, entwickeln die Menschen zwangsläufig Phantasievorstellungen; damit birgt der Islam in den bekehrten Ländern ein Moment von Neurose und Nihilismus." Und das spürte er auch deutlich im Umgang mit seinen Reisebekanntschaften. Diese Menschen sind unausgeglichen und noch schlimmer: "Solche Länder können leicht zum Kochen gebracht werden:"
Der Autor sieht dieses Buch selber als eine Fortsetzung des früheren. Mittlerweile hat er eine klarere Vorstellung von dem Phänomen des Islam. Die Geschichten, die er beschreibt, sollen das Land und die Leute charakterisieren.
Dabei ist er überzeugt, dass andere Menschen zwar andere Geschichten erzeugt hätten, doch das Bild, das dabei entstanden wäre, wäre das Gleiche geblieben. Die Vielschichtigkeit der Geschichten ist aufschlussreich genug. Naipaul wähnt sich als Beobachter eines Prozesses. Es ist ein Übergang von uralten Glaubensüberzeugungen, Naturreligionen und Kulten, in deren Mittelpunkt Herrscher und lokale Gottheiten stehen, zu Offenbarungsreligionen wie der des Islam mit ihren umfassenden philosophischen und sozialen Anliegen. Aber auch mit ihren Zwängen und Forderungen.

Wer das erste Buch kennt, stellt Wiederholungen fest. Das ist nicht als Mangel zu verstehen, vielmehr zurückzuführen auf die Tatsache, dass sich auch nicht viel in diesen Ländern geändert hat. Immer noch heißt es in Pakistan: "Mit dem Islam hat man es noch nie wirklich versucht!" um sich das gescheiterte Projekt der erste islamische Staat der Geschichte" nicht einreden zu müssen.
Oder, auch eine Berühmtheit: "Es gibt Freiheit im Islam!" nämlich dann, wenn man sich dem Islam unterworfen hat. Und wiederum geschieht dem Autor, wovon andere Reisende in islamische Länder, auch immer wieder berichten. Das Wort Jihad sei im Koran nie bildlich zu verstehen. "Es sich als einen bloß allegorischen Ausdruck vorzustellen ist Gotteslästerung."
Der Autor bedauert einerseits die fortschreitende Zerschlagung der Traditionen, schlimmer empfindet er aber die Kritiklosigkeit, der er oft begegnet. Herkunft und Geschichte verwandelten sich geradezu zu einer Art Neurose. "Zu viel wird außer Acht gelassen oder ausgeklammert; die Einbildung nimmt überhand. Diese Einbildung bleibt nicht auf die Bücher beschränkt; sie greift ins Leben der Menschen ein."
Das Resumeé des Autors ist hart und er ist nicht sehr optimistisch, dass das, was er über den Staat Pakistan in deutliche Worte fasst, nicht auch für die anderen nicht-arabischen muslimischen Staaten gilt:
"nach wie vor halb befangen in Leibeigenschaft, nach wie vor zutiefst unkultiviert und damit befasst die Geschichte bis in die Schulbücher hinein zu verhunzen und das Gemeinwesen zu demolieren, dem er doch dienen sollte, nichts anderes im Sinn gehabt als hier und jetzt eine kulturelle Wüstenei zu schaffen."

Ein Fernsehreporter aus Islamabad äußerte sich mir gegenüber einmal dementsprechend. Und er fügte hinzu, Beeinträchtigung kritischer Berichterstatter. Ein mir bekannter Manager, der sich zu oft kritisch geäußert hatte, erlebte Einschüchterungen, Drohungen und Gewaltanwendung von behördlichen Stellen.
An anderer Stelle betont der Autor der Islam sei die unerbittlichste Form von Imperialismus, weil er Tradition, Herkunft oder Geschichte keinen Spielraum lässt und eine eigene, "restlose" Identifikation verlangt. Das wird einem zum Beispiel auf Bali deutlich, wo südostasiatische Frauen, meist gutgelaunt und fröhlich, überwiegend dem Hinduismus zugehörig, noch traditionell mit langer Haarpracht neben muslimischen Frauen zu sehen sind, die mit ihrem Kopftuch deplaziert und unschön und meist auch nicht sehr freudvoll aussehen. Aber das erscheint wohl nur dem voreingenommenen westlichen Betrachter so, der nicht wie ein Muslim schaut.

Was mir an Naipaul auffällt, dass er versteht die richtigen Fragen zu stellen. Umso mehr erstaunt, dass er immer die "richtigen" Antworten bekommt. Dass die Menschen in der Regel frei herauskommen, mit dem was sie zu sagen haben, ist aber authentisch. Das verblüffte mich schon bei meinem eigenen Reisen gerade in Pakistan und Iran. Eine andere Sache ist, wie man an die Leute herankommt, die einem etwas zu sagen haben. Naipaul scheint dabei immer einen guten Riecher zu haben -den richtigen Namen nur bedingt. Gerade in Pakistan dürfte ein Inder nicht überall Gehör finden. Und Glück gehört auch dazu!
Dieses Buch ist empfehlenswerte Lektüre für alle die etwas über die islamische Seele von nicht-arabischen Muslimen erfahren wollen und wie sie es fertig bringen die Herausforderungen, die ihr Glaube an sie stellt, im täglichen Leben zu meistern. Das Buch ist weniger ein Ansporn für Konvertiten als eine Abschreckung. Man wird es also schwerlich in islamischen Büchereien finden.
Ein düsteres Buch! Ein bedrohliches Buch!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Superbuch 27. Oktober 2004
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Nach 15 Jahren sucht Naipaul nochmals die Länder auf, die er einst bereiste. Inzwischen etwas geläutert, widmet er sich den Staaten so wie sie sind. In seiner ersten Reise hatte er den Islam gesucht, jetzt sucht er einfach, diese Staaten zu beschreiben, zu analysieren. Das gelingt ihm sehr gut. Die beiden Kapitel über Iran und Pakistan sind wirklich herausragend. Ich finde dieses Buch noch besser als sein erstes Buch. In gewisser Weise ist Naipaul gereift, hat vieles verstanden und mehr Verständnis entwickelt.
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Von h.n.
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Naipaul schreibt sehr knapp, sehr präzise und deshalb sehr schön und bewundernswert - eine Sprache wie ein perfektes, kompliziertes mechanisches Uhrwerk (ich hatte die englische Ausgabe, Beyond Belief, erschienen 1998). Ein, zwei Sätze reichen Naipaul, um ein indonesisches Dorfhaus oder eine Studierklause im iranischen Qum in 4k-HD aufzurufen. Naipaul registriert und beschreibt kleinste Signale, Stimmungen und Stimmungswechsel mit geringstem Aufwand. Beyond Belief ist praktisch frei von Urteilen, Wärme, Humor oder Effekthascherei. Der englische Titel Beyond Belief ist das vielleicht einzige Wortspiel. Naipaul verweigert großteils Analysen und Querbezüge: jede Begegnung, jede Biographie steht für sich.

Insgesamt erinnern Schreib- und Recherchestil deutlich an Naipauls India: A Million Mutinies Now (erschienen 1990, über seine dritte große Indienreise): In beiden Büchern erforscht Naipaul den örtlichen Zeitgeist unter anderem in Redaktionen von Frauenmagazinen; hier wie dort erfahren wir nur gelegentlich von Reise-Umständen, etwa signifikante Sätze von Taxifahrern oder Übersetzern; gelegentlich sind wir bei dabei, wenn Naipaul und ein Guide die Notizen eines Dorfbesuches durchsehen.

Ansonsten spielen persönliche Umstände kaum eine Rolle in Naipauls Berichten, weder in A Million Mutinies Now noch in Beyond Belief. Für dieses Buch reiste Naipaul 1995 mit seiner Geliebten nach Indonesien, während die Ehefrau in England ernsthaft an Krebs erkrankte; wenig später in Pakistan hielt Naipaul um die Hand seiner nächsten Ehefrau an, nachdem er die Geliebte von 20 Jahren noch abgesetzt hatte), während die sterbende erste Ehefrau auf Chemotherapie verzichtete, um schneller aus dem Weg zu sein. Nichts davon in Beyond Belief, das allerdings der zweiten Ehefrau gewidmet ist.

Ich habe auch die deutsche Ausgabe angelesen. Die Übersetzung von Monika Noll und Ulrich Enderwitz wirkt plausibel, wenn auch lieblos. Anders als Naipauls hochakkurates, schnörkelloses Englisch erzeugt sie keinerlei Sog - sie klingt vielmehr wie ein unrealistisch synchronisierter Charakterschauspieler. Ich habe die Wortzahlen nicht hochgerechnet, würde aber vermuten, dass die deutsche Ausgabe deutlich mehr Wörter umfasst.

In der atemraubenden sprachlichen Feinmechanik der englischen Ausgabe überraschen kleinere Aussetzer:
- Der sonst so wertungsfreie Bericht enthält einzelne harsche Pauschalurteile über den Islam.
- Die Überleitungen von Land 1 zu Land 2 und von Land 2 und 3 schreibt Naipaul in den jeweils späteren Buchteil. Dann hat man jedoch bereits die neue Überschrift gelesen und mit dem vorherigen Land abgeschlossen. Ein Beispiel: Auf den Indonesien- folgt der Iran-Teil. Die Überleitung von Indonesien zum Iran erscheint erst im Iran-Teil, unter der Iran-Überschrift, aber zunächst ohne Iran-Bezug; dort verblüfft oder verwirrt die Wiederbegegnung mit Indonesien. Ähnlich ist es beim Wechsel von Iran nach Pakistan: Die letzten zwei Seiten zum Thema Iran erscheinen erst unter der Pakistan-Überschrift.
- Am Ende der einzelnen Iran-Abschnitte liefert Naipaul jeweils unvermittelt kurze, fast mystische Beschreibungen der Berglandschaft vor seinem Hotelfenster. Es bleibt eine Zeitlang unklar, warum er an isolierten Stellen mehrfach auf die Berge zu sprechen kommt, bis wir endlich von einer wesentlichen Besonderheit der Gegend erfahren. Die zunächst scheinbar sinnlosen Einsprengsel zum Landschaftsbild stören den sonst so konzentrierten, meist linearen und scheinbar durchdachten Buchaufbau.

Ich habe den Stil bewundert, die Begegnungen genossen, die vielen detaillierten Einzelschicksale gern verfolgt. Dennoch habe ich kaum mehr als fünf oder zehn Seiten auf einmal gelesen: Die entschlackte Sprache klingt mitunter trocken, zudem humorbereinigt; nicht alle religiösen Diskussionen fesseln gleichermaßen, zumal Naipaul auch völlig durchgeknallte Fanatiker wiedergibt (er würde sie nie so bezeichnen); die vielen religiös motivierten Morde, die Barbarei und die Widerwärtigkeiten stoßen ab; die geschilderten kommunistischen Umtriebe wirken aus heutiger Sicht antiquiert.

Dennoch ist Beyond Belief mindestens so stark wie India: A Million Mutinies Now und weitaus besser als Naipauls The Masque of Africa von 2010. Ich habe Beyond Belief nach mehreren Wochen und 430 Seiten mit dem Gefühl beendet, dass eine lange, interessante, faszinierende Reise zu Ende ging.
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