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Produktinformation
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Jenseits des Glaubens. Eine Reise in den anderen Islam versteht sich dabei als Dokument einer "Erkundungsfahrt", auf der der Autor -- so Naipaul über seine Arbeitsweise -- nichts weiter tut, als Fragen zu stellen und zuzuhören: In Jakarta unterhält er sich mit muslimischen Intellektuellen über das Verhältnis von Islam und Wissenschaft. In Teheran redet er mit Journalisten über die Zeit unter Khomeini. In Pakistan spricht er mit unterdrückten Frauen. Und in Malaysia interessiert er sich für die Konflikte eines jungen Manns, der zwischen Koran und Schamanismus steht.
Jenseits des Glaubens ist kein Roman, kein klassischer Reisebericht und keine Fundamentalismus-Analyse, die mit dem 11. September in Verbindung steht (auf Englisch erschien dieses Buch bereits 1998). Was den Leser erwartet, ist eine 600-seitige Sammlung von Gesprächen über Religion. --Bernhard Wörrle
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Naipaul ist eben nicht der kenntnisreiche „Fremdenführer" und Dolmetscher, den der unbe-darfte Leser sich vielleicht wünscht. Er ist eben nicht der Wanderer zwischen den Welten, der beide Seiten gleich gut kennt und vermittelnd beschreiben kann. Auch Naipaul beschreibt die Welt „mit westlichen Augen". Er ist gewissermaßen ein Renegat. Er ist - wenn man ihn kri-tisch sehen will - sogar westlicher als die Westler, britischer als die Briten. Es ist deshalb kein Zufall, dass seine Bücher - auf beiden Seiten auf so heftigen Protest gestoßen sind.
Ich empfehle dem Leser - und ich wünsche Naipaul nach wie vor viele Leser, denn er bleibt hochinteressant - als Lackmustest für meine These, darauf zu achten, welches Verhältnis er denn zu seinen eigenen kulturellen Wurzeln durchblicken lässt. Er wird feststellen, dass Nai-paul zwar unablässig über seine eigene Biografie geschrieben hat -aber mit einem westlichen Blick. Für seine eigen kulturellen Wurzeln zeigt er wenig Sympathie, wenig Einfühlung. Rückblickend erscheint es mir, als seien sie ihm peinlich.
Überhaupt: Naipaul ist ein Leidender, subdepressiv. Kein leuchtendes Beispiel für eine post-moderne Synthese eines „globalisierten Menschen". Weder der Westen, noch der Osten sind ihm westlich genug. Letztlich - vermute ich - leidet er an sich selbst.
In meinem Lieblingsbuch von Naipaul, „Das Rätsel der Ankunft", beschreibt er im mittleren Kapitel seine Auswanderung von Trinidad nach England. Er wollte damals schon Schriftstel-ler werden und erzählt mit sympathischer Offenheit, dass er in dieser Zeit - schriftstellerisch - blind für den Stoff war, der sich vor ihm entwickelte. Er sah die Seereise und London mit den Augen eines Somerset Maugham, dem er nacheiferte. Mit den Augen des Schriftstellers der Kolonialherrschaft also, während in der Realität dieses Kolonialreich vor seinen Augen zusammenbrach und er die rückkehrenden gescheiterten Existenzen, die Auflösungserscheinungen des Imperiums vor der Nase hatte. Er suchte stattdessen „metropolitan material".
Naipaul hat diese Anfängerzeiten genial überwunden und einen Stil entwickelt, der mich durch seine Konkretheit und die Kunst, vom realen, noch so trivialen Augenblick, vom unmittelbaren Gespräch auszugehen, stellenweise geradezu an Zen-Buddhismus erinnert.
Doch während er diese Kunst entwickelte und dabei immer den größeren kulturellen Zusammenhang herzustellen versuchte, blieb er auf einer tieferen Ebene unreflektiert. Er schreibt nicht mehr mit Maugham als Vorbild, aber er schreibt doch mit einem westlichen Blick und viel Unwohlsein gegenüber den Kulturen der weniger entwickelten Staaten.
Mir scheint, dass er die Aufgabe, seine eigenen vielfältigen kulturellen Wurzeln zu integrieren durch eine überwertige Anpassung an die westlichen Paradigma „gelöst" hat, d.h. eigentlich sie isoliert statt integriert hat.
Er leidet ausführlich (und berechtigterweise) an der politischen, wirtschaftlichen und kulturel-len Malaise der Dritten Welt und will nicht gelten lassen, wenn diese den Kolonialmächten die Schuld gibt. Er kritisiert die Westler für ihre übertriebene Toleranz und legt ihnen nahe ihre eigenen Ideale (die er selbst neu übernommen hat) gegenüber dem Rest der Welt höher zu halten, wie etwa die Emanzipation der Frau. Er empfiehlt dem Westen, die Entwicklungs-länder nicht zu idealisieren, sondern kritisch zu sehen.
Das mag berechtigt sein oder nicht - aber um diese Position einzunehmen, muss ich nicht in der Dritten Welt geboren sein. Bei ihm beruhen sie gerade nicht auf Einfühlung in BEIDE Seiten, sondern auf Identifikation mit dem Westen - auf Kosten der eigenen Wurzeln. Gerade die spezifische Qualität, die man von Naipaul aufgrund seiner Biografie erhoffen könnte, nämlich das von beiden Seiten Sehen, das miteinander in Verbindung Setzen, und - da wir Westler unsere eigene Kultur ja einigermaßen kennen - den Blick der fremden Kultur auf die westliche, vor allem aber die Einfühlung in diese fremde Kultur, gelingt Naipaul eben gerade nicht. Er kann sich nur begrenzt einfühlen, weil er die Malaise dieser Staaten zu widerwärtig ist. Die holländische Journalistin Lieve Noris, hat dies sehr eindringlich nach einem längeren Besuch bei ihm beschrieben („Eine Begegnung auf Trinidad", 5 Euro, bei amazon).
Das spiegelt sich im Konzept des vorliegenden zweiten Islam-Buchs wider. Naipaul besucht nur die nicht arabischen Staaten, die den Islam übernommen haben. Seine Hauptthese ist näm-lich, dass der Islam die Gesellschaften zwingt, ihre kulturellen Wurzeln abzuschneiden. Er hält das für schädlich und versucht die Schäden zu beschreiben.
Fragwürdig wird diese Haltung, wenn man sich klar macht, dass Naipaul ganz offensichtlich selbst seine kulturellen Wurzeln abgeschnitten hat. Dass wäre nicht so schlimm, wenn er es reflektieren könnte. So jedoch wirkt die Kritik am Islam wie eine Projektion. Es ist nicht so sehr der Islam, den Naipaul hier beschreibt, sondern sein eigener Leidensweg. Er ist entwur-zelt. Er hat seine indischen und amerikanischen Traditionen abgelegt, er leidet daran, dass die Dritte Welt nach westlichen Kriterien nicht effektiv ist.
Kurz: Er schämt sich seiner eigenen Herkunft. Er schämt sich für die Dritte Welt.
Naipaul ist eben nicht der kenntnisreiche „Fremdenführer" und Dolmetscher, den der unbedarfte Leser sich vielleicht wünscht. Er ist eben nicht der Wanderer zwischen den Welten, der beide Seiten gleich gut kennt und vermittelnd beschreiben kann. Auch Naipaul beschreibt die Welt „mit westlichen Augen". Er ist gewissermaßen ein Renegat. Er ist - wenn man ihn kritisch sehen will - sogar westlicher als die Westler, britischer als die Briten. Es ist deshalb kein Zufall, dass seine Bücher - auf beiden Seiten auf so heftigen Protest gestoßen sind. Ich empfehle dem Leser - und ich wünsche Naipaul nach wie vor viele Leser, denn er bleibt hochinteressant - als Lackmustest für meine These, darauf zu achten, welches Verhältnis er denn zu seinen eigenen kulturellen Wurzeln durchblicken lässt. Er wird feststellen, dass Naipaul zwar unablässig über seine eigene Biografie geschrieben hat -aber mit einem westlichen Blick. Für seine eigen kulturellen Wurzeln zeigt er wenig Sympathie, wenig Einfühlung. Rückblickend erscheint es mir, als seien sie ihm peinlich. Überhaupt: Naipaul ist ein Leidender, subdepressiv. Kein leuchtendes Beispiel für eine post-moderne Synthese eines „globalisierten Menschen". Weder der Westen, noch der Osten sind ihm westlich genug. Letztlich - vermute ich - leidet er an sich selbst.
In meinem Lieblingsbuch von Naipaul, „Das Rätsel der Ankunft", beschreibt er im mittleren Kapitel seine Auswanderung von Trinidad nach England. Er wollte damals schon Schriftsteller werden und erzählt mit sympathischer Offenheit, dass er in dieser Zeit - schriftstellerisch - blind für den Stoff war, der sich vor ihm entwickelte. Er sah die Seereise und London mit den Augen eines Somerset Maugham, dem er nacheiferte. Mit den Augen des Schriftstellers der Kolonialherrschaft also, während in der Realität dieses Kolonialreich vor seinen Augen zusammenbrach und er die rückkehrenden gescheiterten Existenzen, die Auflösungserscheinungen des Imperiums vor der Nase hatte. Er suchte stattdessen „metropolitan material".
Naipaul hat diese Anfängerzeiten genial überwunden und einen Stil entwickelt, der mich durch seine Konkretheit und die Kunst, vom realen, noch so trivialen Augenblick, vom unmittelbaren Gespräch auszugehen, stellenweise geradezu an Zen-Buddhismus erinnert. Doch während er diese Kunst entwickelte und dabei immer den größeren kulturellen Zusammenhang herzustellen versuchte, blieb er auf einer tieferen Ebene unreflektiert. Mir scheint, dass er die Aufgabe, seine eigenen vielfältigen kulturellen Wurzeln zu integrieren durch eine überwertige Anpassung an die westlichen Paradigma „gelöst" hat, d.h. eigentlich sie isoliert statt integriert hat. Er leidet ausführlich (und berechtigterweise) an der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Malaise der Dritten Welt und will nicht gelten lassen, wenn diese den Kolonialmächten die Schuld gibt. Er kritisiert die Westler für ihre übertriebene Toleranz und legt ihnen nahe ihre eigenen Ideale (die er selbst neu übernommen hat) gegenüber dem Rest der Welt höher zu halten, wie etwa die Emanzipation der Frau. Er empfiehlt dem Westen, die Entwicklungsländer nicht zu idealisieren, sondern kritisch zu sehen. Das mag berechtigt sein oder nicht - aber um diese Position einzunehmen, muss ich nicht in der Dritten Welt geboren sein. Bei ihm beruhen sie gerade nicht auf Einfühlung in BEIDE Seiten, sondern auf Identifikation mit dem Westen - auf Kosten der eigenen Wurzeln. Gerade die spezifische Qualität, die man von Naipaul aufgrund seiner Biografie erhoffen könnte, nämlich das von beiden Seiten Sehen, das miteinander in Verbindung Setzen, und - da wir Westler unsere eigene Kultur ja einigermaßen kennen - den Blick der fremden Kultur auf die westliche, vor allem aber die Einfühlung in diese fremde Kultur, gelingt Naipaul eben gerade nicht. Er kann sich nur begrenzt einfühlen, weil er die Malaise dieser Staaten zu widerwärtig ist. Die holländische Journalistin Lieve Noris, hat dies sehr eindringlich nach einem längeren Besuch bei ihm beschrieben („Eine Begegnung auf Trinidad", 5 Euro, bei amazon).
Das spiegelt sich im Konzept des vorliegenden zweiten Islam-Buchs wider. Naipaul besucht nur die nicht arabischen Staaten, die den Islam übernommen haben. Seine Hauptthese ist nämlich, dass der Islam die Gesellschaften zwingt, ihre kulturellen Wurzeln abzuschneiden. Er hält das für schädlich und versucht die Schäden zu beschreiben. Fragwürdig wird diese Haltung, wenn man sich klar macht, dass Naipaul ganz offensichtlich selbst seine kulturellen Wurzeln abgeschnitten hat. Dass wäre nicht so schlimm, wenn er es reflektieren könnte. So jedoch wirkt die Kritik am Islam wie eine Projektion. Es ist nicht so sehr der Islam, den Naipaul hier beschreibt, sondern sein eigener Leidensweg. Er ist entwur-zelt. Er hat seine indischen und amerikanischen Traditionen abgelegt, er leidet daran, dass die Dritte Welt nach westlichen Kriterien nicht effektiv ist. Kurz: Er schämt sich seiner eigenen Herkunft. Er schämt sich für die Dritte Welt.
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