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5.0 von 5 Sternen
Mehr als eine Biographie, 20. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Jens Lehmann - Der Wahnsinn liegt auf dem Platz (Gebundene Ausgabe)
Vergleicht man das aktuelle Buch von Jens Lehmann mit dem seines "ewigen Konkurrenten" Kahn, welches vor 2 Jahren unter dem Titel "Erfolg kommt von innen" erschienen ist, fällt zunächst folgender Hauptunterschied auf: Kahns Buch ist mehr eine Art Lebensratgeber, wo Biographisches eingestreut ist, um die jeweilige These zu untermauern. Lehmanns Buch ist dagegen eher eine "klassische Biographie". Natürlich enthält es auch Aussagen und Schlussfolgerungen, die weit über den Fußball hinausgehen, doch werden diese einem nicht aufgedrängt, sondern erschliessen sich beim Lesen quasi von selbst.
Zu den erwähnten Dingen,die weit über den Fußball hinausgehen, gehört sicher der Freitod von Robert Enke am 10. November letzten Jahres. Das genaue Datum ist hier deshalb genannt, weil es gleichzeitig auch Jens Lehmanns 40. Geburtstag war. Solche runden Geburtstage verlaufen ja meist recht feuchtfröhlich. Wenn einem dann in Feierlaune eine so unfassbare Nachricht ereilt, vergisst man so einen Tag wohl nie. Man kann gut nachvollziehen, dass Jens Lehmann die Sache noch heute beschäftigt. Und obwohl er ja mit Robert Enke oft zusammen war, kann natürlich auch Lehmann keine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Warum anbieten. Aber wer könnte das schon ! Auf jeden Fall merkt man, dass Jens Lehmann jemand ist, der sich viele Gedanken über das Leben jenseits des Fußballs macht.
Neben solchen nachdenklichen Passagen überwiegen aber die, die zum Schmunzeln einladen. Und hier darf natürlich der berühmte Zettel vom Elfmeterschiessen gegen Argentinien nicht unerwähnt bleiben. Zumal sich die Sache im Buch etwas anders darstellt als gemeinhin bekannt. Lehmann macht nämlich mehr als deutlich, dass der Zettel eigentlich gar keine grosse Hilfe war, eher im Gegenteil. Weil Schützen entweder gar nicht draufstanden oder aber sie dann doch in die andere Ecke geschossen haben... Egal, es ist ja gut ausgegangen. Und die Legende vom Zettel der Deutschland ins Halbfinale brachte, hat sich inzwischen wohl so verselbstständigt, dass nicht einmal mehr Jens Lehmann oder sein Buch daran noch rütteln können !
Fazit: Ein Buch zum Nachdenken und zum Schmunzeln. So muss eine gute Biographie sein.
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4.0 von 5 Sternen
Ein großer, aber streitbarer Sportler, 27. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Jens Lehmann - Der Wahnsinn liegt auf dem Platz (Gebundene Ausgabe)
Jens Lehmann beschreibt in seiner Autobiografie im Wesentlichen seine sportlichen Anfänge und seine einzelnen beruflichen Stationen einschließlich der Nationalmannschaft.
Das Buch liefert einen schonungslosen Einblick in die Härten des Profi-Fußballgeschäfts. Eine Geschichte um Roman Weidenfeller beispielsweise klingt in ihrer Grobheit schon fast unglaubwürdig. Darüber hinaus werden die (Angst der Fußball-Verantwortlichen vor der) Macht der Medien und auch die Mechanismen des (Bayern-)Lobbyismus sehr gut beschrieben.
Neben diesen ernsten Themen enthält das Buch aber auch zahlreiche lustige Anekdoten, unter anderem aus Jens Lehmanns Jugend, die den Leser teilweise noch zusätzlich durch den ihm eigenen trockenen Humor begeistern.
Besonders interessant fand ich die Autobiografie auch immer dann, wenn Oliver Kahn "ins Spiel" kam, wobei in diesem Zusammenhang insbesondere das zwischen den Zeilen Stehende zu beachten ist.
Worauf auch immer es zurückzuführen sein mag - ob auf Minderwertigkeitsgefühle, unterschwellige Aggressionen oder schlichtweg Überheblichkeit - an vielen Stellen kommt eine gewisse Geringschätzung zahlreichen Mitspielern gegenüber zum Ausdruck. Wenn Jens Lehmann beispielsweise scheinbar nachsichtig betont, dass seine Nationalmannschafts-Kollegen bestimmte Dinge einfach nicht wissen können, weil sie nicht in einem so großen Verein wie Arsenal London spielen, oder wenn Michael Ballack in einem meines Erachtens hinkenden Vergleich - natürlich mit Lehmann selbst - mangelnde Belastbarkeit unterstellt wird, so mag das zwar etwas unsympathisch wirken, gewährt dem Leser aber dennoch Einblicke in den Charakter des streitbaren Torwarts, und auch das spricht wiederum für das Buch. Dennoch kann ich nicht verhehlen, dass meine bis dato hohe Meinung über Jens Lehmann nach dem Lesen der Autobiografie einen leichten Dämpfer erhalten hat. Jens Lehmann war sicher ein großartiger, ehrgeiziger und wahrscheinlich auch lange Zeit verkannter Torwart, doch hätte es von Charakter gezeugt, die eigenen Stärken und Kenntnisse aufzuführen, ohne die Leistungen der Mitspieler und Konkurrenten gleichzeitig in dem Maße herabzuwürdigen.
Kritik an sich selbst zählt dagegen nicht zu seinen Stärken. So war er eigentlich an fast jeder gelben oder roten Karte im Grunde genommen unschuldig. Doch auch diese mangelnde Selbstkritik scheint nun einmal Bestandteil seines Charakters zu sein. Teilweise hat es sogar einen recht hohen Unterhaltungswert, wenn sich Jens Lehmann wegen einer gelben Karte rechtfertigt, und dann der lapidare Nachsatz kommt: "Und weil ich bereits in der ersten Halbzeit wegen einer Kleinigkeit Gelb gesehen hatte,...". Aber man muss wissen, worauf man sich einlässt...
Dabei schimmert durchaus auch der nette, liebenswerte Jens Lehmann durch, der etwa, was im Profifußball fast schon Seltenheitswert besitzt, eine langjährige und nach meinem Kenntnisstand skandalfreie Ehe mit seiner "großen Liebe" vorweisen kann, oder der das uneheliche, von ihm adoptierte Kind seiner Frau - auf diese Tatsache wird auch gar nicht eingegangen - im Buch schlicht als seinen "älteren Sohn" bezeichnet.
Wie dem auch sei, Kritik üben muss ich auf jeden Fall wegen einiger Fehler, die Jens Lehmann, der nie müde wird, seinen Perfektionismus zu betonen, in seiner Autobiografie offensichtlich unterlaufen sind.
So kann sich eine eigentlich interessante Geschichte um Udo Lattek und den tödlich verunglückten Fußballspieler Maurice Banach schon auf Grund des Todeszeitpunktes des einstigen Stümer-Talents so nicht ereignet haben - einmal ganz abgesehen davon, dass Udo Lattek zum damaligen Zeitpunkt Sportdirektor und nicht, wie von Jens Lehmann geschrieben, Trainer beim 1. FC Köln war.
Auch wird das Ergebnis des WM-Viertelfinalspiels 1998 gegen Kroatien falsch wiedergegeben.
Letztlich hätte ich mir auch noch einige Bilder aus Lehmanns Jugend und Karriere gewünscht.
Dennoch vier Sterne, weil "Der Wahnsinn liegt auf dem Platz" einfach ein flüssig geschriebenes, ungemein unterhaltsames Buch über die Karriere eines großen Sportlers mit vielen Facetten ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ausgesprochen amüsant!, 27. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Jens Lehmann - Der Wahnsinn liegt auf dem Platz (Gebundene Ausgabe)
Wer Spaß an Fußball hat, wer gar ein Jens Lehmann-Freund ist, der ist mit diesem Buch sehr gut bedient. Jens Lehmann führt einen ja nicht nur durch sein Leben, sondern auch durch die Fußballgeschichte der letzten Jahrzehnte. Und das tut er mit zeitweilig beißendem Sarkasmus und in sehr ruhrpöttischer Direktheit, so dass man sich schon fragt, ob der ein oder andere Kollege oder Funktionär ihn noch grüßt.
Es ist eine amüsante und kurzweilige Reise, die viele Erinnerungen an spannende/freudige/traurige Fußballspiele heraufspült und den ein oder anderen Einblick in die Strukturen gewährt, den man so vielleicht nicht erwartet hätte.
Einzig und allein sein schier unerschütterliches Selbstbewusssein und das gebetsmühlenartig widergekäute "Ich bin der Beste" ist bisweilen ein wenig anstrengend.
Fazit:
Ein interessantes Buch, das sich dank der fluffigen Schreibe gut lesen lässt und das einen hohen Unterhaltungswert hat!
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