Der Film "Jennifer Eight", 1992 vom britischen Schauspieler Bruce Robinson nach seinem eigenen Drehbuch in Szene gesetzt, ist mehr als nur ein Thriller. Er ist auch eine Geschichte über Abhängigkeit in der Liebe.
Der Großstadtpolizist John Berlin (Andy Garcia) kehrt, privat und beruflich enttäuscht, Los Angeles den Rücken und nimmt eine Stelle bei der Polizei der Kleinstadt Eureka an, wo auch sein Schwager Freddy Ross (Lance Henriksen) arbeitet. Bei der Untersuchung der Leiche eines Obdachlosen, der anscheinend auf einer Müllkippe Selbstmord begangen hat, stoßen John und Freddy auf eine abgehackte Frauenhand. Für John ist der Fall sofort klar: Er sieht den grausigen Fund in Zusammenhang mit einer Mordserie, in der ein Psychopath bereits sieben blinde Frauen im weiteren Umkreis von San Diego getötet und grausam verstümmelt hat. Die Polizei hat die sieben Opfer unter dem Sammelnamen "Jennifer" zusammengefasst.
John hat es schwer, denn niemand seiner Kollegen - auch nicht sein Schwager - kann sich mit seiner Theorie anfreunden, so dass sein Vorgesetzter ihm nicht gestattet, extensive Ermittlungen zu führen. Zudem verliebt er sich zu allem Überfluss in die Zeugin Helena Robertson (Uma Thurman), die - selbst blind - Lehrerin an einer Blindenschule ist und miterlebt hat, wie der Täter sein letztes Opfer abgeholt hat.
Zwar ist sie eine denkbar schlechte Zeugin - muss sie sich doch vor allem auf ihr Gehör verlassen -, aber immerhin eine Zeugin, so dass für John klar ist, dass sich auch der Mörder früher oder später entschließen wird, die für ihn so gefährliche Frau aus dem Weg zu räumen.
Bei einem Versuch Johns, zusammen mit seinem Schwager dem Serienmörder eine Falle zu stellen, kommt es zu einer Katastrophe, und bald schon sieht sich Berlin selbst mit einer Mordanklage konfrontiert und wird von einem FBI-Agenten (John Malkovich - hier wieder einmal herrlich perfide) in die Mangel genommen.
Die Handlung wartet mit einem sehr überraschenden, aber dennoch insgesamt plausiblen Ende auf, und es gelingt dem Film meist, Tempo und Spannung zu halten. Ungewöhnlich für einen Thriller ist allerdings das Gewicht, das auf Szenen gelegt wird, in denen sich John und Helena näherkommen, denn diese verlangsamen den Film doch ein wenig. Dies habe ich aber nicht als einen Mangel empfunden, denn die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren trägt dazu bei, diese zwei an Tiefe und Kontur gewinnen zu lassen. Uma Thurman spielt Helena wahrhaft überzeugend: Bei ihrem ersten Auftauchen steht die Zeugin vor einem grell erleuchteten Fenster, so dass man ihr Gesicht gar nicht erkennen kann, sie hält den Kopf geneigt, als hänge sie an einem Strick und wirkt schüchtern und unsicher - im Laufe ihres Zusammenseins mit Berlin gewinnt sie indes nach und nach an Lebensfreude, wobei gelegentlich ihre Ängste und Unsicherheit wieder durchscheinen. Alles in allem eine große schauspielerische Leistung Thurmans.
Andy Garcias Figur ist ebenfalls vielschichtig, denn es scheint so, als fühle er sich nur deshalb zu Helena hingezogen, weil sie in vielem seiner Exfrau ähnelt und zusätzlich noch blind - also vermeintlich hilflos und an ihn gebunden - ist. Die Symbolik des Lichts unterstreicht dies, obwohl dies auch nur eine Einbildung meinerseits sein kann: Unverhältnismäßig oft sehen wir Berlin mit einer Taschenlampe im Dunkeln hantieren, die er - etwa beim Lesen von Akten - im Munde trägt, so als sei er ein Einäugiger, und der Einäugige ist unter den Blinden bekanntlich König.
Interessant ist aber auch, dass in einer Mordszene das Licht (einer Taschenlampe) nicht gebraucht wird, um das Sehen zu ermöglichen, sondern um das Gegenüber zu blenden und leichter ins Jenseits befördern zu können.
Licht, Sehen und Nichtsehen sind in diesem Film mithin auf einer symbolischen Ebene immer gegenwärtig.
Insgesamt ist der Film gehaltvoller als der Durchschnittsthriller, so dass ich ihm vier Sterne zubillige.