Ich hatte das große Glück diesem Buch bereits als junger Mensch zu begegnen und es gehört zu den wenigen Werken, die mich ein ganzes Leben lang begleitet haben.
P. Gallico hat nicht nur einfach eine Tiergeschichte erzählt, er verfügt über die beiden Fähigkeiten, die einen großen, großartigen Schriftsteller ausmachen:
er kann sich ausgezeichnet in alle Charaktere hineinversetzen (in die menschlichen und die "kätzigen") und er weiß sie in bester Schriftstellermanier derart zu "verdichten", daß man ein Leben lang nicht müde wird, es immer wieder zur Hand zu nehmen.
Auf der einen Seite hat er Katzen als Spezies genauso gut beobachtet, wie dereinst Konrad Lorenz seine Gänse, er schreibt völlig unsentimental und doch mit tiefer Empfindung und das, was seine Katzen erleben, ist doch im Grunde eine herrliche Menschenfabel.
Wem das Buch gefällt, der sollte sich anschließend auch die englische Ausgabe beschaffen, dann kann er den Text erst richtig auskosten; ich habe vor Jahren die deutsche Ausgabe meinen kleinen Kindern vorgelesen, jetzt vertiefen wir anhand des Originaltextes deren Englischkenntnisse.
Wie hervorragend Gallico mit der Sprache umzugehen weiß, sei anhand der kleinen Episode dargestellt, als seine Nanny den gerade soeben in einen Kater verwandelten Jungen auf die Straße wirft und dieser schreit (aber die Menschen verstehen natürlich nur Katzengeschrei: "She threw me - out, me - out, meow..."
Und noch etwas:
Gallico läßt sich Zeit; er schreibt so langsam, wie es nur ein Schriftsteller vermag, der noch von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt wurde und jeder Satz ist ein Genuß. Wer sich bei diesem Buch langweilt, ist bereits durch die Tretmühle der elektronischen Medien gegangen und für die Menschheit verloren.