Jena Paradies schafft in hervorragender Weise die Vielschichtigkeit und Ambivalenz der Protagonisten auszuloten, was umso erstaunlicher ist, da es der Film nicht nötig hat platte Erklärungen aufzutischen, etwa worin das tiefe Zerwürfnis zwischen Jeanette und ihrer Familie besteht. Die Interaktion zwischen den Figuren reicht völlig aus, um den Konflikt in für den Zuschauer befriedigender Weise darzustellen.
So gelingt es auch die tiefe Verzweiflung des Trainers Harry in wenigen, kurzen Sequenzen plausibel zu machen. Für eine Meisterleistung halte ich die Szene, in der Harry versucht sich in einem Sportgeschäft zu bewerben. Ohne jede Rührseligkeit oder Pathos wird hier die Entfremdung zwischen einem Menschen und der Gesellschaft geschildert in einer Intensität, dass einem als Zuschauer der Jammer kommt vor Mitleid mit Harry.
Was den Film vollends abrundet, sind die Kulissen, die perfekt zu den Hauptpersonen passen: u. a. die Umgebung von Jena (Jeanette) und das Ernst-Abbe Sportfeld (Harry).