François-Guy Hourtoulle liefert eine zuverlässige, übersichtliche, von Alan McKay ins Englische übertragene Studie der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt, die am 14. Oktober 1806 das Ende des altpreußischen Staates besiegelte.
Hourtoulle schreibt klassische Operationsgeschichte. Seit Keegan die Schlacht bei Waterloo nicht aus der üblichen „Vogelperspektive", sondern aus Sicht englischer Karrees geschildert hat ("The face of battle. A study of Agincourt, Waterloo and the Somme, London/New York 1976), wünscht man sich weitere Darstellungen, die das Kampferlebnis ähnlich schonungslos veranschaulichen anstatt Regimentsnummern oder Marschwege aufzuzählen. Trotzdem bleibt Operationsgeschichte ein wichtiger Baustein militärhistorischer Forschung.
Wer kommandierende Generale, Organisation und Uniformen der beteiligten Heere, Feldzug und Schlachtverlauf kennen lernen möchte, wird von Hourtoulle sehr gut bedient.
Dass Hourtoulle im ersten Kapitel ("The reasons for going to war") die Kriegsursachen etwas einseitig zugunsten Napoleons deutet, ist zu verschmerzen. Kleinere Ungenauigkeiten fallen kaum ins Gewicht (Möllendorf wurde nicht verwundet, S. 84; Rüchel geriet keineswegs in Gefangenschaft, S. 114, sondern flüchtete nach Königsberg, wo er das Amt des Generalgouverneurs übernahm). Viel störender sind Schreibfehler, die sich bei deutschen Orts-, Personen- und Regimentsnamen eingeschlichen haben. Darüber hinaus wäre ein Register sicher von Nutzen gewesen.
Der Text liest sich flüssig, stellenweise auch schwungvoll. Jede Zeile verrät den Kenner. So erfährt der Leser nicht nur den Gang der Operationen, sondern lernt auch, wie Achtpfünder zu bedienen oder Zugpferde des Artillerietrains anzuschirren waren.
Hourtoulles nüchterne Darlegung der Ursachen von Sieg und Niederlage („Conclusions") hebt sich wohltuend ab von den weltanschaulichen Begründungen eines Höhn („Revolution - Heer - Kriegsbild, Darmstadt 1944) oder Goltz (Von Roßbach bis Jena und Auerstedt, Berlin 1906). Beide haben in Deutschland eine militärgeschichtliche Tradition gestiftet, auf die sich manche Autoren - oft unwissentlich - noch immer berufen.
André Jouineau schuf 50 farbige, detailgetreue, am Computer gestaltete Uniformtafeln aller beteiligten Hauptverbände. Gedruckt auf hochwertigem Papier, sind sie das überragende Prunkstück des Buches. Für Uniformen der „Grande Armée" stützte sich Jouinneau auf Arbeiten von Rousselot und Rigo sowie auf englisch-französische Spezialliteratur. Abbildungen preußischer und sächsischer Uniformen fußen auf älteren Werken von Brauer und Kling. Um so bedauerlicher, dass Hans Bleckwenn sein Fachwissen nicht mehr einfließen lassen konnte.
Wohl nur wenige deutsche Leser kennen die eindrucksvollen Gemälde von Lalauze („The Prussian garrison of Stettin surrendering before Lasalle's hussards", S. 117), Gobaut („The battle of Auerstaedt", S. 83) Poilpot ("Murat leading the charge of the 1st Cuirassiers at Jena", S. 82), Malespina („Charge of the 16th Dragoons at Jena", S. 79) und Detaille („Charge of the 1st Hussars at Jena", S. 79; "Charge of the 9th Hussars at the battle of Saalfeld", S. 68) oder die Zeichnungen von Girbal („Davout at the beginning of the battle", S. 95; „The capture of the Queen's Dragoons standard at Zehdenick par Lasalle's troopers", S. 115) und Zix ("The Artillery of Lannes' 5th Corps begins to climb up and take position on top of Landgrafenberg", S. 41). Viele Bildquellen dürften selbst deutschen Historikern unbekannt sein.
Alles in allem ist François-Guy Hourtoulle mit „Jena, Auerstaedt. The triumph of the Eagle" ein zuverlässiges, hervorragend ausgestattetes Werk gelungen - eine Bereicherung für Fachleute und Liebhaber.