Mit dem Titel konnte ich zunächst nicht viel anfangen. Aber mit fortschreitender Lektüre wurde es ein „furchtbar gutes" Buch. Dabei verflog auch bald die Sorge vor zu viel „Gutmenschsein". Der Autorin gelingt es - im Gegenteil- spannend und sensibel eine wechselvolle Geschichte von Hass und Liebe und ihren vielschichtigen Facetten zu schildern, die von großer psychologischer Einfühlung, Sach-, Orts- und im Hintergrund auch Politik-Kenntnis zeugt. In ihrem vorigen Buch („Miss, wie buchstabiert man Zukunft?") faszinierte bereits die Mischung von Sach- und Menschenkenntnis. In diesem zeigt die Autorin, dass sie auch das Zeug für Romane hat! Wäre Jane Austen 200 Jahre später geboren: Jefra hätte aus ihrer Feder kommen können. Aus dem alltäglichen Leben ein so sprachfreudiges, oft humorvolles, auch weises und gelegentlich bissiges Buch zu machen, das man erst weg legen kann, wenn man sein ungewisses Ende erreicht hat: Kompliment! Allerdings spielt neben den einfühlsamen eingefangenen Alltagsszenen der grausame aktuelle und traumatisierende Krieg natürlich eine entscheidende Rolle. Aber die Kämpfe, die die Protagonistin/nen da ausleben, könnten auch in einem anderen Kontext die eigenen sein. Auf jeden Fall helfen sie, die zum Thema Palästina oft notwendige Verdrängungsfähigkeit durch Alternativen anzureichern. Jefra istmit ihrer persönlichen Wahrheitssuche (hoffentlich) in uns allen. Deshalb ist das Buch nicht nur für Jerusalem-Kenner und solche die es werden wollen ein Muss, sondern für jeden, der das eigene widersprüchliche Menschsein nicht mit Resignation beantworten will.
Als Psychotherapeutin für Erwachsene wäre ich besonders gespannt auf Urteile von Jugendlichen! Ich glaube, es hat das Zeug zum Kultbuch.