Die Serie basiert auf Romanen und Kurzgeschichten von P.G. Woodhouse und erzählt von den Erlebnissen des Dandys Bertie Wooster im England der zwanziger Jahre und seinem Butler Jeeves. Wooster ist der lebenslustige, nicht erwachsen werden wollende, dabei aber gentlemenlike ewige Junggeselle. Jeeves ist sein persönlicher Kammerdiener mit ungemeinen Stil für Etikette und äußerst reichen Wissen über Kultur, Menschen und alle Dinge des Lebens, seinem 'Meister' trotz dessen Ausbildung in Eton und Oxford in Bildung, Wissen und Geist deutlich überlegen. Die Grundkonstruktion der Geschichten ist immer, dass Wooster und Jeeves ein 'menschliches' Problem in den höheren Gesellschaftkreisen durch eine geeignete Aktion - in der Regel einer ironisch-scherzhaften im Geiste eines Simplicissimus oder Hauptmann Köpenick. Meist geht es dabei daru, eine Liebe zwischen Angehörigen der jungen Generation gegen den Widerstand der älteren Generation zum Erfolg zu bringen oder Wooster selber im Gegenteil davor zu bewahren Opfer einer der vielen Verlobungen, die er eingeht, zu werden (dass Wooster sich gegen einer Frau, die sich mit ihm verloben will, nicht mit einem simplen 'Nein' erwehren kann, gehört zur heiteren, nicht ernsthaften Grundausstrahlung der Serie). Dauerwitz ist dabei, dass Woosters eigene Pläne für solche Aktionen - obwohl nicht völlig doof - meistens charmant fehlschlagen, während Jeeves in Manier eines Meisterplanes diffizile, psychologische feinfühlige Pläne ausarbeitet und in die Tat umsetzt, die je nach Ziel zu einer Ehe führen oder diese gerade verhindern. Diese Handlungsgegensatz wird verstärkt durch einen extrem lockeren auftretenden Wooster (immer einen flotten Spruch auf den Lippen und Grimassen schneidend) und den extrem - auf heitere Art - distinguierten und 'steifen' Jeeves.
Um diese Hauptfiguren gesellt sich ein Kosmos von immer wieder auftauchenden Figuren aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis Woosters. Es sind seine diversen Tanten - deren Autoritätsgewalt er sich nur duch Narrenaktionen zu erwehren weiß -, Freunde aus Club und Studienzeit (durchgehend eher skurrile Figuren aus der Szene englischer Gentlemen, z.B. einen Liebhaber von Molchen), sowie die Damen und deren Verwandtschaft, mit denen er sich über die 24 Folgen (4 Staffeln mit je 6 Folgen) diverse Male verlobt und wieder entlobt. In einer einzelnen Folgenwerden zwischen 1-3 der Geschichten der Buchvorlage verarbeitet, was die Folgen mal mehr, mal weniger stringent, komplex und verständlich macht. Szenisch ist das Geschehen in London und auf englischen Landsitzen platziert, einige Folgen spielen aber auch während eines Aufenthalts von Wooster und Jeeves in New York.
Die Serie ist in vielem grandios. Zunächst ist da der ästhetische Gesamteindruck. In seiner Schönheit, Eleganz und Perfektion der Ausstattung und Kulisse der Gentlemenwelt der zwanziger Jahre erreicht sie das Niveau wie z.B. "Mad Men" analog für das New York der sechziger Jahr und ist für sich schon ein Genuss anzusehen. Dann natürlich die schauspielerischen Leistungen von Stephen Fry als Jeeves und Hugh Laurie (der spätere "Dr. House") als Wooster. Die beiden sind Komödianten auf höchstem Niveau, bei dem sich schauspielerische Perfektion in Timing, Mimik und Diktion mit einer für sie idealen Typenwahl paart. Auch das ist für sich genommen ohne jede Geschichte großartig. Ebenso sind die meisten anderen Charaktere schauspielerisch im Sinne guten alten britischen Komödiantentums sehr gut umgesetzt, allerdings sind mir manche etwas zu überspitzt gezeichnet und zu klischeehaft (z.B. der englische Mini-Hitler mit seiner Reichsparteitagsdiktion, die lispelnde Naive oder der stotternde Molch-Fanatiker). Alle sind aber voll in ihren Rollen, spielen sie nicht nur, sondern verkörpern sie auch, so dass auch Überspitzheit - im Vergleich zu durchschnittlichen Klamotten - nie peinlich oder unerträglich wird, sondern nur etwas zuviel des Guten.
Wo mir die Überspitzheiten und Übertreibungen aber gelegentlich zu weit gehen ist in den Handlungen. Nicht immer sind die von Jeeves erdachten Winkelzüge raffiniert und elegant, sondern beinhalten auch mal z.B. alberne Verkleidungen oder Einbrüche, bei denen man über hohe Mauern klettert oder mit einer Leiter in ein Zimmer einsteigt. Auch sind die Verwicklungen, die sich aus misslingenden Winkelzügen ergeben, manchmal übertrieben und enden in klamaukhaften Verfolgungsjagden oder Unfällen und Stürzen al la 'Pleiten, Pech und Pannen'. Weiterhin ist durch die Vermengung von mehr als einer Geschichte aus der Buchvorlage in einer Folge der Serie manchmal das Verständnis der Verwicklungen nicht ganz gegeben, was auch noch dadurch erschwert wird - und das ist für mich ziemlich singulär in der Serienlandschaft - das einige der wiederkehrenden Figren (z.B. Tanten oder Dauerverlobte von Wooster) von verschiedenen Schauspielern verkörpert werden. Diese Schwächen trüben das Vergnügen gelegentlich etwas, so dass man 4 1/2 Sterne geben würde, wenn es das gäbe.
Die absoluten Höhepunkte der Serie sind übrigens gleich die ersten drei Folgen - wo man sich ganz nach englischer Noblesse noch vornehm zurückhält, bevor man dann anfängt auch mal lauter und schriller zu werden - und glücklicherweise auch die letzte Folge. Bis auf....
Diesen Ärger muss ich kurz noch loswerden, denn als Freund gerade des gepflegten Stils der Serie muss man über die letzten zwei Minuten der Serie laut wehklagen: Hier wird zum einen leider auf Humor im Stil einer schlechten deutschen Comedy-Serie zurückgegriffen, zum anderen - und das ist ein dramaturgisch ganz schwerer Fehler - reißt man Jeeves gerade in den letzten Bildern aus der die Grundstimmung der Serie so prägenden und so durchgehend köstlich anzusehenden distinguierten Haltung. Da man ja den Schluss von etwas meist überproportional im Gedächtnis behält, ist das sehr, sehr schade.
Ich habe mir die rein englische Komplettbox zugelegt, weil man die deutlich günstiger bekommt, wenn man in Pfund abrechnet. Das hat den Nachteil, dass man keine deutsche Übersetzung als gelegentliche Verständnishilfe benutzen kann. Die wäre freilich gelegentlich nötig. Es ist im Prinzp zu empfehlen, die Serie im Original zu sehen, denn die Diktion von Laurie und Fry ist grandios, die Sprache äußerst gepflegt und für jeden Sprachästheten ein Genuß und die vielen Alliterationen und englischen Wortspiele sind alleine lautmalerisch und von der Wort- und Satzmelodie ein Genuss. Es ist allerdings oft nicht ganz leicht zu verstehen, im speziellen Jeeves, der gerne sehr ausgefallen höfliches Vokabular benutzt, und Wooster, der viele lockere Sprüche auf der Lippe hat (man stelle sich vor ein Nicht-Muttersprachler schaut sich eine deutsche Serie an, in der der lockere Hauptcharakter Sachen sagt wie 'Alte Wursthaut, mich sticht der Hafer, lass uns die Kurve kratzen'). Ich habe so sicher nicht alles verstanden, aber dem Verständnis der Handlung tut es keinen Abbruch, die ist kaum gefährdet.
So bleibt im ganzen für mich im ganzen ein Glanzpunkt der TV-Unterhaltung der letzten Jahre und ein Muss für Fans von Serien/Filmen in diesem historischen Setting. Über die schwächeren Seiten muss man gnädig hinwegsehen.