Wer Tele einmal live gesehen hat, ist infiziert. Tele legen auf der Bühne so eine Leichtigkeit und sehr viel Humor aufs Parkett, sie spielen mit dem Publikum, und nach Ende des Konzerts - machmal auch schon vorher - sind sie auch gern mal bereit, ein Bierchen mit dem ein oder anderen Zuhörer zu trinken. Bodenständig und sympathisch also. Aber hier geht es nun um Tele in Konserve, ihr viertes Album bereits, und jedes Mal hat man das Gefühl, dass hier noch eine weitere Steigerung passiert ist.
Zunächst einmal bekommt man genau das geboten, was man als Hörer an Tele so sehr schätzt: Die frische, ausdrucksstarke Stimme von Francesco, seine Texte, an die in Deutschland vielleicht höchstens noch Judith Holofernes herankommt, und eine große Liebe zum Detail, gepaart mit Experimentierfreude, was die Arrangements angeht. Mit all diesen Komponenten wird man auch von diesem Album mehr als gesättigt. Und wie sieht es mit dem neuen Material aus?
Vielleicht war es ein Fehler, den doch eher unauffälligen Titel "Die Nacht ist jung" als Singleauskopplung zu wählen. Und vielleicht ist es etwas irritierend, das - zumindest beim ersten Hören - schwer verdauliche "Cecile" gleich an den Anfang des Albums zu setzen. Aber das ist auch alles, was man hier noch bemängeln kann. Zumal sich am Ende des Albums zeigt, warum "Cecile" genau der richtige Eröffnungstrack ist.
Aber dann geht es los. "Im Radio", "Mehr mehr mehr" und "Waiting For Your Call" sorgen bei dem ein oder anderen Hörer für viel Identifikationspotenzial und kann textlich ganz schön an die Nieren gehen. Mittendrin die absolute Steigerung in Form des wohl stärksten Titels des Albums, "Für ein ganzes Land". Eine wunderschön instrumentierte Ballade mit sehr intensivem Text, direkt gefolgt von der bereits erwähnten, etwas unaufdringlichen Single "Die Nacht ist jung". Mit "Foto" schlägt das Album eine andere Richtung ein, die Lieder bekommen einen wesentlich höheren Ohrwurmcharakter und die Texte werden deutlich ironischer. "Testsieger" - dessen Vorspiel "Mit Flügeln und Düsenantrieb" sogar einen eigenen Track bekomen hat - ist ein hoher Favorit auf die nächste Single. Mit "Intergalaktische Missionen" erklimmt das Album seinen Schrägheits-Höhepunkt, bis mit "Jedes Tier" das Album wieder ruhig ausklingt. Hier zeigt sich auch, dass das Album eine runde Sache ist, und "Cecile" kommt einem wieder in Erinnerung. Mehr sei diesbezüglich nicht verraten.
Als Fazit: Die Musik von Tele kann man beim ersten Hören noch nicht ganz erfassen, der ganze Wert ihrer Titel erschließt sich meist erst nach mehrfachem Hören. Aber bei keinem Album bisher konnte man schon beim ersten Durchlauf derart erahnen, wieviel Potenzial die einzelnen Lieder des Albums haben, eine große Rolle im Rest des Lebens einzunehmen.
Alles in allem merkt man, dass Tele viel geschriebenes Material einer strengen Wahl unterzogen haben, um nur das Beste vom Besten auf das Album zu lassen. Wenn die CD durchgelaufen ist, weiß man nicht, welches Lied man als erstes noch einmal hören möchte. Ich persönlich mag "Cecile" und "Die Nacht ist jung" nicht. Was mit Sicherheit Geschmackssache ist. Ansonsten jagt hier nur ein Höhepunkt den nächsten. Bisher das beste Album des Jahres.