Als noch Sterben im Bewusstsein war, gab es Mahnungen, die Endlichkeit zu bedenken, die Musik des Johann Sebastian Bach ist voll des momento mori.
Ein solches momento mori findet alljährlich in Salzburg statt.
"Nach dem Vorbild spätmittelalterlicher Mysterienspiele und dramatischer Bearbeitungen aus der frühen Neuzeit... treten im Jedermann Gott, der Tod, der Teufel und andere abstrakte Wesen als Personifikationen auf. Der wohlhabende Jedermann sieht sich mit dem unerwarteten Tod konfrontiert, der ihn vor seinen Schöpfer führen will. Weder sein treuer Knecht, noch seine Freunde, noch sein Geld wollen ihn ins Grab begleiten; erst der Auftritt seiner Werke und des Glaubens bringen ihn dazu, sich zur Christenheit zu bekennen und als reuiger Bekehrter ins Grab zu steigen."
Der Tod, der muss ein Wiener sein,meint Georg Kreisler.
So ist es nicht verwunderlich, dass der österreichische Regisseur Fritz Lehner sich des Jedermann-Themas annimmt und die Geschichte vom reichen Mann und dem Tod in die Modebranche verlegt. Ein Wiener Modezar will noch weiter herauf, nach Paris, auf dem Weg zu seinem Fest,Jedermanns Fest verunglückt er tödlich,bekommt Aufschub für einen Tag, aber..
"All seine Taten, so viel Anklang und Kritik sie ihm auch eingebracht haben, können nicht verhehlen, dass seine Person doch nur das schmerzliche Abbild eines narzisstischen und wenig einfühlsamen Charakters ist. Somit entpuppt sich alles nur als Fassade: das Verhalten Jedermanns gegenüber seinen Mitmenschen und umgekehrt ist gar nicht real, scheint es doch nur innerhalb der selbstkonstruierten High-Society-Welt zu funktionieren."
Anders als bei Hoffmannsthal wird ein versöhnliches Ende verweigert:
"Doch endet sein Leben nicht ohne die für ihn typische theatralische Inszenierung, durch die Jedermann über seinen Tod hinaus für Aufsehen sorgen wird. So erfährt er auch nicht die Läuterung des Protagonisten aus der Hoffmannsthalschen Vorlage und bereut seine Taten nicht. "
Auf diese Weise wird das Sterben zum Verrecken und wird noch showmässig dokumentiert, demnächst als Kampagne ?
Fritz Lehner ist bekannt für seinen eindrucksvollen Bilder ( man denke an das Schubert-Porträt, "mit meinen heissen Tränen".
Diesen Film gibt es seit Jahren, aber wer schaut ihn. Keine Rezension.
Auch Brandauer, als schauspielerisches Zentrum ( und ,wie ich meine, mit einer beeindruckenden Leistung) vermag daran nichts zu ändern.
Ein schlechter Film ? Oh nein, ein Thema, dem man sich in dieser düsteren,ungeschönten Variante nur ungern stellt.
Er zeigt uns die Hohlheit einer Konsumwelt, die Abwesenheit menschlichen Umgangs und das Elend des Verreckens in Einsamkeit.
Insofern eine moderne Variante des memento mori. Bedenke, dass du sterben wirst, auf dass du so lebst, dann in Frieden gehen zu können.