Diesen genialen Satz findet der Leser auf der Rückseite des Buches. Ich habe ihn erst nach dem Lesen des Textes entdeckt und war von seiner Aussagekraft hingerissen. Leider kommt mir dieser Satz irgendwie typisch für das ganze Buch vor. Denn auf der einen Seite enthält es viele richtige Hinweise und unbestreitbare, aber wenig hilfreiche Wahrheiten (wie die obige Aussage), doch auf der anderen Seite erschien es mir recht unausgewogen und zu sehr auf bestimmte Festlegungen fixiert zu sein. Es enthält leider auch einige zweifelhafte Behauptungen.
Vor allem aber verallgemeinert der Autor seine persönlichen Vorlieben zu oft zum Prinzip. Das, was ihm plausibel und nützlich erscheint, muss anderen Tradern jedoch nicht unbedingt zusagen, denn jeder arbeitet anders. Auch seine Hard- oder Softwareausrüstung mag für ihn ausreichend oder toll sein. Andere werden anders vorgehen und dennoch profitabel handeln. Einige Standard-Softwarelösungen scheint wiederum der Autor nicht zu kennen. Oder er glaubt, dass sie für Anfänger zu teuer sind, denn das Buch kann schließlich nur für diese Zielgruppe oder bisher erfolglose Trader verfasst worden sein, schon weil nachhaltig profitable Händler mit Sicherheit einen Plan haben.
Und dann findet der Leser gelegentlich auch haarsträubende Aussagen im Text. So behauptet der Autor zum Beispiel, dass die Regel, nie mehr als ein Prozent seines Kapitals zu riskieren, nicht immer sinnvoll sei. Das mag sein. Doch sein Gegenbeispiel haut einen dann doch vom Hocker. Er will damit nachweisen, dass man mit dieser Regel ständig ausgestoppt werden kann. Dazu kauft er für ein Depot von 100.000 Dollar Apple-Aktien im Wert von 76.500 Dollar. Eine solche Depotposition würde in der Tat auch nur ein von allen guten Geistern verlassener Trader eröffnen. Zur Ein-Prozent-Regel gehört nämlich auch noch der (dem Autor offenbar nicht bekannte) zwingende Hinweis, dass man für jede Depotposition nur einen bestimmten Teil seines Kapitals benutzen darf, der garantiert nicht bei über 75% liegt und damit bei der genannten Regel ein ungewolltes Ausstoppen verhindert. Später, beim Thema Risikomanagement, fordert dann auch der Autor solche Beschränkungen. Das ist ziemlich verwirrend.
Sieht man einmal von einigen solchen Stellen im Buch ab, dann kann es durchaus ein nützlicher Ratgeber sein, denn es enthält eben auch zahlreiche richtige und vernünftige Hinweise. Der Text ist in fünf Kapitel unterteilt (Grundlagen, Vorüberlegungen, Die Elemente, Risikomanagement, Moneymanagement). Danach folgt ein Beispiel (Tradingplan A, obwohl kein Plan B vorhanden ist), bei dem der Autor auf seine Ausführungen teilweise zurückkommt und einen Handelsplan für ein Depot von 30.000 Dollar zum Traden von US-Aktien entwickelt.
Auf Einzelheiten hier näher einzugehen, fällt mir schwer, weil nach meinem Eindruck das Grundkonzept des Buches nicht stimmig ist. Der Autor möchte seinen Lesern klar machen, dass jeder Trader einen Plan braucht. Doch dazu hätte er einen allgemeineren Ansatz wählen müssen. Mir schien, dass er nicht aus seiner persönlichen Traderwelt ausbrechen konnte, die im Handeln von amerikanischen Aktien besteht.
So steht beispielsweise auf den Seiten 48 und 49 ein Ablaufplan mit Checklisten für den Handel in den USA. Wenn ich diese Listen befolgen würde, wäre ich nach drei Handelstagen reif für die Insel. Da steht zum Beispiel für die erste Handelsphase: "Habe ich eine Position eröffnet?" Wer seine Positionen nach einigen Minuten bereits vergessen hat, sollte sich doch besser mit anderen Dingen befassen. Oder: "Habe ich mir $TRIN/$TICK und $TRINQ angesehen?" Diese Bezeichnungen wurden dem eventuell ahnungslosen Leser vorher nicht erklärt. Dann aber folgen ganz allgemeine Dinge, wie zum Beispiel Fragen, ob man sich an seine Ziel hält oder diszipliniert handelt. Dem Autor gelingt es im gesamten Buch nicht, einen vernünftigen Kompromiss zwischen konkreten und allgemeinen Aussagen zu finden. Entweder bleibt er zu allgemein, oder er wird sehr konkret und verlässt dabei nicht seine Welt. Aus diesem Grund sieht er wahrscheinlich auch nicht, dass ein Tradingplan auch davon abhängt, was ich handle und in welchem Zeithorizont, denn darauf geht er nur am Rande ein.
Fazit.
Dieses Buch enthält zahlreiche gute Ideen, hat mich jedoch insgesamt nicht überzeugt, weil der Autor zu sehr in seiner Erfahrungswelt stecken bleibt und darüber hinaus auch zweifelhafte Aussagen zum Besten gibt.