Bei 'Jeden Tag, jede Stunde' handelt es sich um eine Liebesgeschichte zwischen Luka und Dora. Schon unzertrennlich vereint seit dem Kindergarten werden sie bald auseinander gerissen, da Doras Eltern nach Paris ziehen. Beide haben keinen Kontakt mehr zueinander bis sie sich als Erwachsene auf einer Ausstellung in Paris wiedersehen, denn Luka ist ein erfolgreicher Maler geworden. Dora ist Schauspielerin im Theater und verlässt sofort den Mann, der ihr einen vor kurzen einen Heiratsantrag gemacht hat.
Die beiden verbringen 3 Monate miteinander in Paris, dann will Luka ein paar Dinge in Kroatien klären, um danach wieder zu Dora nach Paris zurückzukommen, denn für beide steht fest, dass sie ihr Leben miteinander verbringen wollen. Doch Luka kommt nicht zurück und meldet sich nicht bei ihr. Dora reist in ihr Heimatdorf und stellt dort fest, dass es nicht an der Liebe liegt, die nach wie vor zwischen ihnen vorhanden ist, sondern dass Luka aus Schuldgefühlen seine Ex-Freundin Klara geheiratet hat, welche bereits ein Baby von ihm erwartet.
Ihnen bleiben nun gute 2 Monate miteinander bis sie sich wieder trennen müssen und Dora zurück nach Paris geht'. Doch dies soll nicht ihr letztes Aufeinandertreffen sein, auch wenn einige Zeit vergehen wird und das Leben weitergeht.
Der Schreibstil der Autorin ist stellenweise durch sehr kurze Gedankenfetzten-artige und unvollständige Sätze geprägt, die ihren besonderen Stil ausmachen. Das ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber nach einer kurzen Einlesephase habe ich mich daran gewöhnt und finde auch, dass die Passagen mit diesen kurzen Sätzen eine gewisse Schnelligkeit in das Buch bringen und man das Gefühl bekommt, dass es voran geht, was meiner Meinung nach auch zum besseren Lesefluss beiträgt. Mir gefällt der Schreibstil von Natasa Dragnic. Eine Besonderheit ist noch, dass das Buch mit dem vorletzten Kapitel beginnt, also schon ungefähr weiß, wie es ausgehen wird.
Ich muss zugeben, ich konnte am Anfang nicht ganz nachvollziehen, wie diese beiden kleinen Kinder im Alter von wenigen Jahren durch nur einen Blick wissen sollen, dass sie für einander bestimmt sind als sie sich im Kindergarten das erste Mal sehen. Dieser Teil der Geschichte wirkt etwas weit hergeholt für mich, dennoch kann man als sie sich als Erwachsene wiedersehen die Anziehung zwischen ihnen wirklich spüren, hier geht das Schema dann doch auf.
Als danach Luka jedoch, der nie auch nur eine Sekunde an seiner einmaligen und einzigen wirklichen Liebe zu Dora zweifelt, beschließt nicht nach Paris zurückzukehren und Klara zu heiraten, kommt nur ein Gedanke auf: Warum macht er das? Die Situation scheint nicht so verworren zu sein, dass er sein Schicksal nicht hätte selbst steuern können, auch scheint er nicht so wirklich der Typ zu sein, der viele Schuldgefühle diesbezüglich zu haben scheint und sich deshalb unbedingt selbst bestrafen muss. Er wirkte immer sehr gleichgültig und abgeklärt allen seiner Freundinnen oder Bettgeschichten gegenüber, so dass dies kein sehr plausibler Grund für sein handeln darstellt. Daher kommt bei mir die Frage auf, ob er einfach den Weg des geringsten Widerstandes gewählt hat, was bedeutet, dass man an seiner enormen Liebe zu Dora doch zu zweifeln beginnt, oder aber er ist ein kompletter Feigling' Dora hingegen tut mir an dieser Stelle einfach nur Leid.
Insgesamt ist es eine schöne Liebesgeschichte voller Poesie und sehr gut geschrieben ohne als übertrieben kitschig zu wirken. Ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen und es hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Durch den Charakter von Luka ziehe ich in Gedanken einen Stern ab. Sonst ist noch kurz zu erwähnen, dass das Buchcover einfach wahnsinnig gut zu der Stimmung zu dem Buch passt und sehr gut ausgewählt wurde.