Wer Interesse an der Erschließungsgeschichte von Bergen hat und alte Fotografien liebt, für den ist dieses Buch eine Bereicherung!
Eine Frau, eine Holländerin, Ausklang des 19. Jh. - nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, um in die Alpingeschichte einzugehen. Ist sie auch nicht, erst Harry Muré, Journalist und Mitglied des Österreichischen Alpenklubs, hat ihre erstaunliche Geschichte und ihre Leistungen dankenswerter Weise wieder an die Öffentlichkeit gebracht.
Das Buch bietet Einblick in die Erschließung der Dolomiten um 1890. Nicht nur Männer, auch Frauen waren daran beteiligt. Damals wurde das nicht verschwiegen und in Fachkreisen gewürdigt. Scheinbar zählten damals wirklich Leistungen, die vollbracht wurden. Und diese waren enorm! 20 Stunden Touren, 3000 Höhenmeter...Dazu noch Sicherungsmittel, die eher der psychischen Beruhigung als tatsächlich der Sicherheit dienten. Meine Achtung vor den Leistungen dieser Zeit ist durch die Lektüre dieses Buches noch gestiegen.
Die kurzen Kapitel, meist Beschreibungen der Begehungen von Jeanne Immink, sind kurzweilig und bisweilen humorvoll. J. Immink: "Schmittkamin, Daumenweg, Nerudakamin... Da ich zufällig die einzige Person bin, welche alle drei Wege auf die Fünffingerspitze kennt, so erlaube ich mir zu sagen, dass der Schmittkamin unbedingt der schwierigste ist." Ein verbaler Seitenhieb auf Ludwig Norman 'Neruda, der ihre Leistungen bagatellisiert hatte.
Die Fotografien (viele von Theodor Wundt) sind eine absolute Bereicherung für das Buch!