Dies ist wieder eine der allerherrlichsten rororo-Monograhien. Und Hanns-Josef Ortheil ist dabei der fuer diese Biographie geschaffene Biograph, denn er schreibt witzig, satirisch, ironisch, amuesiert, immer mit einem still-hintergruendigen Laecheln, fast wie Jean Paul selbst.
In dieser Biographie erfahren wir, in ueblich knapper, aber dennoch ausfuehrlicher Weise, vom Leben des Jean Paul, seinem Aufwachsen auf dem Dorf, von seinem Buch der Abbildungen und der Erkenntnisse, die er sich von klein auf fuer spaeter notierte und dann in seine Buecher einfliessen liess, wir erleben die Welt, aus der er sich spaeter das Material seiner Romane holte. Dann lernen wir von seiner schulischen Laufbahn, seinem Aufbruch gen Weimar und dem Unverstaendnis, das ihm Goethe und Schiller entgegenbrachten. Wir erfahren von seiner Entwicklung, von seiner erlebten Spannung zwischen Vergangenheit, Wurzeln und Sein-Wollen.
Ueberdies aber erfahren wir auch ausfuehrlich von seinen Werken, in einer Detailreichheit und Werkliebe, dass man sich danach schier genoetigt fuehlt, jetzt doch zumindest das eine oder andere einmal selbst zu lesen (wie beispielsweise das "Schulmeisterlein Wutz").
Eine rundum gelungene Biographie, fuer Jean Paul-Einsteiger, wie aber auch fuer die, die gerne noch einmal eine schoene Zusammenfassung des Lebens und Schaffens von Jean Paul lesen moechten, von Herzen zu empfehlen.
Denn aus diesem Buch tritt er vor uns hin: Jean Paul, der Mann vom Lande, der Spassvogel, der das Traurige komisch machte, um es tragischer scheinen zu lassen, der im Innersten der Geschichten ernst blieb und ein wenig wehmuetig, der gerne grosse Sammelsurien von Gedanken und Worten in seinen Buechern vor dem Leser ausbreitete - eine wunderbare Schriftstellermischung, ein Zeitgenosse der grossen Weimarer, ein liebenswerter Kauz - ein Mensch, den man gerne kennenlernen wird.