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Meine Neugier auf das Buch, war der Anreiz für den Kauf des Originals, das schon 1995 erschienen ist. Obwohl meine Französisch-Kenntnisse nicht mehr die frischesten sind, habe ich den Roman so schnell es ging verschlungen. Dabei fühlte ich mit der Protagonistin Chloé ihren Schmerz der Verlassenen. Ich nahm Anteil an ihrer Ohnmacht vor der kommenden Situation, der Ungewissheit, wie es weiter gehen soll. Ich verstand ihre selbstironische Sichtweise von enttäuschten Hoffnungen und verlorenen Träumen. Wer kennt sie nicht, die selbstquälerischen Fantasien, die Frau befallen, wenn er eine andere hat? Die durchheulten Nächte und katzengrauen Tage, die einer Trennung folgen?
Dennoch kenne ich auch das Schuldgefühl desjenigen, der verlässt. Ich verstehe den fehlenden Mut vor dem steinigen Weg, vor dem Schritt, der weh tut. Der pointierte Stil Gavaldas stellt Pierres Erzählungen von der großen Liebe seines Lebens, von heimlicher Untreue und von ungelebten Träumen nachvollziehbar dar. Das Freudsche Dilemma spielt sich dauernd im Kopf ab. "Ich will es nicht", sagt das Gewissen. "Ich will es doch", sagt die Leidenschaft. Es bleibt die Frage, was richtig ist: wenn am Ende das Gewissen oder die Leidenschaft nachgibt?
In welcher Rolle auch immer, die Gedanken an den Kampf um die Liebe sind allgegenwärtig. Voller Lebensklugheit und Witz beschreibt Anna Gavalda die gegensätzlichen Schicksale.
Nach einer Woche hatte ich das Buch endlich auch auf deutsch in der Hand und in weniger als zwei Stunden durchgelesen. Denn auch mit der Originalfassung als Überbrückung der Woche des Wartens auf das Erscheinen der Übersetzung erschien mir die Zeit unendlich, aber es hatte sich gelohnt: Ein wunderschönes Buch, auf Französisch und auf Deutsch! "Der Roman dreht sich um den heroischen und niederträchtigen männlichen Akt, eine Familie zu verlassen, die man liebt, in der es jedoch eine Frau gibt, die man nicht mehr liebt", fasst >Le Figaro littéraire< zusammen. Aber es geht auch um die Angst und den fehlenden Mut, diesen Schritt zu tun. "Wen macht es glücklich, den Status quo zu erhalten, wenn die Liebe erloschen ist?" fragt sich nicht nur die Autorin.
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