Vince Mendoza (* 1961) ist ein vorzüglicher Komponist und Arrangeur, der bedauerlicherweise in der Öffentlichkeit nicht so bekannt ist, wie er es verdient hätte. Ablesen lässt sich dies allein schon daran, dass seine ersten CDs, "Vince Mendoza" (1989), "Start Here" (1990) und "Instructions Inside" (1991) keine sonderliche Beachtung gefunden haben oder in den USA oder hierzulande erst gar nicht erschienen sind.
Geändert hat sich dies erst mit "Jazzpaña" aus dem Jahre 1992, einer CD, die immerhin zwei Grammy-Nominierungen erhalten hat.
Die Musik beginnt mit "El Vito Cante", einer Melodie, die (ältere) Jazzfreunde sofort als Coltranes "Olé" aus "Olé Coltrane" (1961) wiedererkennen werden. "El Vito Cante" wird vorgetragen von Ramon "El Portugues" und Los Jovenes Flamencos. Mit diesem Stück endet auch die CD, hier allerdings gespielt von der WDR Big Band und mit Soli von Dieter Ilg (Bass), John Marshall (Trompete), Steve Khan (Gitarre) und Jorge Pardo (Tenorsaxophon).
Innerhalb dieses Formrahmens findet sich Musik sehr unterschiedlicher Art, z. B. "Tangos" (von Mendoza), mit Soli von Juan Manual Cañzares (Flamenco-Gitarre), Jorge Pardo (Flöte) und Michael Brecker (Tenorsaxophon), "Buleria" (ebenfalls von Mendoza) mit Soli von Cañzares, Al Di Meola (Gitarre), Brecker und Peter Erskine (Schlagzeug), der hier ein besonders gelungenes Beispiel seiner höchst entwickelten Trommelkunst bietet.
Zu hören ist auch eine zweisätzige Suite, "Suite Fraternidad", die etwas herausfällt, weil sie nicht von Mendoza, sondern von Arif Mardin stammt.
Wer sich für die Vermählung iberischer und afro-amerikanischer Musik begeistern kann, sollte an dieser CD auf keinen Fall vorübergehen. Sie setzt das fort, was Miles Davis mit "Flamenco Sketches" (auf "Kind of Blue") und - zusammen mit Gil Evans - auf "Sketches from Spain" begonnen hatte.
Zwar ist das Programm weniger homogen als das von "Sketches from Spain", wo nur e i n Solist, e i n e Band und e i n Arrangeur beteiligt waren, aber die Spielfreude und das Können aller Beteiligten ist so überwältigend, dass man für die Heterogenität sogleich entschädigt wird.
Wer Gefallen und Interesse an "Jazzpaña" gefunden hat, sollte sich auch um weitere Aufnahmen von oder mit Mendoza bemühen, z. B. "Sketches" (1993), "Epiphany" (1999), "Both Sides Now" (Joni Mitchell, 2000), "Vespertine" (Björk, 2001), "Some Skunk Funk" (Randy & Michael Brecker & WDR Big Band, 2005) und "Brown Street" (Joe Zawinul, 2006). Die Suche lohnt sich.