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Der Aufbau des Buches ist wie bei vielen Gesamtdarstellungen im Jazzbereich: Der erste Teil beschreibt die Geschichte des Jazz, von seinen folkloristischen Wurzeln und dem Ragtime bis hin zum Jazz unserer Tage. Im zweiten Teil werden die wichtigsten Persönlichkeiten dargestellt, hier beginnend mit Jerry Roll Morton bis hin zu Wynton Marsalis und Dave Douglas.
Trotz der Überarbeitung durch Schaal bleibt das urspüngliche Werk von Arrigo Pollilo klar erhalten. Wer (wie ich ..) ein großes Interesse gerade auch an der Zeit nach 1970 hat, muß daher wissen, dass diese Zeit vielleicht etwas stiefmüttelich behandelt wird. So werden z.B. weder Chick Corea noch Herbie Hancock oder etwa Joe Zawinul mit eigenen Portraits gewürdigt. Man mag das vielleicht bedauern, ich muss aber sagen, dass eine Darstellung dieser moderneren Perioden des Jazz wohl nicht auf dem Niveau gelungen wäre, auf dem Polillo "seine" Periode beschreibt. Diese Beschreibungen sind schlicht das Beste, was ich zu dem Thema je gelesen habe. Auch der, der sehr viel über Miles Davis weiß, wird den Beitrag über ihn mit großem Genuss lesen und eben doch noch das eine oder andere Neue erfahren. Gleiches gilt z.B. für den Beitrag zu Keith Jarrett, den einfach jeder, der ein Fan seiner Musik ist, gelesen haben muss.
Auf dem selben Niveau bewegt sich die Darstellung der Musikstile und Entwicklungen. Polillo stellt hier immer wieder Beziehungen zwischen der Musikrichtung und den äußeren Umständen der relevanten zeitlichen Periode dar. Es ist also viel die Rede von Malcolm X, Rassenunruhen, Martin Luther King und was sie für das öffentliche Leben der USA bedeuteten. Selbst alle die, die z.B. Free Jazz selten und nur in ganz bestimmten Stimmungslagen hören, haben daher an der Lektüre darüber ihren Spass und können ihr Verständnis für die Hintergründe steigern.
Der Verlag hat darauf verzichtet, den Originaltext Polillos sprachlich zu überarbeiten. Wenn von Schwarzen die Rede ist, heißt es also politisch unkorrekt "Neger" (und zwar sehr oft). Mich hat dies kaum gestört, auch wenn der Verlag wohl besser beraten gewesen wäre das zu ändern.
Ich nehme den Polillo wieder und wieder zur Hand. Viele Beiträge habe ich schon mehrfach gelesen, und werde das bestimmt wieder tun.
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