Vorbemerkung: Wenn in den 60-er und 70-er Jahren Jazzmusiker Versionen aktueller Tagesschlager einspielten, taten sie das in der Regel nicht, um bleibende Kunstwerke für die Nachwelt zu schaffen oder gar die intellektuellen Ansprüche späterer postmoderner Kritiker zu befriedigen, sondern um ihre Plattenverkäufe anzukurbeln und Rundfunkpräsenz zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund sind viele Titel auf diesem Sampler zu beurteilen und - um es gleich zu sagen - unterhaltsam sind sie immer noch. Einige Aufnahmen entstammen der Orgelcombo- und Souljazz-Szene dieser Zeit und gleichen die harmonische Schlichtheit mancher Titel durch seelenvolles, funkiges Spiel und Hammondorgelklänge aus. Bezeichnend ist auch, dass Stevie Wonder und Marvin Gaye, die ja für die etwas intellektuellere Seite des Motown-Labels stehen, mit ihren Kompositionen für Jazzmusiker besonders attraktiv waren und sind. Besonders gelungene Beispiele sind hier die Aufnahmen von George Shearing, Lionel Hampton und Hank Crawford. Grover Washingtons Version von "Inner City Blues" ist für meinen Geschmack etwas hektisch und hyperventiliert, für den Saxophonisten war sie seinerzeit ein Überraschungserfolg, mit dem er den Status eines Popstars erlangte (von Gil Scott-Heron gibt es übrigens eine wirklich überzeugende Jazzfassung dieses Songs). Eine Kategorie für sich stellen die Aufnahmen des Pianisten Ramsey Lewis dar. Mit rein akustischer Instrumentierung kreierte er in den 60-er jahren einen kompakten, groovenden Erfolgssound, der sich allerdings bald als stereotyp und klischeehaft erwies. Im Kontext dieses Samplers sind die beiden Nummern aber willkommene Einsprengsel.