Der Auftritt vom März 1953 (und sein Mitschnitt auf LP veröffentlicht) war der erste einer Reihe populärer Alben von Auftritten in amerikanischen Colleges. Brubeck's Quartet wurde durch diese College-Konzerte sehr populär beim weissen, gebildeten Publikum, das hier Jazz mit klassischem Einschlag von vier Gentlemen mit perfekten Manieren serviert bekam - ganz anders als die verruchte, verrufene Musik, als die Jazz sonst galt. Man hat Brubeck genau das vorgeworfen, er habe den Jazz verraten und zu einer Art Konzertmusik für liberale Weisse gemacht - da ist was dran, allerdings ist das ungerecht, man kann ihm schließlich nicht sein Publikum vorwerfen. Am Ende war der ausschlaggebende Faktor sein Erfolg, im Guten wie im Schlechten.
Dies alles beiseite gelassen, ist "Jazz at Oberlin" ein Dokument des Dave Brubeck-Quartets während seiner großen Zeit Mitte der 50er Jahre. Das Zusammenspiel zwischen Brubeck und seinem Altsaxophonisten Paul Desmond war phänomenal, Brubeck's Piano Solo auf dem ersten Stück "These Foolish Things" beinhaltet alles das, was seinen Stil ausmacht - "perkussiv" nennen ihn die einen, "schwerfällig" die anderen, auf jeden Fall war das etwas anderes als was man sonst so in 1953 zu hören bekam.
Einzig der Schlagzeuger Lloyd Davis hält sich für meinen Geschmack zu sehr im Hintergrund, da hätte man auch ein Metronom hinstellen können, das sollte in der Folge mit anderen Schlagzeugern besser werden.
Die Tonqualität ist für eine Live-Aufnahme aus 1953 nicht schlecht, man merkt, daß gute Toningenieure von Fantasy zugange waren.