Queen war zwischen 1973 und 1980 die genialste Rockband des Planeten. Ihr Metier: Glamouröser, operettenhafter, exaltierter und unberechenbarer Art/ Progressive/ Hard Rock. Stilprägend waren Brian Mays singende Gitarre und die Präsenz von Freddy Mercury. - The Great Pretender, befangen in Schüchternheit, dem ständigen Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit und der übergroßen theatralischen Geste.
Die damaligen Anhänger von Queen verfügen heute in aller Regel über ausreichend bare Münze. Und sie gehören jener Generation an, für die die Anschaffung von LPs oder CDs Ehrensache ist. Das Kalkül des Universal-Konzerns, noch einmal alle Alben von Mercury, May & Co. als Remaster-Edition zu veröffentlichen, ist also gut nachvollziehbar - und ein bisschen abgeschmackt.
"Jazz" ist das siebte Album der britischen Rockband; es enthält die Hits "Fat Bottomed Girls", "Bicycle Race" und "Don't stop me now".
Die musikalischen Qualitäten dieses Albums bedürfen wahrlich keiner weiteren Kommentierung mehr; interessanter ist jetzt die Frage nach der Qualität des 2011er Remasterings. Und da liegen Licht und Schatten tonal dicht beeinander. Queen wirkt jetzt noch markiger, präsenter, knackiger - rockiger. Freddy Mercury rückt stärker - machmal zu stark - in den Vordergrund. Eine klangtechnische Reverenz vor der Bühnenpräsenz des Sängers? In den Mittel- und Hochtönen klingt der Remaster insgesamt klarer, transparenter und strukturierter als die Originalalben.
Aber ach! die Tieftöne! Ein offenkundiger Kotau vor dem aktuellen Massengeschmack: Die Bässe sind zu stark angedickt worden und umgeben auch einige Mittellagen mit einer dämpfenden Hülle. Das gilt immer nur passagenweise, erwischt aber auch Brian Mays Gitarre.
Klanglich hinterlässt der Remaster von 2011 daher einen ambivalenten Eindruck. Und das hat rein gar nichts mit den von Queen gern genutzten klangtechnischen Stilmitteln zu tun. Vielleicht hat es aber nur eines Anlasses bedurft, um in einigen Jahren einen erneuten Remaster aufzulegen. Man spürt die Absicht und ist verstimmt.
Musikalisch über jeden Zweifel erhaben, klanglich im Bestfalle befriedigend - das ergibt vier (schwache) Punkte.