Der Hanser-Verlag legt erneut ein gewichtiges Buch vor. Über 700 Seiten DIN A 5 in Spezialbindung sind ein äußerlich beeindruckendes Werk, das den hohen Erwartungen leider nur zum Teil gerecht wird.
Die beiden Autoren , maßgebliche Mitglieder des Entwicklerteams zu Hibernate, führen detailliert und fachkundig in das Persistenz-Framework ein. Beim Thema ORM-Mapping beschreiben sie sowohl den bis vor kurzem einzig möglichen Weg mit XML-Dateien, als auch den seit den neuesten Hibernate-Versionen zu bevorzugenden Mapping-Stil im Code der Objekte mit Hilfe von Annotationen. Leider ist das etwas mühsam zu lesen: zu einer Problemstellung folgt stets zuerst die ausführliche Beschreibung, wie man das Mapping im XML durchführt. Danach kommt die Beschreibung des Mappings mit Annotationen, die aber leider etwas knapper ausfällt. Die Folge ist, dass der Leser sich selbst wenn er nur mit Annotationen mappen möchte, die Beschreibungen des XML-Mappings meist nicht sparen kann, weil darin mitunter Informationen enthalten sind, die im Annotationen-Abschnitt nicht wiederholt werden.
Didaktisch ist das Buch jedoch abgesehen von dieser Schwäche hervorragend aufgebaut. Sehr anschaulich und anhand eingängiger Beispiele werden alle für das Verständnis wichtigen Themen wie etwa der Persistenz-Lebenszyklus von Objekten beschrieben. Was in anderen Büchern, die ich gelesen habe, oft zu kurz kommt, wird hier erschöpfend behandelt. Ausführlich werden alle Aspekte von Hibernate, aber wo sinnvoll auch dessen Unterschiede zur Java-Persistence-API beschrieben. Transaktionen, Caching, Abfragen mit HQL und mit der Criteria-API sowie das Testen von Hibernate-Anwendungen werden beschrieben, ohne wesentliche Fragen unbeantwortet zu lassen.
Was dem Buch auch fehlt, ist hier und da ein Blick über den Tellerrand. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass Hibernate-Anwendungen oft in Container wie etwa Spring eingebettet werden. Dadurch ändern sich etwa das Bereitstellen einer Session oder einer Transaktion. Spring bietet mit Hilfe von AOP erhebliche Vereinfachungen, und dazu hätte ich gern an den passenden Stellen mal einen Hinweis gefunden.
Nicht einverstanden bin ich mit der Arbeit des Übersetzers bzw. des deutschen Lektorats. Sprachlich ist das Buch nämlich häufig ziemlich gruselig. Dass man nicht auf jeder Seite die ohnehin fragwürdige Redewendung "von daher" verwenden muss, wenn man z.B. "deshalb" meint, und dass man "brauchen" wirklich nur mit "zu" gebraucht, sollte jemandem, der mit Sprache sein Geld verdient, durchaus geläufig sein. Und anscheinend kennt der Übersetzer den Bedeutungsunterschied zwischen "scheinbar" und "anscheinend" nicht. Kleiner Tipp: "scheinbar" ist fast immer falsch. Warum fällt das der Lektorin nicht auf?
Für den Inhalt des Buches gibt es satte fünf Sterne -- trotz der oben beschriebenen Probleme bei der Beschreibung des Mappings. Die amateurhafte Übersetzung hemmt den Lesefluss aber leider -- jedenfalls, wenn man dazu neigt, sich darüber so zu ärgern wie ich. Und so bleiben am Ende eben nur drei Sterne übrig.