Im Rahmen einer Schulungsdurchführung hatte ich mich in Eclipse RCP und SWT/JFace einzuarbeiten. Da die Eclipse-Plattform in der Version 3 eine gründliche Überarbeitung erfahren hat, war gute Literatur hierüber rar gesät. So erwartete ich sehnsüchtig diese Ausgabe „Java-Entwicklung mit Eclipse 3" von Berthold Daum.
Das Buch richtet sich in erster Linie an Einsteiger, ist aber ebenso geeignet als Nachschlagewerk für Fortgeschrittene und Profis.
Der Inhalt ist unterteilt in folgende Themen: Java IDE, visuelle Kompositionen, Projekte richtig organisieren, Projektentwicklung, SWT, JFace, Plugins für die Workbench entwickeln, Eigene Produkte auf der Grundlage von Eclipse entwickeln, Rich Client Platform.
Das Buch erweist sich als leicht verständlich und stellt die Themen übersichtlich dar. Hierbei erweist es sich auch als sehr gut, dass nach arbeitsintensiven Kapiteln Beispielprojekte von Grund auf mit dem Leser entwickelt werden, um die erarbeiteten Themen in die Praxis umzusetzen (die Projekt sind (1) Duke spricht - Hello World als Sprachausgabe, (2) Jukebox - eine Java-Version der Jukebox auf Basis von SWT und JFace, (3) Rechtschreibprüfung als Eclipse-Plugin, (4) Das Spiel Hex als RCP-Applikation).
Zu den Themen im Einzelnen:
Eclipse als IDE und Projektorganisation: Gerade für den Neueinsteiger in Eclipse sind diese Themen gut geeignet: Der Leser wird in die Lage versetzt, die Eclipse-Plattform in seiner vollen Größe für die eigene Projektentwicklung einzusetzen (u.a. auch durch die Einbindung von CVS in die Team-basierte Projektentwicklung).
SWT und JFace: Der Leser erfährt alles Wissenswerte über die Vor- und Nachteile des Einsatzes von SWT und JFace. So gibt der Autor immer wieder Hinweise auf verborgene Unzulänglichkeiten, die in der unterschiedlichen Plattform-basierten Implementation des SWT begründet liegen. Weiterhin ist das angeschlossene Beispielprojekt gut geeignet, den Einsatz von SWT und JFace praktisch zu üben.
Plugins für die Workbench und RCP: Diese mit Abstand heikelsten und mächtigsten Themen der aktuellen Eclipse-Plattform nehmen - themengemäß - die Hälfte des Buchs in Anspruch. Der Autor bespricht zuerst die Konzepte und den Einsatz von Plugins für die Eclise-Plattform, steigt sodann über Beispiele tiefer in die Thematik ein, um das Gebiet mit dem Beispielprojekt „Rechtschreibprüfung als Plugin" abzuschließen.
Das Themengebiet RCP hat seinen Schwerpunkt im Beispielprojekt, anhand dessen der Leser die einzelnen Schritte, die zur Erstellung einer Applikation auf RCP-Basis erforderlich sind, gut nachvollziehen kann.
Insgesamt kann das Buch als universelle Hilfe für die Eclipse-Plattform 3 angesehen werden: Durch ausreichend Sreenshots weiß der Leser stets, worauf der Autor sich bezieht, wo er sich gerade befindet.
Im Anhang des Buches hat der Autor eine Liste vieler nützlicher - freier und kommerzieller - Plugins für Eclipse zusammengestellt, nebst Link zum Download.
Als äußerst hilfreich hat sich auch die Schritt-für-Schritt-Anleitung des Autors erwiesen, wie der Entwickler bei einem Eclipse-Versionswechsel seine Projekte in die neue Version unkompliziert einbinden kann.
Da das Buch mehr eine Grundlage für die genannte Thematik darstellt, kann tiefergehendes Fachwissen nicht erwartet werden. Hierfür ist weitere Spezialliteratur erforderlich (so wird beispielsweise auf das allgemeine ClassLoader-Problem bei Plugins in Verbindung mit RCP und dessen eventuelle Lösung nicht eingegangen).
Alles in allem ist das Buch sehr empfehlenswert, das in keiner Bibliothek eines Java-Entwicklers unter Eclipse fehlen darf.