Als relaxtes Kamingespräch unter Freunden darf man sich «Jasmine» vorstellen ' wobei diese Freunde zwei der besten, altgedientesten Jazzgrößen sind, die sich seit inzwischen 40 Jahren kennen. Entsprechend klingt «Jasmine» nach gutem Wein oder Whiskey, vielleicht aber auch nach MIlchkaffee und Chai-Tee ' jedenfalls entspannt, gemütlich, ein Dialog von zwei Musikern, die sich unaufdringlich die Bälle zu werfen, die sich nichts zu beweisen haben. Obwohl Jarrett schon vom Instrument her natürlich dominanter ist und beherzt und oft bei aller Flüssigkeit auch mit kleinen Kantigkeiten frei improvisierend durch die Standards tanzt, begleitet von einem leicht atonalen Gould-esquem «Gesang», schafft erst Haden mit seinem melodischen, unfassbar stoischem Bass ein Fundament für Keiths Wanderungen. Es ist tatsächlich so, wie die kongenial-minimalistische Zeichnung auf dem Cover suggeriert ' zwei Felder, die nicht so einfach sind wie sie auf den ersten Blick scheinen mögen, eine große Schnittmenge, aber auch Bereiche, die außerhalb dieser Gemeinsamkeit liegen, und die nicht minder spannend sind. Jarrett, der depressive Freigeist und Haden, der in den letzten Jahren ja häufiger den samtigen, sanften Tönen entgegen neigt, laufen auch oft auseinander, scheinen in Diskurs zu geraten, um dann plötzlich wieder aufs wunderbarste zusammenzufinden, ineinander zu münden. Im Gegensatz zum Piano erweist sich der Bass selbst in Meisterhänden wie denen von Charlie Haden nur bedingt als langfristig spannendes Soloinstrument, und so ist es natürlich in erster Linie ein Piano-Album, aber Haden bekommt viel Freiraum für eigene Wanderungen, die Jarrett nur mit einigen hingehauchten Akkorden begleitet. Bei weniger stellaren Partnern würde das Album nicht selten sicher mit dem Bauch am Seichten entlangschrappen, aber den beiden Veteranen gelingt das Kunststück, einen offenen, leicht zugänglichen Jazz zu zaubern, der mitunter nach Bargeklimper klingt, es aber nie wirklich ist, der handwerklich famos, nahezu symbiotisch funktioniert. Das Ergebnis ist ein für Jarretts Verhältnisse beschwingt-leichtes Album, das fast schwerelos zu sein scheint.