Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Es ist aus einer Perspektive geschrieben, die in der Literatur nicht so häufig vorkommt, aus der eines sephardischen Juden. Der junge Nuri, selbst in Bagdad geboren, von dort jedoch mit seiner Familie nach Israel emigriert, lebt im Jerusalem der 60er Jahre. Nuri selbst ist ein Paradebeispiel dafür, dass Identitäten wesentlich vielschichtiger sein können, als gerne angenommen. Er ist schwer einzuordnen und das in Zeiten, in denen man sich schlicht für eine Seite entscheiden muss. Als Jude aus Bagdad ist er unweigerlich geprägt durch die arabische Kultur, Musik und Sprache. Nuri ist also ein Wanderer zwischen diesen unterschiedlichen Welten. Sein Potential wird auch von der Regierung erkannt, die ihn in Folge des Sechs-Tage-Krieges sozusagen als Vermittler einsetzt. Dabei trifft er auf die junge Palästinenserin Jasmin. Das Buch ist zwar eine große Liebesgeschichte, aber nicht vordergründig. Keiner der anderen Protagonisten, neben den Liebenden, kommt zu kurz, ihren Gedanken und Gefühlen wird ausreichend Platz gegeben. Dadurch entwickelt sich ein selten dagewesenes und vielschichtiges Bild des Konfliktes, in dem es nicht nur eine Wahrheit gibt. Gerade die Perspektive des jungen Nuri, der die arabische Kultur zu verstehen und zu lieben scheint, aber auch Israeli ist, ist besonders reizvoll. Nebenher entwickelt sich diese wunderbar poetische und symbolträchtige Liebesgeschichte, ganz zurückhaltend und nicht dick aufgetragen, in ruhigen Tönen und dennoch ungalublich mitreissend und fesselnd. Ein trauriges, nachdenklich machendes, aber vor allem wunderschönes Buch!