Wenn der Sänger einer von mir als sehr gut befundenen Band eine Solo-CD veröffentlicht, fällt es mir immer sehr schwer, das Ergebnis nicht mit den früheren Aufnahmen zu vergleichen. Jarvis Cockers Stimme und seine Texte waren (oder "sind" - gibt's die Band eigentlich noch?) immer ein dominantes, charakteristisches Element von Pulp. Ohne eine gewisse Voreingenommenheit konnte es also nicht ans Hören gehen. Was ich erwartete, wusste ich selbst nicht so genau, vielleicht eine Mischung aus Vertrautem und Neuem. "Überraschung" und "Enttäuschung" wären vollkommen irreführende Begriffe aber ein ganz klein wenig mehr (oder etwas anderes) hatte ich schon erhofft.
Viele Balladen, wenig up-tempo-Material, Jarvis' markante, zwischen hysterischem Falsett und sonorem Crooning variierende Stimme und intellektuell-zynische Texte - das bekommt man geboten. Solide und wenig überraschend, aber das ist ja schon mal was. Und mal ehrlich: Wer eine bittersüß-zynische Ballade "I will kill again" und ein düsteres Popstück (klanglich irgendwo zwischen Lee Hazlewood und Nick Cave oder gar der alten Gnadenschwester Andrew Eldritch einzuordnen) "Disney Time" nennt, kann doch nur von der Insel kommen.
Jarvis Cocker ist mittlerweile Familienvater und lebt in Paris aber dieses gekonnte Spiel mit Erwartungen, diese Ironie, diesen blasierten Sarkasmus ? das kriegt wohl nur ein spleeniger Engländer so richtig hin. Und insofern hat er meine Erwartungen ja doch zu vollster Zufriedenheit erfüllt.