Nach dem recht gruseligen Band "Der Brautkimono", der sich scheinbar primär um das Auflisten von Markennamen drehte, geht die Geschichte um Rei Shimura, nunmehr sesshaft in Washington D. C. und nach den letzten Ereignissen quasi als "Persona non grata" aus Japan verbannt, nahtlos weiter.
Es sei hier inhaltlich nicht zu viel verraten - aber mir hat der Band gefallen. Zugegeben, gegenüber "Der Brautkimono" braucht es dazu nicht viel, aber "Japanische Perlen" ist tatsächlich ein Lichtblick. Warum allerdings dieser Titel gewählt wurde ist mir schleierhaft, denn "The pearl diver" im Original trifft die Story viel besser.
Der ursprüngliche Charme der japanischen Schauplätze der frühen Bände ist mit Washington nun de facto verschollen gegangen. Japanische Kultur, die gut recherchiert für mich viel zum Charme und Attraktivität der Reihe beiträgt, blitzt nur (noch) hie und da auf - insbesondere wenn Tante Norie quasi als Botschafterin der "alten Welt" auf der Bildfläche erscheint. Dies wird aber ganz gut durch typische, recht dichte Südstaatenatmosphäre abgelöst und kompensiert.
Statt japanischer Enge tauchen wir mit Rei also ein ins Dickicht des politischen Treibens von Washington D. C., lernen ihre Cousine Kendall und ihren Mann kennen, gehen auf Tuchfühlung mit dem harten und nicht immer zimperlichen Restaurantgewerbe und streifen das Thema Vietnamkrieg und seine späten Konsequenzen. Was den Band aber interessant(er) macht ist die Fortentwicklung von Rei als Hauptfigur: Beziehungsprobleme und auch persönliche Schicksalsschläge setzen ihr zu. Aber Rei reift, und dies macht Lust auf mehr.
Natürlich kommt Sujata Massey (wieder) nicht umhin mindestens eine explizite Sexszene auszupacken (wenn auch spät - ich hoffte es ginge ohne...), und es müssen dann auch, offenbar unvermeidbar, öfters ausdrücklich die Schuhe von X, das Hemd von Y oder die Windeltasche von Z sein - dies nervt, weil es nur oberflächliches Geblähe ist. Aber gegenüber "Der Brautkimono" bleibt dies im erträglichen Maß - Story statt Warenschau!
4 Sterne also für diesen Popkorn-Krimi, 3 wären mir zu wenig.