Kurzinfo vorab: Bei diesem Buch handelt es sich um eine Wiederveröffentlichung einer über 130 Jahre alten Übersetzung einer englischen Textsammlung und nicht etwa um eine zeitgenössische Zusammenstellung japanischer Mythen.
Diese Textsammlung wurde durch den in Tôkyô stationierten britischen Gesandten Algernon Bertram Mitford in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammengetragen. Die Sammlung wurde unter dem Titel "Tales of Old Japan" in zwei Bänden aufgelegt und später auch in zwei Bänden in Deutschland veröffentlicht; die beiden Bände wurden in dieser 2007 erschienenen Neuauflage in einem Band zusammengeführt.
Zum Inhalt: Neben klassischen Heldengeschichten wie der Legende der 47 Rônin finden sich in dem Buch neben weiteren volkstümlichen Geschichten auch japanische Märchen sowie Schilderungen verschiedener Bräuche im Japan der Meiji-Zeit.
Das Buch ist eher als eine zeitgenössische Betrachtung des Japans der frühen Meiji-Zeit (ab 1868) denn als eine moderne Sammlung von Mythen und Bräuchen zu verstehen. Dies äußert sich z.B. bereits im Inhaltsverzeichnis, in dem keine (nach heutigen Kriterien) klare inhaltliche Gliederung der verschiedenen Geschichten und Schilderungen vorhanden zu sein scheint.
An der Transskription zeigt das Buch am deutlichsten sein Alter - standardisierte Transskriptionssysteme wie etwa die Umschrift nach Hepburn vermisst man hier völlig und bei einigen im Buch vorkommenden Namen und Orten kann man die tatsächliche Schreibart nur erahnen.
Von der Materialqualität her Daumen hoch; man kriegt für zehn Euro nur selten ein ordentlich gebundenes Buch mit hübsch gestalteten Schutzumschlag. Wer aber vor englischen Büchern nicht zurückschreckt, sollte lieber gleich zu den Originaltexten von Mitford greifen:
Tales of Old Japan: Folklore, Fairy Tales, Ghost Stories and Legends of the Samurai