Die mysteriöse Statuette eines römischen Gottes, ein unschuldiger Trödelhändler und seine Familie, die sich nach und nach zum Schlechten verändert, und ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit sind die Hauptzutaten von "Janus". Siefener weiß, wie man anspruchsvoll und angenehm zugleich schreibt; Phrasendrescherei und altbekannte Bilder finden nur selten den Weg in das 309 Seiten starke Buch. Das scheint aber zu gewissen Längen zu verführen, die Spannung leidet darunter. Vor allem zu Beginn will die Geschichte um Anton nicht richtig Fahrt aufnehmen, und als sich dann die ersten unheimlichen Dinge ereignen, gelingt es dem Autor nicht immer, dies richtig in Szene zu setzen, um die Spannungskurve in die Höhe zu treiben. Dabei gibt es stilistisch nichts zu beanstanden: Zwei Handlungsstränge verfolgt der Leser, den einen mit Antons Familie im Mittelpunkt, den zweiten mit einem Unbekannten - diese Sequenzen vermitteln durch die ständige Ungewissheit dann endlich etwas unheimliche Spannung.
Auch die Figuren bleiben eher blass und bieten kaum Potenzial zur Identifikation. Anton, Karla und Maximilian bleiben distanziert, was es dem Leser nicht leichter macht, sich in die lange Zeit undurchsichtige Geschichte einzufinden.
Insgesamt erweist sich "Janus" als eher durchwachsener Phantastikroman. Stilistisch versteht Siefener sein Handwerk und liefert eine solide geschriebene Geschichte ab. Allerdings bleibt die Unterhaltung durch einen eher flachen Spannungsbogen und einige Längen etwas auf der Strecke. Fans des Autors werden aber nicht enttäuscht sein, denn Siefeners schlechtester Roman ist "Janus" bestimmt nicht.