Gebraucht kaufen
Gebraucht - Sehr gut Informationen anzeigen
Preis: EUR 3,89

oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
 
   
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Jans muß sterben. Erzählung
 
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Jans muß sterben. Erzählung [Gebundene Ausgabe]

Anna Seghers


Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Fratze der Lebensgier

Eine nachgelassene Erzählung

«Jans muss sterben», das ist schon im Titel beschlossene Sache. Nun müssen wir das bekanntlich alle – doch wie der Satz dasteht, stellt sich die Frage: warum? Schicksal, Fügung, höhere Gewalt, niedere Beweggründe? Ein böser Gott oder ein schlechter Mensch? Krankheit, Selbstmord, Mord? Um alle diese Möglichkeiten kreist diese Erzählung, ohne dass es am Ende eine Lösung gäbe. Ein Krimi, wie ihn die Niedertracht des Lebens, wie ihn die geheime Logik der Übertragung schreibt.

Anna Seghers war 25, als sie diese Geschichte zu Papier brachte, und nicht ausgemacht ist, dass sie den Titel wirklich so wählte: er geht auf eine Notiz zurück, die man, wie die Erzählung auch, in ihrem Nachlass fand; ohne Vermerk der Autorschaft übrigens. Doch alles – der luzide Stil so wie die für das Gesamtwerk charakteristischen Motive – lässt darauf schliessen, dass das nun erstmals veröffentlichte Stück Prosa aus Anna Seghers Feder stammt; es legt Zeugnis ab von dem psychologischen Scharfsinn einer Autorin, die das Aufbegehren gegen ein ängstlich gedrücktes Dasein zu ihrem Lebensthema erkor.

Jans also muss sterben, ein auf den ersten Seiten noch glänzendes kräftiges Kind, goldbraun und in roten Hosen, auf den folgenden schon ein verschrumpelter Greis mit uraltem Gesicht und pfeifendem Atem; ein Gnom, der zum Sterben in eine Ecke gelegt wird. Eines Tages geschah es, dass dem Kind die Welt plötzlich farblos und schal erschien und das Leben kippte: auf die andere, dem Tod zugewandte Seite. Ein Entschluss? Opfer? Preis?, auf dass die Eltern leben können. Eine böse Fratze ihrer geknechteten Lebensgier.

Die Eltern: Martin Jansen, ein schwerer, gutmütiger Mensch, und Marie, lebenslustig und unzufrieden, früh verheiratet beide und das bisschen Gefühl schon lange verbraucht, kläglich der eine, erbittert die andre, ein trauriges Paar in einem nach Suppe riechenden Zimmer in einem mürrischen Haus. Und dann kommt das Kind. Schreit, isst und schläft. Mit ihm kehrt das leuchtende Wünschen, «die Hoffnung in ihrem glitzernden Kleid» fordernd zurück und mehr noch die Angst, sie zu zeigen. Denn «feste Riegel hatte der Martin Jansen vor sein Herz gelegt, grosse Schätze von Angst und Qual konnte er darin beherbergen, ohne dass gleich alles herausbrach und alle behelligte». Was aber alle behelligt, ist «eine Stille, in der das Herz vor Grausen saust». Und manchmal, wenn die Mutter das Kind mit verweinten Augen anbettelt, kommt «wirklich in Jans' trüben Blick ein Ziel, ein Ausdruck von Trauer und Argwohn, als ob er an einer weit geheimnisvolleren Krankheit litte, als die, um deren Namen sich seine Mutter den Kopf zerbrach». Mit seinem Sterben kehrt zu den Eltern eine der Liebe ähnelnde, «dem Raum angepasste» Freude zurück.

Jans also muss sterben, und die Krankheit hat nun einen Namen: die den Raum sprengende Erwartung. Die verschlossene Fracht des Herzens beschwert, überfordert das Kind, doch wo sie es bereits hinter sich lässt, wie «ein Ding, das an etwas Teures erinnert», bringt sie es um. Nicht, dass diese Erzählung eine Parabel mit einer Moral sein wollte; sie liefert sie aber, beiläufig, mit gesenkter Stimme gewissermassen dazu. Keine Moral wohlgemerkt, an die man sich halten, nach der man handeln könnte. Was zwischen Menschen geschieht, passiert meist wider Wissen; hier geschieht es in einer geschmeidigen, raffiniert ausgeleuchteten Prosa. Jans muss sterben, weil die stummen Aufträge, die an uns ergehen, in unserm Körper zu reden anfangen. Krankheit, Selbstmord, Mord: das ist in Liebesdingen, zwischen Vater, Mutter und Kind zumal, oft nur ein gradueller Unterschied. Die Nuancen, die Übergänge sind in dieser kleinen Erzählung ausgiebig zu studieren.

Andrea Köhler

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Zeit, 14.12.2000
Fritz J. Raddatz ist nachdenklich: soll man Bücher von verstorbenen Autoren veröffentlichen, die "mehr Skizzenblock als Buch" sind? Anna Seghers "Jans muss sterben" ist solch ein Skizzenbuch. Es hätte "ein kleines Meisterwerk" werden können, davon ist Raddatz überzeugt, wenn Seghers ihr Talent nicht so "verschlampt" hätte. Trotzdem ist ihr großes Talent spürbar: harter Stil, weiches Herz und eine "sonderbare Dialektik", die "Lust am Auskosten des Elends" vermittelt. Fertig sei das Buch trotzdem nicht: die vielen "laschen Bilder, Wiederholungen, Undifferenziertheiten" zeugen davon. Raddatz scheint tatsächlich gequält, wenn er sich über die viel zu vielen Augenmetaphern in allen Variationen auslässt. Ein Trost mag ihm da nur das "behutsame Nachwort" von Christiane Zehl Romero gewesen sein.

© Perlentaucher Medien GmbH

Kurzbeschreibung

Diese bislang unbekannte Erz„hlung fand der Sohn von Anna Seghers erst jetzt zwischen Papieren, die die Autorin 1940 bei ihrer Flucht aus Paris zurcklassen muáte. Das Typoskript birgt ein meisterhaftes Stck Literatur: die Explosion eines Talentes, das sich zur bedeutendsten deutschen Erz„hlerin im 20. Jahrhundert entwickeln sollte. Bereits hier ist die Intensit„t der suggestiven, knappen und poetischen Sprache sprbar, die das Frhwerk von Anna Seghers so faszinierend macht. Es ist die Geschichte von Marie und Martin Jansen, die ihre Liebe freinander l„ngst verbraucht haben. All ihre Hoffnungen knpfen sie an ihr Kind. Doch eines Tages f„llt Jans einer unerkl„rlichen Krankheit zum Opfer. Der Kummer trennt die Eltern noch mehr; jeder verschlieát eiferschtig seine Angst und seine Qual, die ihn fast zerreiáen.

Über den Autor

Anna Seghers, geb. 1900 als Netty Reiling in Mainz, studierte von 1920-24 in Heidelberg und Köln Kunstgeschichte und Sinologie, Promotion. Nach der Heirat mit dem Ungarn László Radványi lebte sie ab 1925 in Berlin. 1928 Kleist-Preis; Eintritt in die KPD. Nach dem Machtantritt Hitlers Flucht nach Paris, 1941 von Marseille nach Mexiko. 1947 kehrte sie nach Berlin zurück, im gleichen Jahr Verleihung des Georg-Büchner-Preises. 1950 Mitglied des Weltfriedensrates und Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste. Von 1952-78 Vositzende des Schriftstellerverbandes der DDR. Sie starb 1983 in Berlin.
‹  Zurück zur Artikelübersicht