Dass Janosch ein großartiger Erzähler ist, ist unbestritten. Gerade die "Tiger und Bär"-Geschichten zeichnen sich durch eine klare, warme und doch auch sehr verschmitzte Sprache aus. Grimms Märchen, die in ihrer Sprache vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß sind, in einer neuen Fassung von Janosch zu veröffentlichen, fand ich als Idee erstmal spannend. Leider jedoch ist das Potential nicht ausgeschöpft. Janosch bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das ganze Buch ist halbherzig und funktioniert nach dem Motto: Masse statt Klasse. Es enthält 54 Märchen, aber keines ist so richtig gut. Meistens greift Janosch stark in die Handlung ein, und die eigentlichen Märchen sind nur noch fragmentarisch erkennbar. Das, was geändert oder hinzugefügt wurde, ist allerdings in den meisten Fällen kein Gewinn. Es gibt hin und wieder Lichtblicke, Stellen zum Schmunzeln und zum Staunen, aber im Großen und Ganzen ist dieses Büchlein zu albern geraten. Die Halbherzigkeit wird schon im Titel sichtbar, denn da hat sich ein dicker Apostroph-Fehler eingeschlichen. Es hätte heißen müssen: "Janosch erzählt Grimms Märchen".
Wer kreative Märchen sucht, die kindgerecht und zeitgemäß sind, sollte auf andere Bücher zurückgreifen. Empfehlenswert ist die "Hänsel und Gretel"-Variante aus Paul Maars
Der tätowierte Hund. Und auch
Zehn auf einen Streich (u.a. mit verdrehten Fassungen von "Froschkönig", "Dornröschen" und "Das tapfere Schneiderlein") bietet für Kinder und Erwachsene ein größeres Märchenvergnügen. Was Janosch angeht: Lieber auf seine anderen Kinderbücher zurückgreifen.