Timothy Dalton gibt einen hervorragenden Rochester ab. All die kleinen Spötteleien, das Hintergründige, die verbalen Fallen gegenüber Jane, kommen genauso beim Zuschauer an wie beim Leser des Buches - nur noch verstärkt und verbessert durch den Schalk, der aus seinen Augen blitzt. Man merkt in jeder Szene, wie viel Spaß ihm das Spiel gemacht hat. Ebenso tief jedoch, ebenso beeindruckend erscheint er in den ernsten Szenen - majestätisch, beinah erhaben. Die innere Zerrissenheit, das Leiden, die Verzweiflung, übertüncht von Stolz und aufkommender Wut bei der Entdeckung Mrs. Rochesters in der Hochzeitsszene und den folgenden - selten habe ich einen Schauspieler gesehen, der so viel Ausdruck präsentiert, der so viel mit Körper, Stimme, Mimik ausdrückt wie er. Und dann, zum Ende, diese stille Würde im gezeichneten Gesicht... Einfach nur wunderbar.
Clarke ist eine würdige Gegenspielerin, die ihren Rochester ebenso leiden und zappeln läßt wie er sie. Vielleicht könnte man ihr vorwerfen, daß sie zu gefällig ist, zu schön - aber das trifft auch auf Daltons Rochester zu.
Insgesamt kann ich sagen - da ich das Buch wirklich kurz vorher beendet hatte - daß die Verfilmung absolut werkgetreu ist, sehr eng am Buch, teilweise sogar wörtlich. Das einzige Manko ist diese typische englische Studioatmosphäre, die man auch aus Serien wie "Eaton Place" kennt - doch die Ausstattung ist liebevoll, detailverliebt und sehr stimmig.
Ich kenne keine andere Verfilmung, aber ehrlich gesagt kann ich mir auch niemand anderen mehr vorstellen, der in diese geradezu gigantischen Fußstapfen treten könnte. Ich bedaure wirklich, daß es hierzu keine deutsche Version gibt - oder zumindest eine englisch Untertitelte, denn so gern ich Daltons walisischen Akzent höre (diese unbeschreiblichen, unnachahmlichen "R"'s!), er ist manchmal doch ein wenig schwer zu verstehen...