Mit großer Aufregung verfolgen die Bennetmädchen einen Fuhrwagen, der einen Haufen Gepäck an ihrem Hause vorbei transportiert. Schon bald werden ihren Spekulationen ein Ende gemacht, denn die gute Freundin des Hauses, Charlotte Lukas, kommt eigens vorbei um die große Neuigkeit zu verkünden: Es gibt einen neuen (unverheirateten!) Nachbar, der in Netherfield Wohnsitz nimmt. Und die zweitälteste Bennettochter, Elisabeth Bennet (Elisabeth Garvie), stellt sogleich fest: "Es ist eine Wahrheit, über die sich alle Welt einig ist, dass ein unverheirateter Mann von einigem Vermögen unbedingt auf der Suche nach einer Ehefrau sein muss." Und Mutter Bennet ist überzeugt, dass sie gute Chancen hat, dass die Wahl des Junggesellen auf eine ihrer fünf unverheirateten Töchtern fällt.
Und der nette Mr. Bingley scheint auch mehr als nur angetan zu sein von der ältesten Tochter des Hauses. Doch seine Freunde und Verwandte stellen sich gegen die Verbindung. Besonders sein arroganter und doppelt so reicher Freund, Mr. Darcy, scheint die ländliche Gesellschaft unter seinem Niveau zu halten und ist bald bei der gesamten Nachbarschaft unbeliebt. Obwohl er aus rätselhaften Gründen ein besonderes Interesse an Elisabeth Bennet hat, gibt er vor, "dass sie nicht hübsch genug ist um ihn in Versuchung zu führen." Jedoch kommt es einem so vor, als ob Mr. Darcy sich nicht von dem Anblick des Mädchens "mit den schönen Augen" trennen kann. Und so kreuzen sich die Wege der beiden ziemlich oft und schließlich scheint eine Verbindung der Dame aus der Mittelschicht mit dem Gentleman der "Upper Class" nicht mehr unmöglich zu sein...
In dieser Verfilmung von BBC aus dem Jahre 1980 ist die Person der Elisabeth Bennet von einer solch heiteren Schönheit und mit natürlicher Anmut ausgestattet, dass unmöglich erscheint, dass jemand ihrem Charme nicht erliegt. Dagegen ist die Person des Mr. Darcy dermaßen unterkühlt dargestellt, dass es einem Mühe bereitet, sich vorzustellen, wie jemand einen solch arroganten und unbeweglichen Menschen überhaupt nur mögen kann. So hat man überhaupt keine Zweifel an den Gefühlen Miss Bennets als sie den ersten Heiratsantrag des Mr. Darcy ablehnt. Allerdings fühlt sie sich durch die Aufmerksamkeit eines so überlegenen Gentleman schon geschmeichelt und als er sich dann versucht in einem Brief die geäußerten Anschuldigungen Miss Bennets zu entkräften, bemüht sie sich, ihren Verehrer gerechter zu beurteilen und schon bald erfährt sie, was es wirklich für sie bedeutet hätte, eine Mrs. Darcy zu werden.
Die fünfteilige Serie lässt keinen Zweifel an der misslichen Lage unverheirateter Frauen erkennen, die zur Zeit Jane Austens kein eigenes Vermögen hatten. Die einzige Chance einer Frau ihren Status zu verbessern, bestand darin, eine möglichst günstige Verbindung einzusehen. Daher kann man die Dringlichkeit der Mutter ihre Töchter zu verheiraten, gut nachvollziehen und verzeiht auch ihr ungeschicktes Vorgehen. Das Beispiel ihrer Eltern lässt Lizzie aber erkennen, dass es zwei Menschen nicht unbedingt glücklich macht, wenn der Mann seine Frau nach äußerlichen (vergänglichen) Reizen wählt und die Frau nur auf den sozialen Stand des Ehepartners achtet. Eliza Bennet liebt ihre Familie und obwohl sie auch gelegentlich unter dem Mangel an Anstand und Manieren einiger Mitglieder leidet, schätzt sie doch den Zusammenhalt der Schwestern, die sich gerne und oft über alles Interessante austauschen. Diese Familie zu beobachten macht wirklich Freude und man nimmt an ihrem Leben gerne teil.
Die Schauspieler sind für ihre Rollen insgesamt auch gut ausgewählt worden. Außer der Darstellung der Lizzie Bennet ist als besonders gelungen die Rolle des Cousins der Bennetfamilie, Mr. Collins, hervorzuheben. Der aufgeblasene Pfarrer mit seinen komischen Storchenbeinen und seinen ewigen Entschuldigungen für irgendwelche Nichtigkeiten ist einfach zu komisch. Die Rolle der Caroline Bingley dagegen besticht durch die besonders boshafte Art, mit der sie Elisabeth Bennet aus dem Rennen werfen will und sich dadurch nur jeden Trumpf bei ihrem angebeteten Mr. Darcy verspielt.
Nicht so vortrefflich ist die Schauspielerin ausgewählt, welche die zweitjüngste Bennettochter, Kitty, darstellt. Sie sieht einfach viel zu alt aus. Außerdem dürften die meisten Jane-Austen-Fans wohl etwas irritiert über die Interpretation des Ehepaares Bennets sein. Wo im Buch ein resignierter Vater sich in die Selbstironie flüchtet und sich gelegentlich einen liebevollen Scherz mit seiner einfältigen Ehefrau erlaubt, finden wir hier einen verbitterten, mürrischen Kerl, dessen Konversation mit seiner Ehefrau sich häufig auf gehässige und boshafte Kommentare beschränkt.
Insgesamt gesehen orientiert sich die Verfilmung aber wohltuend nah an der Buchvorlage und man hat viel Freude daran, neue Details und Aspekte von "Stolz und Vorurteil" zu entdecken. Und vielleicht wächst einem ja sogar dieser Mr. Darcy irgendwann ans Herz!