Jamie T.

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Jamie has been nominated for 7 NME awards. You can vote here - http://t.co/Cr78Sy2Q4p


Biografie

„Seit ich jung war, hatte ich schon immer einen ausgeprägten Beschützerinstinkt gegenüber meiner Kunst. Das war manchmal vielleicht schon fast kindisch. Aber so ist es eben, und nach meinem letzten Album habe ich mich teilweise ganz schön in die Enge getrieben gefühlt. Als Reaktion darauf habe ich den Laden erst mal dichtgemacht.“

Jamie Alexander Treays lehnt sich in seinem etwas unordentlichen Studio in East London zurück und grinst. Eines hat sich bei dem als Jamie T bekannten Künstler nicht verändert: das entwaffnende Hin- und Herspringen zwischen Selbstoffenbarung und respektlosem Humor, ... Lesen Sie mehr

„Seit ich jung war, hatte ich schon immer einen ausgeprägten Beschützerinstinkt gegenüber meiner Kunst. Das war manchmal vielleicht schon fast kindisch. Aber so ist es eben, und nach meinem letzten Album habe ich mich teilweise ganz schön in die Enge getrieben gefühlt. Als Reaktion darauf habe ich den Laden erst mal dichtgemacht.“

Jamie Alexander Treays lehnt sich in seinem etwas unordentlichen Studio in East London zurück und grinst. Eines hat sich bei dem als Jamie T bekannten Künstler nicht verändert: das entwaffnende Hin- und Herspringen zwischen Selbstoffenbarung und respektlosem Humor, zwischen Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit, frechem Cockney-Charme und der ernsten Introvertiertheit, die ein Begleitumstand eines Lebens für die Kunst ist. Was sich dagegen verändert hat, ist alles andere. Verschwunden ist der dünne „Dichter im Kapuzenpulli“, der immer so wirkte, als fühle er sich in einem Dönerladen zu Hause in Wimbledon ebenso wohl wie in einem Studio oder auf der Bühne von Glastonbury. An seine Stelle getreten ist ein erwachsener Mann in eleganter Mod-Kleidung mit etwas vollerem Gesicht, der deutlich weniger jungenhaft und aufgedreht ist. Dann spielt er sein erstes Album seit fünf Jahren vor, und man muss an den alten Spruch denken: Je mehr sich die Dinge verändern, desto mehr bleiben sie gleich.

Doch bevor wir uns weiter mit dem überraschenden und triumphalen Carry On The Grudge beschäftigen, sollten wir nicht um den heißen Brei herumreden. Beinahe fünf Jahre sind vergangen, seitdem das kantige, vom Weltgeschehen geprägte und teilweise grausige Album Kings And Queens, das seinen The-Clash-Einfluss stolz zur Schau trägt, es auf Platz 2 der UK-Charts schaffte. Die Kritiker verleitete es dazu, den damals 24-jährigen Jamie zum „außergewöhnlichen, arroganten Talent“ (BBC) und zur „nationalen Institution“ (NME) zu erklären. Dazu ist es fast vier Jahre her, dass er sich zuletzt auf einer Bühne hat blicken lassen. Wo zum Teufel war er also so lange?

„Ich bin wieder zur Schule gegangen und habe noch mal gelernt, wie man Songs schreibt“, erklärt Jamie und meint damit nicht ein tatsächliches Schulgebäude mit Lehrern darin. „Ich habe mich ein paar Jahre lang darauf vorbereitet, ein Album zu machen. Die ganze Zeit habe ich immer weiter geschrieben. Ich habe Hunderte von Songs. Aber ich habe auch einen großen Teil der Zeit damit verbracht, Songs anderer Leute zu kopieren, ziemlich offensichtlich sogar. Aber das war ein Mittel zum Zweck. Ich habe versucht, eine neue Art des Songwritings zu entwickeln.“

Zur gleichen Zeit zog Jamie auch aus dem Bezirk am südöstlichen Stadtrand von London, mit dem er inzwischen so untrennbar verbunden schien, nach Hackney im Londoner Osten. Außerdem war er allein in Amerika unterwegs („Ich habe herausgefunden, dass man in Nashville keine Autoharp kaufen kann. Und dass ein Amerikaner, wenn er „down the road“ sagt, nicht ‚die Straße runter‘ meint.“) und begab sich auf die einigermaßen isolierte aber notwendige Reise zu sich selbst. Das erklärt möglicherweise, warum Jamies alte Vorliebe für provozierende Straßenszenen und Geschichten voller schwarzem Humor in den neuen Songs einer nachdenklicheren Stimmung voller Traurigkeit und Sehnsucht gewichen ist.

„Traurigkeit und Sehnsucht? Na ja, ich hatte in den letzten Jahren tatsächlich ein paar schwierige Zeiten. Das Album heißt Carry On The Grudge, weil es mehr oder weniger davon handelt, eine eigenständige Persönlichkeit zu werden. Man wächst mit all dem Zeug auf, was einem die Leute mitgeben, das kann ein aufbrausendes Temperament sein oder eine Spur Rassismus, was auch immer. All diese Dinge, die eigentlich nicht aus einem selbst kommen. Ich bin von 18 bis 24 oft auf Tour gewesen und habe viele der normalen Sachen nicht erlebt, die andere junge Leute erleben. Ich bin schnell erwachsen geworden. Das musste ich. Als ich dann Zeit hatte, Bilanz zu ziehen, habe ich richtig Angst gekriegt.“
Und ist er zu einem Schluss gekommen, wer Jamie Treays wirklich ist?
„Nein. Aber die Frage zu stellen ist wichtiger, als eine Antwort zu erhalten.“

Das Auffälligste, beinahe Schockierende an Songs wie „Limits Lie“, „Don’t You Find“ und „Turn On The Light“ ist, wie plakativ sie sind. Die radikalste Veränderung jedoch ist der Feinschliff. Jamie Ts Markenzeichen – eine Flut von Reimen, die gesungen und gerappt werden und oft mit einem schriftstellerischen Blick für visuelle Details und verschrobene Figuren ausgestattet sind – fehlt beinahe völlig. Dafür finden sich Texte, die genau zur Melodie passen, komprimierte Sprache und ein Gefühl, das man eigentlich nur kontrolliertes Unbehagen nennen kann. Melancholie anstelle von Wut. Die Powerballade nimmt den Platz der hibbeligen Rap-Eskapaden und Punk-Folk-Abschweifungen ein, die seine ersten beiden Alben geprägt haben. Doch vor allem ist die Anzahl der Wörter drastisch reduziert.
„Ich versuche nur, mich kürzer zu fassen. Ich kann ohne Probleme eine Vier-Minuten-Story mit unzähligen Wörtern schreiben. Das kann ich. Dieses Album ist etwas, was ich nicht kann.
Aber bei Musik soll man, glaube ich, eh nie genau wissen, was man tut. Man sollte dabei immer was riskieren.“

Im Gegensatz dazu ist das mitreißende, doppeldeutige „Zombie“ Voodoo-Rock’n’Roll im Stil von The Cramps und The Gun Club mit bösem Gelächter, Horrorfilmeffekten und allem drum und dran. Doch hinter dem ganzen Garagenbandspaß beschäftigt sich dieser Song tatsächlich am deutlichsten mit den negativen Folgen von Jamies selbstgewähltem Exil.
„Ja, ‚Zombie‘ ist meine Rocky Horror Show. In dem Song geht es vor allem um die Monotonie des Nichtstuns. Wenn ich nicht produktiv bin, macht mir das Probleme, weil ich voller rastloser Energie bin. Und die kann mich schnell mal in den Pub führen … und dann gibt es vielleicht Ärger. Ich mag den Song, weil er lustig ist, auch wenn es um ein ernstes Thema geht.“

Doch man sollte sich keine Sorgen machen, dass Jamie sich von allem abgewandt hat, wofür man ihn bisher mochte. „Turn On The Light“ ist ein Jamie-T-Klassiker: scheppernde Post-Clash-Rhythmen, freche Anspielungen auf Prince Buster, Madness und The Who und willkürliche Reime wie „carcass“ und „Marcus“. „So was rutscht mir immer noch manchmal raus“, lacht Jamie.

Die einzigen anderen Musiker auf Carry On The Grudge sind James Dring, die Sängerin Hollie Cook und sein loyaler Co-Producer Ben Bones. Sonst wird laut Jamie „95 Prozent“ von allem, was man hört, von ihm selbst gespielt.

Während seiner freiwilligen Pause vom Rampenlicht muss Jamie sich mitunter gefragt haben, ob seine Fans überhaupt noch auf ihn warten. Gefühle in die Richtung: Was ist, wenn ich ein Album rausbringe, und es keine Sau interessiert?
„Ja, so was geht einem schon durch den Kopf. Aber meine Arroganz sagt mir, dass es besser ist, sich selbst von seinem Podest runterzuholen, bevor es jemand anderes macht. Ich schwimme nicht gerne auf irgendeiner Welle mit. Wenn man wirklich gut ist, hat man seine eigene Welle. Es hängt immer davon ab, ob man Songs hat, die gut genug sind.“

Dann gibt es ja kein Problem, die Songs sind besser als gut genug. Nicht wenige hatten ohnehin das Gefühl, dass in der ramponierten Musiklandschaft ohne den cleveren, Punk-inspirierten Pop mit Ecken und Kanten, wie ihn Jamie T macht, lange etwas gefehlt hat und werden einfach froh sein, ihn wiederzuhaben.

Eine letzte, offensichtliche Frage steht im Raum. Früher hat Jamie sie immer in typischer Art-Punk-, Ich-mach-das-für-die-Kids-Manier als irrelevant abgetan. Als ich nun also den älteren und weiseren Jamie Treays nach seinen Ambitionen hinter Carry On The Grudge frage, scheint seine Antwort ihn selbst ebenso zu überraschen wie mich. „Diesmal habe ich tatsächlich Ambitionen, was echt komisch für mich ist. Meine Ambition ist es, nicht zu verschwinden. Ich strebe nicht nach der Weltherrschaft. Ich will arbeiten und dass die Leute mehr von mir hören wollen, und dann will ich mehr machen. Und ich hoffe, das ist nicht zu viel verlangt.“

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

„Seit ich jung war, hatte ich schon immer einen ausgeprägten Beschützerinstinkt gegenüber meiner Kunst. Das war manchmal vielleicht schon fast kindisch. Aber so ist es eben, und nach meinem letzten Album habe ich mich teilweise ganz schön in die Enge getrieben gefühlt. Als Reaktion darauf habe ich den Laden erst mal dichtgemacht.“

Jamie Alexander Treays lehnt sich in seinem etwas unordentlichen Studio in East London zurück und grinst. Eines hat sich bei dem als Jamie T bekannten Künstler nicht verändert: das entwaffnende Hin- und Herspringen zwischen Selbstoffenbarung und respektlosem Humor, zwischen Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit, frechem Cockney-Charme und der ernsten Introvertiertheit, die ein Begleitumstand eines Lebens für die Kunst ist. Was sich dagegen verändert hat, ist alles andere. Verschwunden ist der dünne „Dichter im Kapuzenpulli“, der immer so wirkte, als fühle er sich in einem Dönerladen zu Hause in Wimbledon ebenso wohl wie in einem Studio oder auf der Bühne von Glastonbury. An seine Stelle getreten ist ein erwachsener Mann in eleganter Mod-Kleidung mit etwas vollerem Gesicht, der deutlich weniger jungenhaft und aufgedreht ist. Dann spielt er sein erstes Album seit fünf Jahren vor, und man muss an den alten Spruch denken: Je mehr sich die Dinge verändern, desto mehr bleiben sie gleich.

Doch bevor wir uns weiter mit dem überraschenden und triumphalen Carry On The Grudge beschäftigen, sollten wir nicht um den heißen Brei herumreden. Beinahe fünf Jahre sind vergangen, seitdem das kantige, vom Weltgeschehen geprägte und teilweise grausige Album Kings And Queens, das seinen The-Clash-Einfluss stolz zur Schau trägt, es auf Platz 2 der UK-Charts schaffte. Die Kritiker verleitete es dazu, den damals 24-jährigen Jamie zum „außergewöhnlichen, arroganten Talent“ (BBC) und zur „nationalen Institution“ (NME) zu erklären. Dazu ist es fast vier Jahre her, dass er sich zuletzt auf einer Bühne hat blicken lassen. Wo zum Teufel war er also so lange?

„Ich bin wieder zur Schule gegangen und habe noch mal gelernt, wie man Songs schreibt“, erklärt Jamie und meint damit nicht ein tatsächliches Schulgebäude mit Lehrern darin. „Ich habe mich ein paar Jahre lang darauf vorbereitet, ein Album zu machen. Die ganze Zeit habe ich immer weiter geschrieben. Ich habe Hunderte von Songs. Aber ich habe auch einen großen Teil der Zeit damit verbracht, Songs anderer Leute zu kopieren, ziemlich offensichtlich sogar. Aber das war ein Mittel zum Zweck. Ich habe versucht, eine neue Art des Songwritings zu entwickeln.“

Zur gleichen Zeit zog Jamie auch aus dem Bezirk am südöstlichen Stadtrand von London, mit dem er inzwischen so untrennbar verbunden schien, nach Hackney im Londoner Osten. Außerdem war er allein in Amerika unterwegs („Ich habe herausgefunden, dass man in Nashville keine Autoharp kaufen kann. Und dass ein Amerikaner, wenn er „down the road“ sagt, nicht ‚die Straße runter‘ meint.“) und begab sich auf die einigermaßen isolierte aber notwendige Reise zu sich selbst. Das erklärt möglicherweise, warum Jamies alte Vorliebe für provozierende Straßenszenen und Geschichten voller schwarzem Humor in den neuen Songs einer nachdenklicheren Stimmung voller Traurigkeit und Sehnsucht gewichen ist.

„Traurigkeit und Sehnsucht? Na ja, ich hatte in den letzten Jahren tatsächlich ein paar schwierige Zeiten. Das Album heißt Carry On The Grudge, weil es mehr oder weniger davon handelt, eine eigenständige Persönlichkeit zu werden. Man wächst mit all dem Zeug auf, was einem die Leute mitgeben, das kann ein aufbrausendes Temperament sein oder eine Spur Rassismus, was auch immer. All diese Dinge, die eigentlich nicht aus einem selbst kommen. Ich bin von 18 bis 24 oft auf Tour gewesen und habe viele der normalen Sachen nicht erlebt, die andere junge Leute erleben. Ich bin schnell erwachsen geworden. Das musste ich. Als ich dann Zeit hatte, Bilanz zu ziehen, habe ich richtig Angst gekriegt.“
Und ist er zu einem Schluss gekommen, wer Jamie Treays wirklich ist?
„Nein. Aber die Frage zu stellen ist wichtiger, als eine Antwort zu erhalten.“

Das Auffälligste, beinahe Schockierende an Songs wie „Limits Lie“, „Don’t You Find“ und „Turn On The Light“ ist, wie plakativ sie sind. Die radikalste Veränderung jedoch ist der Feinschliff. Jamie Ts Markenzeichen – eine Flut von Reimen, die gesungen und gerappt werden und oft mit einem schriftstellerischen Blick für visuelle Details und verschrobene Figuren ausgestattet sind – fehlt beinahe völlig. Dafür finden sich Texte, die genau zur Melodie passen, komprimierte Sprache und ein Gefühl, das man eigentlich nur kontrolliertes Unbehagen nennen kann. Melancholie anstelle von Wut. Die Powerballade nimmt den Platz der hibbeligen Rap-Eskapaden und Punk-Folk-Abschweifungen ein, die seine ersten beiden Alben geprägt haben. Doch vor allem ist die Anzahl der Wörter drastisch reduziert.
„Ich versuche nur, mich kürzer zu fassen. Ich kann ohne Probleme eine Vier-Minuten-Story mit unzähligen Wörtern schreiben. Das kann ich. Dieses Album ist etwas, was ich nicht kann.
Aber bei Musik soll man, glaube ich, eh nie genau wissen, was man tut. Man sollte dabei immer was riskieren.“

Im Gegensatz dazu ist das mitreißende, doppeldeutige „Zombie“ Voodoo-Rock’n’Roll im Stil von The Cramps und The Gun Club mit bösem Gelächter, Horrorfilmeffekten und allem drum und dran. Doch hinter dem ganzen Garagenbandspaß beschäftigt sich dieser Song tatsächlich am deutlichsten mit den negativen Folgen von Jamies selbstgewähltem Exil.
„Ja, ‚Zombie‘ ist meine Rocky Horror Show. In dem Song geht es vor allem um die Monotonie des Nichtstuns. Wenn ich nicht produktiv bin, macht mir das Probleme, weil ich voller rastloser Energie bin. Und die kann mich schnell mal in den Pub führen … und dann gibt es vielleicht Ärger. Ich mag den Song, weil er lustig ist, auch wenn es um ein ernstes Thema geht.“

Doch man sollte sich keine Sorgen machen, dass Jamie sich von allem abgewandt hat, wofür man ihn bisher mochte. „Turn On The Light“ ist ein Jamie-T-Klassiker: scheppernde Post-Clash-Rhythmen, freche Anspielungen auf Prince Buster, Madness und The Who und willkürliche Reime wie „carcass“ und „Marcus“. „So was rutscht mir immer noch manchmal raus“, lacht Jamie.

Die einzigen anderen Musiker auf Carry On The Grudge sind James Dring, die Sängerin Hollie Cook und sein loyaler Co-Producer Ben Bones. Sonst wird laut Jamie „95 Prozent“ von allem, was man hört, von ihm selbst gespielt.

Während seiner freiwilligen Pause vom Rampenlicht muss Jamie sich mitunter gefragt haben, ob seine Fans überhaupt noch auf ihn warten. Gefühle in die Richtung: Was ist, wenn ich ein Album rausbringe, und es keine Sau interessiert?
„Ja, so was geht einem schon durch den Kopf. Aber meine Arroganz sagt mir, dass es besser ist, sich selbst von seinem Podest runterzuholen, bevor es jemand anderes macht. Ich schwimme nicht gerne auf irgendeiner Welle mit. Wenn man wirklich gut ist, hat man seine eigene Welle. Es hängt immer davon ab, ob man Songs hat, die gut genug sind.“

Dann gibt es ja kein Problem, die Songs sind besser als gut genug. Nicht wenige hatten ohnehin das Gefühl, dass in der ramponierten Musiklandschaft ohne den cleveren, Punk-inspirierten Pop mit Ecken und Kanten, wie ihn Jamie T macht, lange etwas gefehlt hat und werden einfach froh sein, ihn wiederzuhaben.

Eine letzte, offensichtliche Frage steht im Raum. Früher hat Jamie sie immer in typischer Art-Punk-, Ich-mach-das-für-die-Kids-Manier als irrelevant abgetan. Als ich nun also den älteren und weiseren Jamie Treays nach seinen Ambitionen hinter Carry On The Grudge frage, scheint seine Antwort ihn selbst ebenso zu überraschen wie mich. „Diesmal habe ich tatsächlich Ambitionen, was echt komisch für mich ist. Meine Ambition ist es, nicht zu verschwinden. Ich strebe nicht nach der Weltherrschaft. Ich will arbeiten und dass die Leute mehr von mir hören wollen, und dann will ich mehr machen. Und ich hoffe, das ist nicht zu viel verlangt.“

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

„Seit ich jung war, hatte ich schon immer einen ausgeprägten Beschützerinstinkt gegenüber meiner Kunst. Das war manchmal vielleicht schon fast kindisch. Aber so ist es eben, und nach meinem letzten Album habe ich mich teilweise ganz schön in die Enge getrieben gefühlt. Als Reaktion darauf habe ich den Laden erst mal dichtgemacht.“

Jamie Alexander Treays lehnt sich in seinem etwas unordentlichen Studio in East London zurück und grinst. Eines hat sich bei dem als Jamie T bekannten Künstler nicht verändert: das entwaffnende Hin- und Herspringen zwischen Selbstoffenbarung und respektlosem Humor, zwischen Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit, frechem Cockney-Charme und der ernsten Introvertiertheit, die ein Begleitumstand eines Lebens für die Kunst ist. Was sich dagegen verändert hat, ist alles andere. Verschwunden ist der dünne „Dichter im Kapuzenpulli“, der immer so wirkte, als fühle er sich in einem Dönerladen zu Hause in Wimbledon ebenso wohl wie in einem Studio oder auf der Bühne von Glastonbury. An seine Stelle getreten ist ein erwachsener Mann in eleganter Mod-Kleidung mit etwas vollerem Gesicht, der deutlich weniger jungenhaft und aufgedreht ist. Dann spielt er sein erstes Album seit fünf Jahren vor, und man muss an den alten Spruch denken: Je mehr sich die Dinge verändern, desto mehr bleiben sie gleich.

Doch bevor wir uns weiter mit dem überraschenden und triumphalen Carry On The Grudge beschäftigen, sollten wir nicht um den heißen Brei herumreden. Beinahe fünf Jahre sind vergangen, seitdem das kantige, vom Weltgeschehen geprägte und teilweise grausige Album Kings And Queens, das seinen The-Clash-Einfluss stolz zur Schau trägt, es auf Platz 2 der UK-Charts schaffte. Die Kritiker verleitete es dazu, den damals 24-jährigen Jamie zum „außergewöhnlichen, arroganten Talent“ (BBC) und zur „nationalen Institution“ (NME) zu erklären. Dazu ist es fast vier Jahre her, dass er sich zuletzt auf einer Bühne hat blicken lassen. Wo zum Teufel war er also so lange?

„Ich bin wieder zur Schule gegangen und habe noch mal gelernt, wie man Songs schreibt“, erklärt Jamie und meint damit nicht ein tatsächliches Schulgebäude mit Lehrern darin. „Ich habe mich ein paar Jahre lang darauf vorbereitet, ein Album zu machen. Die ganze Zeit habe ich immer weiter geschrieben. Ich habe Hunderte von Songs. Aber ich habe auch einen großen Teil der Zeit damit verbracht, Songs anderer Leute zu kopieren, ziemlich offensichtlich sogar. Aber das war ein Mittel zum Zweck. Ich habe versucht, eine neue Art des Songwritings zu entwickeln.“

Zur gleichen Zeit zog Jamie auch aus dem Bezirk am südöstlichen Stadtrand von London, mit dem er inzwischen so untrennbar verbunden schien, nach Hackney im Londoner Osten. Außerdem war er allein in Amerika unterwegs („Ich habe herausgefunden, dass man in Nashville keine Autoharp kaufen kann. Und dass ein Amerikaner, wenn er „down the road“ sagt, nicht ‚die Straße runter‘ meint.“) und begab sich auf die einigermaßen isolierte aber notwendige Reise zu sich selbst. Das erklärt möglicherweise, warum Jamies alte Vorliebe für provozierende Straßenszenen und Geschichten voller schwarzem Humor in den neuen Songs einer nachdenklicheren Stimmung voller Traurigkeit und Sehnsucht gewichen ist.

„Traurigkeit und Sehnsucht? Na ja, ich hatte in den letzten Jahren tatsächlich ein paar schwierige Zeiten. Das Album heißt Carry On The Grudge, weil es mehr oder weniger davon handelt, eine eigenständige Persönlichkeit zu werden. Man wächst mit all dem Zeug auf, was einem die Leute mitgeben, das kann ein aufbrausendes Temperament sein oder eine Spur Rassismus, was auch immer. All diese Dinge, die eigentlich nicht aus einem selbst kommen. Ich bin von 18 bis 24 oft auf Tour gewesen und habe viele der normalen Sachen nicht erlebt, die andere junge Leute erleben. Ich bin schnell erwachsen geworden. Das musste ich. Als ich dann Zeit hatte, Bilanz zu ziehen, habe ich richtig Angst gekriegt.“
Und ist er zu einem Schluss gekommen, wer Jamie Treays wirklich ist?
„Nein. Aber die Frage zu stellen ist wichtiger, als eine Antwort zu erhalten.“

Das Auffälligste, beinahe Schockierende an Songs wie „Limits Lie“, „Don’t You Find“ und „Turn On The Light“ ist, wie plakativ sie sind. Die radikalste Veränderung jedoch ist der Feinschliff. Jamie Ts Markenzeichen – eine Flut von Reimen, die gesungen und gerappt werden und oft mit einem schriftstellerischen Blick für visuelle Details und verschrobene Figuren ausgestattet sind – fehlt beinahe völlig. Dafür finden sich Texte, die genau zur Melodie passen, komprimierte Sprache und ein Gefühl, das man eigentlich nur kontrolliertes Unbehagen nennen kann. Melancholie anstelle von Wut. Die Powerballade nimmt den Platz der hibbeligen Rap-Eskapaden und Punk-Folk-Abschweifungen ein, die seine ersten beiden Alben geprägt haben. Doch vor allem ist die Anzahl der Wörter drastisch reduziert.
„Ich versuche nur, mich kürzer zu fassen. Ich kann ohne Probleme eine Vier-Minuten-Story mit unzähligen Wörtern schreiben. Das kann ich. Dieses Album ist etwas, was ich nicht kann.
Aber bei Musik soll man, glaube ich, eh nie genau wissen, was man tut. Man sollte dabei immer was riskieren.“

Im Gegensatz dazu ist das mitreißende, doppeldeutige „Zombie“ Voodoo-Rock’n’Roll im Stil von The Cramps und The Gun Club mit bösem Gelächter, Horrorfilmeffekten und allem drum und dran. Doch hinter dem ganzen Garagenbandspaß beschäftigt sich dieser Song tatsächlich am deutlichsten mit den negativen Folgen von Jamies selbstgewähltem Exil.
„Ja, ‚Zombie‘ ist meine Rocky Horror Show. In dem Song geht es vor allem um die Monotonie des Nichtstuns. Wenn ich nicht produktiv bin, macht mir das Probleme, weil ich voller rastloser Energie bin. Und die kann mich schnell mal in den Pub führen … und dann gibt es vielleicht Ärger. Ich mag den Song, weil er lustig ist, auch wenn es um ein ernstes Thema geht.“

Doch man sollte sich keine Sorgen machen, dass Jamie sich von allem abgewandt hat, wofür man ihn bisher mochte. „Turn On The Light“ ist ein Jamie-T-Klassiker: scheppernde Post-Clash-Rhythmen, freche Anspielungen auf Prince Buster, Madness und The Who und willkürliche Reime wie „carcass“ und „Marcus“. „So was rutscht mir immer noch manchmal raus“, lacht Jamie.

Die einzigen anderen Musiker auf Carry On The Grudge sind James Dring, die Sängerin Hollie Cook und sein loyaler Co-Producer Ben Bones. Sonst wird laut Jamie „95 Prozent“ von allem, was man hört, von ihm selbst gespielt.

Während seiner freiwilligen Pause vom Rampenlicht muss Jamie sich mitunter gefragt haben, ob seine Fans überhaupt noch auf ihn warten. Gefühle in die Richtung: Was ist, wenn ich ein Album rausbringe, und es keine Sau interessiert?
„Ja, so was geht einem schon durch den Kopf. Aber meine Arroganz sagt mir, dass es besser ist, sich selbst von seinem Podest runterzuholen, bevor es jemand anderes macht. Ich schwimme nicht gerne auf irgendeiner Welle mit. Wenn man wirklich gut ist, hat man seine eigene Welle. Es hängt immer davon ab, ob man Songs hat, die gut genug sind.“

Dann gibt es ja kein Problem, die Songs sind besser als gut genug. Nicht wenige hatten ohnehin das Gefühl, dass in der ramponierten Musiklandschaft ohne den cleveren, Punk-inspirierten Pop mit Ecken und Kanten, wie ihn Jamie T macht, lange etwas gefehlt hat und werden einfach froh sein, ihn wiederzuhaben.

Eine letzte, offensichtliche Frage steht im Raum. Früher hat Jamie sie immer in typischer Art-Punk-, Ich-mach-das-für-die-Kids-Manier als irrelevant abgetan. Als ich nun also den älteren und weiseren Jamie Treays nach seinen Ambitionen hinter Carry On The Grudge frage, scheint seine Antwort ihn selbst ebenso zu überraschen wie mich. „Diesmal habe ich tatsächlich Ambitionen, was echt komisch für mich ist. Meine Ambition ist es, nicht zu verschwinden. Ich strebe nicht nach der Weltherrschaft. Ich will arbeiten und dass die Leute mehr von mir hören wollen, und dann will ich mehr machen. Und ich hoffe, das ist nicht zu viel verlangt.“

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