Schon seit der ersten Ausgabe ist Balance Aushängeschild für Nachwuchstalente und Ausnahme-DJs, doch was ihnen mit der fünften Auskopplung und dem Mix von niemand anderem als James Holden gelungen ist, hätte womöglich vorher keiner geglaubt. Es ist eine unvergleichliche CD, die uns hier geboten wird. Böse Zungen mögen nun fragen, warum ich keine Bewertung zu James' neuen CD "At The Controls" schreibe, doch die Antwort ist einfach. Ohne die Qualität von "At The Controls" in Frage stellen zu wollen, glaube ich, dass Holden mit seinem Balance-Mix ein noch größerer Wurf gelungen ist. Mit dieser Zusammenstellung hat Holden erst so richtig auf sich aufmerksam gemacht und so viele Menschen in seinen Bann gezogen (auch mich).
Nach Beginn seiner Laufbahn bei Silver Planet und großartigen Produktionen wie "Horizons", "One For You" oder "Solstice" versucht sich Holden nun als Mixer der fünften Balance-CD, Inzwischen hat er auch sein eigenes Label, in dem sich auch Talente wie Nathan Fake oder Petter wohl fühlen und ihrer kreativen Ader freien Lauf lassen können. Die Rede ist von Border Community, eines der wohl innovativsten Labels unserer Zeit. Mir ist kein anderes Label bekannt, das in den letzten Jahren solch eine Arbeit geleistet hat und eine Superplatte nach der nächsten veröffentlichte. Überhymnen wie "A Break In The Clouds" oder "The Sky Was Pink" weisen einen ganz neuartigen und frischen Charakter auf.
Auch auf der Balance 005 beginnt Holden mit einem Track aus dem Hause Border: The MFA "The Difference It Makes" - eine fabelhafte Nummer mit einer so packenden Bassline, die die Hörer sofort begeistert und zum tanzen auffordert. Holden macht dem Titel alle Ehren, denn genauso frisch und abwechslungsreich geht es weiter. Die Tracks sind genial ineinander gemixt, sodass es manchmal gar nicht auffällt, wenn das nächste Lied einsetzt. Weiteres Highlight ist "All Together" des schwedischen Künstlers Petter Nordkvist. Das Arrangement von Geigenmusik und technoider Bassdrum verleiht dem Track einen klassischen Hauch. Auffallend ist auch, wie Holden stets die Spannung aufbaut, beispielsweise von Zeta Reticulas "Tool 1" über Petter bis DJ ESPs "No Future" (Soundburnt Mix), um sie anschließend wieder aufzulösen (Jase From Outta Space ft. Claire "Do What You Want" (Infusion's Sky Mix)). Als ich diesen Track zum ersten Mal hörte, war ich hin und weg. War es die treibende Bassline? Waren es die zuckersüßen Vocals von Claire van der Boom? Oder war es schlicht und ergreifend dieses spannungsauflösende Moment? Egal, vielleicht war es auch alles gemeinsam, auf jeden Fall ist es für mich persönlich der Höhepunkt des Mixes. Aber keine Zeit zum Ausruhen, Holden bereitet schon die nächste Bombe vor: Nathan Fakes "Outhouse", die zweite Veröffentlichung von Border Community. Zunächst hören wir den Fluffy Mix, der die Spannung nach "Do What You Want" sofort wieder aufgreift und in den Original Mix überleitet. Werden schließlich die gnadenlosen Beats und Bassline eingespielt, steht das Herz still. Die Engländer könnten sagen: "This moment is absolutely killer!". Es muss ein herrliches Gefühl sein, diesen Übergang im Club inmitten von tanzwütigen Gleichgesinnten erleben zu dürfen. Mit "Fortune Telling Fish, Curled To Suggest 'Home'" erlaubt uns James eine kleine Verschnauffspause, bevor es mit dem Luke Chable Remix für PQMs "You Are Sleeping" in die nächste Runde geht. Jetzt ist der Ton jedoch melancholischer, Petters "These Days" verstärkt diese Stimmung noch. Man fragt sich, wie man eigentlich solch wunderschöne Musik machen kann und diese dann auch noch durch Holdens Mixverständnis auf einer ganz anderen Ebene genießen darf. Mit Hermann & Kleines ruhigem "Leaving You Behind (Without Knowing Where To Go)" verabschiedet sich Holden für den ersten Teil. Man ist so angetan und begeistert, dass man in voller Ekstase sofort die zweite CD einwirft.
Auch hier erweist sich Holden als exzellenter DJ. Die Tracks verschmelzen alle zu einem gemeinsamen. Den ersten Schwerpunkt setzt Holden bei FC Kahunas "Hayling" (Kosmas Epsilon Mix) und dem darauffolgenden "The Wheel" aus eigenen Reihen. Melodiöser wird es anschließend mit Epsilon 9s "Lifeformation" (Infirnal Machine Mix), das mich besonders durch die trommelartigen Beats überzeugte. Nicht anders als auf CD 1 wirft James einen Hammer nach dem nächsten auf die Plattenteller. Sehr schön finde ich neben Gill Noris' "Forme" die Nummer "Eli" von Ficta. Auch Petter beglückt uns nochmals mit einem tollen Track ("Tonediary"), bevor die Endphase des Mixes eingeleitet wird. Gegen Ende des Mixes wird die Musik wieder sehr tragend und melancholisch.
Mit dieser Dynamik, es wird mal progressiver, technoider, dann wieder melodiöser, gewinnt der Mix an solch ungeheurer Kraft, dass er die Hörer durch alle Gefühlslagen führt. Mal fühlt man euphorische Begeisterung ("Do What You Want", "Lifeformation"), dann gibt es aber auch Momente, bei denen man den Tränen nahe steht ("These Days", "Eli"). Dieser Mix ist einfach nur der helle Wahnsinn. Revolutionär. Als Repräsentant einer neuen Generation hält sich James Holden nicht an Konventionen und er scheut es auch nicht neue Wege einzuschlagen. Das macht einen wahren DJ aus. Auf der neuen CD "At The Controls" lernt man etwas über seine Weiterentwicklung. Der Sound unterscheidet sich von der Balance 005 ziemlich deutlich, was sich aber keinesfalls negativ auswirkt. Wie heißt es doch so schön: "The Difference It Makes".