Dieser Katalog setzt die gewohnt gute Qualität der Ausstellungskataloge fort, die zu den großen Ausstellungen in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn erschienen sind. Seit August und noch bis zum 28. Februar 2010 (danach in Wien und Bern) läuft in Bonn eine Ausstellung über James Cook und die Entdeckung der Südsee. Ohne in nostalgische Verklärung zu verfallen, kann man doch konstatieren, dass die Entdeckung der Südsee nicht die schrecklichen Folgen für deren Einwohner gehabt hat, wie es in Amerika der Fall gewesen ist. Ein Vergleich, warum das so war, drängt sich hier sicher auf.
Cook, der verantwortliche nautische Leiter der Expeditionen in die Südsee, ist früh zum Mythos geworden. Diesem Mythos gehen auch einige der Textbeiträge des Kataloges nach. Dabei fällt auf, dass auch heute noch immer heftige Diskussionen über Cooks gewaltsamen Tod in der Kealakekuka-Bay auf einer der Hawaii-Inseln geführt werden. Während die eine Seite der Meinung ist, Cook hätte einen rituellen Ablauf, in dem er unbewusst die Rolle einer Gottheit eingenommen hatte, durch seine plötzliche Rückkehr gestört und dadurch seinen liturgischen Schutz verloren (S. 34-36), widersprechen andere dieser Meinung (S. 37-38). Der Vergleich der beiden Thesen ist interessant und macht dem Leser deutlich, dass die Kontakte zwischen Europäern und Einheimischen häufig durch Konflikte gekennzeichnet waren, die durch das Unwissen der Europäer hervorgerufen wurden, und durch ihr Verhalten, das immer durch europäische Maßstäbe gelenkt wurde und nie auf die Situation der Einheimischen Rücksicht nahm. Insofern lassen sich viele Parallelen zur Entdeckung und Kolonisation Amerikas ziehen. Nicht das Verhalten der Einheimischen war für die Eskalation der Konfrontation verantwortlich, sondern das Verhalten der Europäer.
Anhand der zahlreichen Abbildungen im Katalog wird deutlich, wie auch in der Südsee Künstler das Bild der Einheimischen und ihrer Kultur nach Europa brachten (hier lassen sich beispielsweise Parallelen zu Bodmer ziehen). Die Europäer lernten auf ihren Expeditionen neue Gebiete und Kulturen kennen, sie entwickelten nautische und astronomische Techniken. Eine große Zahl von Alltags- und Kultgegenständen aus der ganzen Welt gelangten in die europäischen Museen. Dabei muss man jedoch immer beide Seiten der Medaille sehen. Bei allem Fortschritt, der im Ergebnis dieser Forschungsreisen zu verzeichnen war, muss immer auch die Auswirkung auf die erforschten Regionen gesehen werden. Trotz Cooks Bemühungen, friedlich mit den Bewohnern der Südsee auszukommen, kam es doch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Heute können die Exponate der Ausstellung (die im Katalog abgebildet und besprochen werden) zum Verständnis der fremden Kultur beitragen.
(eine Rezension aus AmerIndian Research)