Im Gegensatz zu Robert Ballard geht es Cameron nicht so sehr um Selbstdarstellung, sondern tatsächlich um das Wrack der Bismarck. Dabei kann er, wie von ihm gewohnt, mit spektakulären Bildern dienen. Dass der Film für ein amerikanisches Publikum gemacht wurde (wo stand Hitler auf dem Achterdeck, aus welcher Tür kam er heraus? ach wie gruselig!), kann man verschmerzen.
Wie in den meisten anderen Marinedokumentationen werden auch hier wahllos Filmschnipsel von irgendwelchen anderen Schiffen eingespielt: Hauptsache es sieht nach Kriegsschiff aus und feuert aus allen Rohren. Man merkt natürlich immer, dass dies kein Film von Marinehistorikern ist, da auch hier diverse kleine Fehler vorkommen bzw. in Kauf genommen werden. Auch und gerade die deutsche Tonspur hat hier ihre Probleme.
Trotzdem ist diese Dokumentation besser als alles andere, was ich bis jetzt zu diesem Thema gesehen habe. Sie ist ein akzeptabler Kompromiss für die meisten Zuschauer, was das Vorwissen betrifft, und eine gelungene Mischung aus Hintergrundinformation und forensischer Analyse, verknüpft durch die zeitlichen Abläufe von 1941 und die Erlebnisse der überlebenden Besatzungsmitglieder. Das Ganze wird zusätzlich durch Computeranimationen und Spielszenen veranschaulicht.
Die Beschreibung der Expedition ist im Gegensatz zu Ballards Dokumentation niemals Selbstzweck, sondern erklärt, wenn etwas erklärt werden muss und transportiert so zusätzliche Information. Es ist offensichtlich, dass Cameron sein Handwerk versteht. Dies äußert sich vor allen Dingen darin, dass man trotz der großartigen Aufnahmen am Ende doch mit einem beklommenen Gefühl zurückbleibt.