Nach Musikgrößen wie George Martin (Leben und sterben lassen), Marvin Hamlisch (Der Spion der mich liebte) und Bill Conti (In tödlicher Mission) übernahm der französische Filmkomponist und Oscarpreisträger Michel Legrand die schwere Aufgabe, für den "Octopussy-Konkurrenten" "Sag niemals nie" mit einem in die Jahre gekommenen aber nicht minder attraktivem Sean Connery den Soundtrack zu kreieren und beim Wandeln in den großen Fußstapfen des John Barry nicht zu stolpern. Wenn es nach den meisten Kritikern und Bondfans geht, legte sich Legrand mit seinem Werk jedoch ordentlich auf die Nase. Aus mehreren Gründen ist die zum Teil verheerende Meinung über den Score aus meiner Sicht jedoch unberechtigt.
Legrand hatte bei seiner Arbeit gegenüber seinen Vorgängern einen gewaltigen Nachteil: er durfte aus rechtlichen Gründen das weltweit bekannte und als Markenzeichen etablierte Bond-Thema nicht verwenden. Betrachtet man sich Barrys Scores oder auch die Soundtracks der anderen Gastspielkomponisten fällt auf, dass viele (in manchen Fällen sogar überwiegende Teile) der Kompositionen auf dem markanten Thema aufgebaut sind. Legrand musste ein Bond typisches Jingle schreiben, was als Lückenfüller und Themenbasis herhalten konnte (Track 3 auf der CD "Enter 007" - Thema basiert auf dem Maintheme). Ob ihm dies gelungen ist, darüber läßt sich trefflich streiten. Hierzu ist anzumerken, dass das Original 007 Thema und die darin verwendeten berühmten drei Intervalle (Quint, Übermäßigte Quint und Sext) im Prinzip bereits damals (in den 60ern) ein alter Hut waren (als wunderschönes Beispiel sei hier Henry Mancini's "Charade" angeführt). Unzählige Komponisten bauten Stücke mit dieser Tonfolge auf. Ich führe dies nur an, um zu erläutern, dass es sich bei dem begehrten Bondthema um kein Hexenwerk musikalischer Genialität handelt. Auch wenn ich selber ein bekennender Fan von Monty Normans/John Barrys Komposition bin und es persönlich, rein subjektiv, für genial halte.
Weiter hatte Legrand nur ca. sechs bis acht Wochen Zeit, seine Partituren abzuliefern. Erschwerend kam hinzu, dass viele Szenen der Schere zum Opfer fielen. Sie wurden gekürzt oder verändert.
Für mich indiskutabel ist die Qualität des Titelthemas. Das von Lani Hall gesungene "Never say never again" ist eine absolut Bond würdige Komposition mit Ohrwurmcharakter. Der Song hätte Maurice Binders Titeldesign mehr als verdient. Auch das war aus bereits bekannten Gründen leider nicht möglich.
Insgesamt ist der Score höchst abwechslungsreich. Rein orchestrale Untermalungsnummern (Szenen beschreibend) wechseln sich mit Jazz angehauchten kurzen Tracks (wunderbar Titel 18 und 26) und erfrischenden Moodtracks (sog. source music cues) ab. Als letztere müssen hier vornehmlich "Bond und Domino", "Une Chanson D'Amour", "Bahama Island", "Tango To The Death", "Largo's Waltz" und "Jealousy" genannt werden. Im Gegensatz zu anderen Bond-Komponisten kreierte Legrand für diesen Film eine Fülle eigenständiger, themenunabhängiger und meist dem Drehort zugeschriebene Stücke: "Bond und Domino", ein traumhaft melodischer Mambo mit erstklassigen Bläsersätzen, "Une Chanson D'Amour", ein vor Esprit und Charme gerade zu strotzendes französisches Gesangs-Highlight (was auf keiner Paris-Wochenendtour im CD-Spieler fehlen sollte) oder der Funk und Rock lastige Vamp "Jealousy". Von langweiligem, orechestralem Einheitsklatsch, wie bei so vielen anderen OSTs, weit und breit keine Spur! Die mit viel Hall versehenen Posaunensätze (ähnlich wie sie bei "Thunderball" Verwendung fanden) bei den Action-Scores passen vorzüglich zu den Unterwasser- und Höhlenszenen am Ende des Films. Insgesamt 26 Stücke mit über einer Stunde Laufzeit bereiten dem vielleicht nicht all zu sehr John Barry voreingenommenen Musikfreund wirklich eine gute Zeit. Ähnlich wie Hamlisch, Conti oder Martin war auch Michel Legrand meiner Meinung nach eine Bereicherung für die Musikwelt des James Bond. Ich kann diesen Soundtrack nur empfehlen. Das beiliegende Booklet ziert das original LP Front- und Backcover und enthält drei S/W-Fotos sowie vier Seiten mit Infotext zum Film und zur Musik.