Gleich vorweg: Ja ich weiß, dass dieser Film nicht als "offizieller" Bond Film gezählt wird, und deshalb bei manchen Fans der Reihe - wenn überhaupt - nur einen verschämt versteckten Platz im Regal einnimmt.
Doch was heißt "offiziell" eigentlich, in diesem Zusammenhang?
Nun ja, es heißt nichts weiter als, dass hier die rechteinhabende Produktionsfirma Eon nicht finanziell an der Produktion - und somit auch nicht am Einspielgewinn - beteiligt war.
Regisseure, Kameramänner, Beleuchter, Cutter usw. haben ja schon immer gewechselt. Dies kann also nicht als Kriterium für einen "echten" Bond herangezogen werden. Genauso wenig wie der Hauptdarsteller. Denn mag der "offizielle" Darsteller des Produktionsjahres auch der geschätzte Roger Moore gewesen sein, so tritt in SAG NIEMALS NIE doch niemand geringeres als der Ur-Bond Sean Connery himself erneut vor die Kammera.
Bei aller Liebe, aber ob bei einer Bond-Verfilmung eine spezielle Firma finanziell beteiligt war oder nicht, das sollte vielleicht Banker, Finanzbuchhalter und ggf. Anwälte interessieren (was es im Übrigen auch ausgiebig tat), aber doch nicht uns, die Fans!
Blinde Markentreue kann ich als Kriterium, ob es sich hier um einen "echten" Bond handelt, nun wirklich nicht akzeptieren.
Was aber macht dann einen Bond zu einem "echten" Bond.
Nun, meiner bescheidenen Meinung nach, sollten es die üblichen Kriterien sein, unter denen auch alle "offiziellen" Filme der Reihe berwertet werden sollten: Darsteller, Regie, Drehbuch, Schnitt, Musik, Gesamtharmonie.
Die einzige Schwachstelle, die ich an diesem Streifen ausmachen kann, ist wohl der Punkt Soundtrack.
Nicht gerade wirklich schlecht - aber doch weit entfernd von den Highlights dieser Reihe.
Auf das Bond-Thema wartet man natürlich vergebens. Dies jedoch liegt an den Rechten, die eben bei Eon lagen, und ist somit nicht den Produzenten dieses Films anzulasten. Dennoch mindert es das ansonsten reichlich vorhandene Bond-Feeling.
Über die Darsteller, gerade was das Zusammenspiel der beiden Widerparts Connery - Brandauer betrifft, lässt sich wirklich nur positives sagen. Beide laufen zur absoluten Höchstform auf. Der latente Wahnsinn der Figur des Largo, welche nie übertrieben, sondern immer schön unterschwellig, hervorragend von Brandauer gespielt wird, zeigt erneut dessen Format als Weltklasseschauspieler.
Wo sich 1964, ein damals noch junger Connery, in GOLDFINGER bereits schon einmal einem ebensolchen Gigant-Mimen, in der Gestalt des unvergleichlichen Gerd Fröbe gegenüber gestellt sah, und von diesem seinerzeit nahezu mühelos an die Wand gespielt wurde, konnte sich der gereifte Connery nun als absolut gleichwertiger Schauspieler behaupten.
Dass weder die Drehbuchautoren, noch Sean Connery selbst, die Figur des Bond krampfhaft ernst nahmen, sondern die Rolle mit einem wunderbaren, jedoch nie in den Vordergrund tretenden Ton leichter Selbstironie angelegt wurde, tat der Athmosphäre des Films ausgesprochen gut. Sie machte die Figur des etwas in die Jahre gekommenen Agenten glaubhaft, lockerte die Stimmung und sorgte stets für angenehme Schmunzler, genau an den richtigen Stellen.
Ur-Bond Connery hat mit SAG NIEMALS NIE seine mit Abstand beste Bonddarstellung abgeliefert. Gerade gegenüber seiner Leistung in FEUERBALL, dessen Remake dieser Fim ist. Es lohnt sich durchaus beide Filme hintereinander anzusehen. Gleiche Story, doch gänzlich anderer Ansatz.
Die Locations waren hervorragend in Szene gesetzt und vor allem die Kulisse des alten (babylonischen?) Tempels vermittelte einen leichten Hauch eines klassischen Abenteuerfilmes, und bildeten ein visuelles Highlight.
Über die Notwendigkeit der Kurzauftritte Rowan Atkinsons mag man streiten können, nicht jedoch über die hervorragende Darstellung der Hench(wo)an Barbara Carrera, welche, im Gegensatz zu Oberbösewicht Largo, ihre kaum minder wahnsinnig angelegte Rolle mit nahezu kindlicher Freude an ihren Taten und ihrer Persönlchkeit offen auslebte. Man merkte ihr die Leidenschaft und den Spass an ihrer Rolle in jeder Szene deutlich an.
Der Streifen hat, immer die Möglichkeiten seines Produktionsjahres berücksichtigend, qualitativ sehr hochwertige Effekte und Stunts - und davon reichlich. Wie man es eben von einem Bondfilm erwartet.
Abgesehen von dem etwas schwachen Soundtrack, ein rundum gelungener 007 Film, mit durchgehend gutem Bond-Feeling.
Dass der Ton bei dieser DVD nur in Mono gehalten ist, ist zwar eine Schande, kann dem Film jedoch nicht angekreidet werden.
Dieser hat sich in meiner persönlichen Bond-Rangliste dauerhaft auf Platz 4 eingenistet und sollte nun wirklich in keinem Bond-DVD-Regal fehlen. Auf einem Ehrenplatz - nicht in der Schmuddelecke.
Ein ECHTER Bond!