Dieser Film bildete den ersten Versuch, die damals fast 30 Jahre alte Bond-Formel mal etwas aufzubrechen, wie es 2006 mit "Casino Royale" erneut konsequent gemacht wurde. Nur konnten sich 1989 viele noch nicht dafür erwärmen. An den Kinokassen in den USA stürzte der Film ziemlich so tief, wie 1974 "Der Mann mit dem goldenen Colt" und in Deutschland war es der erste seit den ersten beiden Bond-Filmen "Dr. No" und "Liebesgrüße aus Moskau", der unter der 3 Mio. Zuschauermarke im Kino blieb - zu unrecht.
In Punkto Action und Spannung geht der Film direkt in die vollen, wenn Bond und Kumpel Felix Leiter den Drogenbaron Sanchez in einem kühnen Manover zur Strecke bringen. Der Abschleppservice ala Bond und der Kommentar dazu: "Ich gehe ein bischen angeln" sind einfach genial.
Was folgt sind tolle Titeldesigns und einer der besten Bonds-Songs überhaupt.
Eine gelungene Idee ist, wie Leiter hier eine größere Rolle spielt, was der Glaubwürdigkeit nutzt, wenn er und seine frisch angetraute Frau Della ungebeteten Hochzeitsbesuch bekommen. Auch gekonnt eingeworfen ist hier eine für Bond-Kenner eindeutige Szene, wenn Della Bond ihr Strumpfband zuwirft, nach dem Motto, er werde auch als nächster heiraten. Die Reaktion Bonds erinnert gekonnt an das Ende von "Im Geheimdienst Ihrer Majestät". Und das ist auch der emotionale Anker des Films, bei dem was Sanchez Leiter und Della antut. Bond-Fans werden sich auch hier wieder direkt denken können, dass Bond an Tracys Tod denkt, wenn er Della findet.
Robert Davi erweißt sich als Idealbesetzung als eiskalter Drogenbaron und gekonnte Fortführung, dass man die Bond-Gegner seit "Im Angesicht des Todes" deutlich verjüngte, als Lektion aus Connerys Renegaten-Bond "Sag niemals nie".
Dalton setzt seinen harten Kurs, den er mit "Der Hauch des Todes" etabliert hatte fort. Wenn er z.B. zynisch und ohne jegliche Mimik einen Verräter eliminiert, sah man Bond zuvor selten so kalt. Das Bond wie hier direkte Befehle missachtet, gab es vor "Der Hauch des Todes" nur in "Im Geheimdienst Ihrer Majestät". Doch was Moneypenny bei letztgenanntem noch verhindern konnte, passiert hier ohne wenn und aber. Bond kündigt!! Bei Roger Moore wäre das undenkbar gewesen, beim Arbeitsverhältnis von M und Bond zu Connery-Zeiten nur in Ansätzen. Doch Dalton setzt einen gelungenen Kontrast und zieht die harte Linie voll durch. Kompromisslos eliminiert Bond seine Gegner, zerstört eine Drogenlieferung und klaut das Geld, das für deren Bezahlung gedacht war im Rahmen einer tollen Actionsequenz.
Ab diesem Zeitpunkt hebt sich "Lizenz zum Töten" auch ganz weit über die Masse typischer Rachthriller heraus. Bond handelt nicht blindwütig, sonden mit Köpfchen. Setzt er doch das von Sanchez geklaute Geld gegen diesen ein und findet in der Pilotin Pam eine Waffengefährtin. Und noch jemand eilt zu Hilfe - Q. Wie schon bei "Octopussy" war es hier eine tolle Idee, Q mehr in Bonds Abenteuer zu involvieren. Und Q ist auch der einzigste, der Bond hier wirklich in seine Schranken weisen kann, wenn er auf eine Bemerkung von Bond hin sagt: "Gäbe es keinen Q-Branch wären sie schon lange tot." Denn darauf weiß selbst Bond keine Antwort.
Die Filmhandlung ist einfach clever aufgebaut, wie Bond wie bei einem Schachspiel seine Züge macht und Sanchez Leute nach und nach gegen ihren Boss ausspielt und das Vertrauen des Drogenbarons gewinnt, um ins allerheiligste vorzudringen.
Und das Finale von "Lizenz zum Töten" gehörte mit zu den besten von Bond. Gelang es doch Schlachten gegen überlebensgroßer Gangster wie Blofeld z.B. in "Man lebt nur zweimal" mit einem recht real anmutenden Gangster wie Sanchez zu kombinieren, wenn Bond Zerstörung über dessen Drogenfabrik bringt, bevor es mit einem halben Dutzend Tanktrucks richtig rund geht. Wie die Trucks sich Rennen liefern oder irrsinnige Stunts vollführen, Autos platt machen, Feuerwände durchbrechen und Pam mit ihrem Flugzeug da noch mitten drin rum wuselt ist grandios, was durch einen der perfektesten Einsätze des Bond Themes in der ganzen Serie noch unterstützt wird.
Und Sanchez ist hier auch erst der erste Bond Gegner, der recht spät erkennt, wer ihm wirklich ans Leder will.
"Lizenz zum Töten" ist ein harter Bond-Film, der für sich einmalig ist und bedenkt man, wie "Casino Royale" 17 Jahre später eben für diesen harten Stil gefeiert wurde, ist es unverständlich, dass "Lizenz zum Töten" im Kino damals so abgestraft wurde, denn es gibt sehr sehr viele Parallelen. Vielleicht waren die Zuschauer damals einfach noch nicht reif für diese Art Bond.