Was für ein Titelsong: John Barrys "Diamonds Are Forever", gesungen von Shirley Bassey, gehört zweifellos zum Besten, was die Serie zu bieten hat. Leider kann man das über den Film selbst nicht sagen.
Nachdem "On Her Majesty's Secret Service" - der letzte Bond-Film der 60er Jahre, mit George Lazenby in der Titelrolle - gefloppt war, stellte sich für die Produzenten die Frage, wie man am besten an die sagenhaften Erfolge von "Goldfinger" und "Thunderball" anknüpfen könnte. Leider verpasste man zu diesem Zeitpunkt die Chance, James Bond für die 70er Jahre neu zu erfinden (Roger Moore sollte erst im nächsten Film dazustoßen), und versuchte stattdessen einfach, das Alte zu wiederholen. Gedacht wurde zunächst an einen Aufwasch von "Goldfinger" - mit Goldfingers Zwillingsbruder(!) als Bösewicht -, was an sich schon von einem akuten Mangel an Inspiration zeugt. Zwar wurde diese Idee glücklicherweise wieder verworfen, "Diamonds Are Forever" ist die Orientierung an den letzten drei Connery-Filmen aber trotzdem deutlich anzusehen. Am wichtigsten ist dabei natürlich die Rückkehr von Connery als Bond. Und dies, so scheint mir, war zugleich der größte Fehler: Connery hatte schon während der Dreharbeiten zu "You Only Live Twice" seinen Ausstieg aus der Serie angekündigt, und nun kaufte man den Star für eine horrende Summe zurück - Lust auf James Bond hatte Connery aber offensichtlich trotzdem keine mehr. Deutlich gealtert und mit etwas mehr Speck auf den Rippen wirkt er stellenweise seltsam unbeteiligt und macht seinen Job zwar nicht schlecht, aber höchstens souverän und routiniert.
Connery ist allerdings nicht das einzige Problem. Der gesamte Film, angefangen beim Drehbuch, wirkt ein wenig lustlos. So ist "Diamonds Are Forever" der Bond mit den krassesten Continuity-Fehlern, die eher an amerikanische TV-Produktionen der 70er Jahre erinnern als an die früheren Klassiker der 007-Reihe. So fährt Bonds Wagen einmal auf den rechten zwei Rädern in eine schmale Gasse und kommt auf den linken wieder heraus. In derselben Sequenz (der Verfolgungsjagd durch Las Vegas) sind die Straßen manchmal voller Menschen - offensichtlich Passanten, die bei den Dreharbeiten zuschauen - und manchmal menschenleer. Und bei einer weiteren Verfolgungsjagd rollt vorne ein Rad durchs Bild, das offensichtlich gerade von dem Mondfahrzeug abgefallen ist, mit dem Bond seinen Verfolgern entkommt.
Darüber hinaus spielt fast der gesamte Film in Las Vegas. Selbst die Anfangssequenz in Südafrika wurde einfach außerhalb der Stadt gedreht, so dass einem die Landschaft seltsam vertraut vorkommt, wenn man später die Action-Sequenz mit dem Mondfahrzeug vor Las Vegas sieht. Es fehlt der Bond-typische Schauplatzwechsel. Stattdessen versumpft man etwas im Casino von Las Vegas.
Blofeld (der plötzlich Haare und ein ganz unvernarbtes Gesicht hat) wird dann auch noch von Charles Gray gespielt, der bereits in "You Only Live Twice" - und zwar in der Rolle von Henderson - zu sehen war, was irgendwie einen seltsamen Effekt hat.
Was bleibt, sind die gewohnt großartigen Kulissen von Ken Adam, der grandiose Soundtrack (cool vor allem die Musik zur Weltraumszene) und die großzügige Ausstattung der DVD: Zusätzlich zum gewohnt guten - und bei der Bond-Reihe zum Standard gehörenden - ca. 30minütigen "Making of" gibt es ein längeres Porträt des Produzenten Cubby Broccoli und (leider zu Recht) verworfene Szenen.
Fazit: Für Sammler sowieso ein Muss, für Freunde des 70er-Jahre-Designs und -Sounds ebenfalls. Mehr eine Kuriosität als ein wahrer Bond-Knüller...