Da lief nun neulich die Verfilmung von "Casino Royale" im Fernsehen, und ich dachte mir, dass mir mein Gedächtnis vielleicht einen Streich spielt - erkannte ich doch einiges aus dem Roman wieder, so hatte ich doch vieles irgendwie anders in Erinnerung. Also griff ich nochmals zum Regal und zog den Roman hervor, um die Begeisterung, die ich beim ersten Lesen damals verspürt hatte, wiederaufleben zu lassen.
Der Vergleich zur Verfilmung bietet einen interessanten Einblick in den Wandel der Zeiten - spielte Bond 1953 noch gepflegt Baccarat, 23000 Pfund waren noch eine ungeheuere Summe Geld und die Sowjetunion der gefürchtete Gegner, so ist heutzutage Texas Hold'em das Spiel der Wahl, Millionen von Dollars gehen über den Tresen und es sind die Banker, die nicht von Ideologien sondern nur von Knete motiviert werden.
Flemings Stil ist sehr elegant, nicht gerade einfach und sehr eigen - ein Autor, den man an seinem Schreibstil wirklich sofort erkennt. Sein besonderes Augenmerk liegt oft auf den Accessoires des damaligen Jetsets; Zigarettenmarken, Autofabrikate und Getränke lassen die 50er Jahre plastisch auferstehen und zeugen von einer Zeit, in der political correctness noch ein Fremdwort war. Was heute als Klischee bezeichnet werden würde, war damals eben noch Tatsache; man muss sich immer vor Augen führen, dass das Klischee erst durch die endlose Wiederholung dieser Erfolgsformel Flemings entstand und damals noch frisch und aufregend wirkte.
Nun findet man darin allerdings auch viele Stellen, die nicht unbedingt als frauenfreundlich bezeichnet werden können - der Autor war ebenso wie seine Figur ein Macho erster Klasse (sogar für die Zeit, in der der Roman entstand), und Frauen sind für Bond halt Gebrauchsobjekte, die man nicht wirklich ernst nehmen kann. Dazu passend der letzte Satz des Romans, der für mich trotzdem einer der großartigsten, härtesten Schlusssätze aller Zeiten ist.
Der erste "Bond" ist der Auftakt - trotz einer wirklich gut gemachten Casino-Spielszene lässt der Roman nur erahnen, was auf den Leser in den späteren Romanen, insbesondere der überaus herausragenden Blofeld-Trilogie, zukommt: die besten Spionagethriller aller Zeiten. Die Bewertung muss in diesem Vergleich eher schwächer ausfallen.
Das Coronet-Paperback ist in jeder Form auf den Preis getrimmt - billigstes Papier und verwaschener Druck machen keine Freude. Da das Buch aber in ungefähr der Zeit gelesen werden kann, die der Kinofilm dauert, ist das auch vernachlässigbar.