Als Pierce Brosnan 1995 die Rolle des legendären Geheimagenten James Bond 007 übernahm, wollte er diesen realistisch darstellen. Was dem Zuschauer jedoch in diesem Film geboten wird, hat mit Realismus wirklich nichts mehr zu tun. Auch wenn die anderen Brosnan-Bond-Filme auch nicht immer realistisch waren, ist "Stirb an einem anderen Tag" wohl die Spitze des Eisberges.
Am störensten ist wohl hierbei die Idee eines unsichtbaren Bond-Mobiles"... also ganz ehrlich, James Bond in einem unsichtbaren Auto, was soll das ??
Dann die Flucht in einem Raketenauto vor einem Laserstrahl quer über die Eislandschaft von Iceland... einfach nur lächerlich.
Dann die Gletscher-Szene, in welcher James Bond in einer ausweglosen Situation zu sein scheint. Er hängt samt Raketenauto an der Wand eines Gletschters. Der Laserstrahl aus dem All bringt den Gletscher zum Einsturz und Bond rast in seinen Untergang. Doch nein, 007 legt dank des Bremsschirmes und dessen Verschlussklappe eine Windsurf-Nummer hin und kann so vor einer bedrohlichen Flutwelle fliehen. Die Szene ist wohl die lächerliste des gesamten Filmes, da sie einfach zu überspitzt ist und außerdem auch noch von der Animation erbärmlich ist.
Was Lee Tamahori hier mit meiner Lieblings-Filmfigur angestellt hat, gleicht einfach Rufmord. Denn "Stirb an einem anderen Tag" ist für mich einfach kein Bond-Film. Vielmehr wirkt der Film wie ein schlechtes Computerspiel und erinnert zu sehr an "XXX" oder "Drei Engel für Charlie -Volle Power". Was Bond bisher immer ausgemacht hatte, war das Anliegen die Action so realistisch wie möglich zu gestalten. Computeranimationen wurden immer probiert zu verhindern, wenn sich auch nicht immer verzichtbar waren. Jedoch sind in diesem Bond-Abenteuer Szenen teils gänzlich am Computer entstanden, was für "Star Wars" oder "Der Herr der Ringe" legitim ist, aber mit James Bond nichts mehr zu tun hat. So verkommt James Bond zu einem Comic-Superhelden, was leider zum Untergang von Pierce Brosnan führte.
Zum Glück haben die Produzenten ihr Konzept mit "Casino Royale" umgedacht, doch wäre dieser Film mit Pierce Brosnan einfach nicht möglich gewesen, weil dieser jegliche Glaubwürdigkeit durch "Stirb an einem anderen Tag" verloren hat.
Trotzdem weiß der Film zu unterhalten, was vor allem Pierce Brosnan und Halle Berry zu verdanken ist, welche sich gegenseitig einfach super ergänzen.
Mit diesem Film hatte die Bond-Reihe jeglichen Anspruch auf den Action-Thron verloren. Viele Fans fühlten sich von diesem Film eher beleidigt und auch ich muss eingestehen, dass ich zum ersten mal aus dem Kino kam mit dem Gefühl, keinen Bond-Film gesehen zu haben.
Als Bond-Fan bringe ich es nicht über's Herz, diesen Film mit weniger als drei Sternen zu bewerten, aber verdankt "Stirb an einem anderen Tag" nur seinen beiden Hauptdarstellern und einer sehr nett gestalteten Fechtszene... sonst ist der Film aber nur Action-Durchschnitt.