Dieser Bond setzte eine neue Marke in Punkto Imposanz der Vortitelsequenz. Wenn Bond einen Waffenbasar auspioniert und die britische Flotte vorschnell eine Rakete abfeuert, knallts ordentlich und auch in der Luft werden Bonds Probleme nicht weniger. Toll ist M. Trotz ihres Zynismus in "GoldenEye" merkt man hier, dass sie voll hinter Bond steht, wenn sie auf eine Frage: "Was macht der Irre da?" bissig bemerkt: "Seinen Job." Klasse auch wenn ein Navy Admiral, Ms Kompetenz anzweifelt: "Ihnen fehlt das, was ein Mann hat für diesen Job". Prompt fängt er sich zur Antwort ein: "Dafür muss ich nicht mit dem was mir fehlt denken."
Beim Titelsong schwächelt der Film etwas. Die Tonabmischung stimmt nicht und Sheryl Crows Stimme klingt leicht quäkend im Vergleich zur Soundtrack CD. Grandios ist wieder das Titeldesign, mit dem Daniel Kleinmann erneut bewies, dass er ein würdiger Nachfolger des 1991 verstorbenen Maurice Binder ist.
Wenn mit Beginn des Hauptfilms ein britisches Kriegsschiff von einer dritten Macht zerstört wird, erinnert dies etwas an die U-Boot-Entführung am Beginn von "Der Spion, der mich liebte".
Auch Elliot Carver erinnert defintiv an die bösen Millionäre früherer Bond-Filme. Doch wo diese meist nur überheblich waren, ist Carver erfrischend abgehoben und durchgeknallt von Jonathan Pryce gespielt.
Köstlich ist das Treffen Bond/Q, wenn Q Bond einen Mietwagen übergibt und diverse Versicherungen anbietet. Hier weiß der Bond-Fan das ist eh sinnlos und Brosnans Unschuldsmine ist hier super. Zum anderen denkt man bei dem gegen was Q Bond versichern will direkt an frühere Bond-Filme. Personenschäden? Hatten wir bei "Goldfinger". Feuer? Siehe der Lotus in "In tödlicher Mission".
Ein interessanter Charakter ist Paris Carver. Eine Frau, die Bond von früher kennt, gabs nur in viel kleinerem Rahmen mit Pola Ivanova in "Im Angesicht des Todes". Das Bond eben kein Beziehungstyp ist, merkt man direkt an Paris Ohrfeige. Bond wird hier menschlicher gemacht, wenn er Paris gegenüber wenig später zugibt, dass er Bindungsängste hat. Etwas das jeder, der "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" kennt, sehr gut verstehen kann. Doch das Bond Paris geliebt haben muss, merkt man an der Art, wie er den Gangster Dr. Kaufmann wenig später tötet. Tolle Szene, in der Brosnan wieder beweißt, dass sein Bond auch kalt sein kann.
Zum vierten Mal nach "Goldfinger", "Der Spion, der mich liebte" und "Der Hauch des Todes" konnte hier ein Bond-Fahrzeug mal zeigen, was alles an Geheimwaffen in ihm steckt. Doch macht das hier auch wieder wett, dass der Z3 in "GoldenEye" trotz Ankündigung so garkeine Geheimwaffen hatte.
Wenn Bond einen Tauchgang zum anfangs gesunkenen Kriegsschiff macht, das an einer Klippe liegt, zitiert der Film hier sowohl etwas aus "In tödlicher Mission", als auch aus dem Abenteuerfilm "Die Tiefe". Und es folgen noch ein paar Zitate. Flüchten Bond und Agentin Wai Lin aus Carvers Hochhaus und rutschen an einem riesigen Banner herab, wird "Der rote Korsar" zitiert. Bei der grandiosen Motorradjagd, wird durch die Idee, das Bond und Wai Lin mit Handschellen aneinander gekettet sind "Flucht in Ketten" zitiert.
Fans von Michelle Yeoh kommen auf ihre Kosten, wenn Wai Lin wenig später einige Bösewichte vermöbelt. So wie sie hat defintiv noch kein Bond-Girl vor ihr hingelangt.
Mit dem Finale auf einem Stealthschiff ist der Film ebenso innovativ, wie generell bei Carvers Plänen. Ein Medienbaron war zu der Zeit, als Milliardäre wie Rupert Murdoch globale Medienkonzernte schufen, sehr aktuell. Und auch das es Carver eigentlich nicht um die Weltherrschaft, sondern etwas viel simpleres geht, ist erfrischend anders, auch wenn man sich sobald man weiß um was es ihm geht erstmal fragen wird: Das ist alles?
Was in Punkto Action auf Carvers Schiff abgeht, kann sich sehen lassen. Brosnan und Yeoh geben ein gelungenes Duo ab. Doch ist es gut, dass man einen auf eleganten Killerspion abonierten Typen wie Bond hier nur einmalig mit zwei MGs ballernd gesehen hat. Das bringt ihn doch zu sehr in die Nähe normaler Actionhelden.
Zwar bezog der Film wegen sowas Prügel, doch ist Brosnans zweiter Bond gelungen. Aktuelles Feindbild, tolle Darsteller, grandiose Spezialeffekte und Action und ein perfekter Soundtrack.
Allerdings war dies der erste Bond seit "Diamantenfieber" der unter zwei Stunden lang war.
Toll ist am Filmende die Widmung an Bond-Produzent Cubby Broccoli, der im Dezember 1996 starb und ohne den es die Bond-Filme garnicht gäbe, oder ohne dessen Glauben an die Bond-Figur sie wohl Mitte der 70er nach "Der Mann mit dem goldenen Colt" untergegangen wäre.