Wenn ein Bondfilm gelobt wird, heißt es oft, dass er einer der besten sei. Doch welcher ist denn nun der Beste? Welchen sollte man sich kaufen, wenn gerade mal für einen JB Platz ist im Regal?
Ist es vielleicht DER SPION, DER MICH LIEBTE, der gemeinhin als bester Bond mit Roger Moore gilt, in dem der berühmte Beißer als einer seiner Gegenspieler vorkommt und zudem eine orginelle Affäre mit einer Frau, deren Liebe JB am Anfang des Films getötet hat? - Leider nein. Denn der Hauptstrang ähnelt allzusehr "Man lebt nur zweimal" (ist auch vom gleichen Regisseur) und das Potential seines Hauptgegenspielers Curd Jürgens als Weltverbesserer wird ebenso wenig genutzt wie die angedeutete Affäre: zu leicht verzeiht sie JB am Ende.
Ist es vielleicht STIRB AN EINEM ANDEREN TAG, der häufig als bester Bond mit Pierce Brosnan genannt wird? - Meines Erachtens ist von den Brosnan-Filmen GOLDENEYE interessanter, weil näher dran an unserer Welt: der erste Bond nach Ende des Kalten Krieges mit der nicht unoriginellen Idee von 006 als Lienzer Kosak, der sowohl was gegen Russen als auch gegen Engländer hat. Dass es auch für ihn nicht aufs Treppchen reicht, liegt an den zum Teil überkandidelten Darstellern (Xenia und Boris), die eher Comicfiguren ähneln als Menschen, sowie an der Wiederholung der Gesamtgeschichte gegenüber älteren, letztlich zurückgehend bis aus "Liebesgrüße aus Moskau".
Wenn man ein bisschen mehr Platz hat in seinem Regal könnte man mit IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT anfangen,denn wenn JB hier mit George Lazenby auch von dem schlechtesten aller bisherigen Darsteller gespielt wird und die Schneeverfolgungsjagden doch allzu üppig ausgefallen sind, heiratet JB in diesem Abenteuer immerhin, darauf wird in späteren häufig angespielt, und wenn seine Angetraute im Kugelhagel stirbt, kommt wirklich so etwas wie Schmerz auf.
Bleiben noch drei: LIZENZ ZUM TÖTEN ist der erste Bond, der nicht auf Fleming zurückgeht, der zweite mit Timothy Dalton und einer der brutalsten. In diesem Film stimmt fast alles: Die Gegner (Sanchez und Dario), das Thema (Drogen), das wichtigste Bondgirl (Carey Lowell), selbst die Stunts sind selten zu lang.
CASINO ROYALE überbietet diesen vielleicht am eindeutigsten. Es ist eine Zäsur zu allen vorherigen Bond-Filmen. JB ist nun selbst zum Mensch geworden, zerbrechlich und trotzdem weiterhin hart, Sexualobjekt wie zuvor nur Frauen. Daniel Craig stemmt das alles, da kann man sagen was man will. Und die Geschichte stimmt auch: Endlich kriegt mal ein Neutraler sein Fett ab!
Und dann wären da noch die mit Sean Connery. Der überhaupt erste, in dem er DOKTOR NO. jagt, ist von der Handlung arg dünn und unoriginell, auch wenn gegen Ursula Andress und gegen das Design des Films nicht viel zu sagen ist. Der dritte und vielleicht berühmteste, GOLDFINGER hat mit Gerd Fröbe einen Superschurken und herausragende Musik. Für mich beginnt aber mit Goldfinger schon das Fantastische zu überwiegen und das psychologisch Unplausible gepaart mit in die Länge gezogenen Actionszenen (ich sage nur "Fort Nox"). Nein, der eindeutig beste, zudem realistischste Connery ist sein zweiter: LIEBESGRÜßE AUS MOSKAU. Alles mögliche ist mit diesem Film (gegenüber seinem blassen Vorgänger) etabliert worden. Dazu kommt eine anspruchsvollere Handlung, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse manchmal verschwommen sind, wie man es von einem Agentenfilm eigentlich erwarten kann, und drei Aktionszenen, die sich alle sehen lassen können (im Zug, Mann zu Fuß gegen Hubschrauber, auf dem Wasser). Wäre das Bondgirl ein bisschen eigenständiger, würde ich diesem Bondfilm die Goldmedaille überreichen.
Also muss schon für mindestens zwei Bond-Filme Platz geschaffen werden: Für Casino Royale und die Liebesgrüße aus Moskau, gerade auch weil sich im Vergleich erst der Wert von Ersterem zeigt (und wie sich doch das Männerbild im Lauf der Jahrzehnte verändert hat). Dabei muss es bei Connery unbedingt die Ultimate-Ausgabe, bei Casino Royale die Collector's Edition (3 DVDs) sein, wegen der wirklich vorbildlichen Extras.