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James Bond 007. Casino Royale.
 
 
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James Bond 007. Casino Royale. [Englisch] [Taschenbuch]

Ian Fleming
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Amazon.co.uk

Ian Fleming created the character of James Bond, he said, to overcome the shock of getting married. Whatever his reasons, his first attempt at fiction started a global cultural phenomenon.

Casino Royale takes place on a smaller stage than later Bond adventures, as if Fleming wanted to familiarise himself with his spy before setting him loose on the world but it fizzes with intensity. SMERSH, the most powerful and feared organisation in the USSR, and one of its operatives, the French communist le Chiffre, are blamed for the deaths of a number of British agents and the British Secret Service wants justice. In a characteristic Fleming twist, however, le Chiffre is compromised from the start--a deadly agent in the service of his masters but with a deadly secret to hide from them. His, as yet undetected, misappropriation of a vast amount of SMERSH funds presents the British Secret Service with an ingenious opportunity to turn killer into sacrificial lamb. When a nearly bankrupt le Chiffre sets out to do some serious gambling at the casino in Royale-les-Eaux in order to replace the money, James Bond is assigned to out-gamble him, make SMERSH aware of his embezzlement and sit back and watch as they do the dirty work for him.

Casino Royale reveals the full complexity of James Bond's character, his sophistication, his sensitivity (he has serious anxieties about being a killer) and also his darker side. He is emotionally cold and distant to the opposite sex and his views on women are strong and chauvinistic; "These blithering women who though they could do a man's work. Why couldn't they stay at home and mind their pots and pans and stick to their frocks and gossip and leave men's work to me?" Part of the attraction of the adventure is the way it sets out future trademarks of the 007 series; a stern but ultimately caring "M", the flirtation between 007 and Miss Moneypenny, the spectacular locations, the beautiful girls and the dangerous and violent criminals.

Casino Royale is the most serious and violent of all the Bond novels and it shows Bond at his coldest and most ruthless. It is a fabulous opening to the Bond series and gives wonderful insights into the character of James Bond 007. --Jamie Campbell -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

From Library Journal

The allure of James Bond was best described by Raymond Chandler, who insisted that 007 is "what every man would like to be and what every woman would like to have between her sheets." Who can argue with that? This month marks the 40th anniversary of the film release of Dr. No, which was the first Bond adventure to make the big screen, and two big coffee-table books are being published to honor the occasion (LJ 10/1/02, p. 96). Shockingly, Fleming's original novels have gone out of print, but Penguin here reproduces a trio of the British secret agent's early outings, released in 1952, 1958, and 1959, respectively, sporting stylish cover art. These stories were racy for the nifty Fifties but are quite tame by today's standards. Still, they can be fun.
Copyright 2002 Reed Business Information, Inc. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

The licence to kill for the Secret Service was a great honour. It brought James Bond the only assignments he enjoyed, the dangerous ones. At the Casino in Deauville, Bond's game is baccarat. But away from the discreet salons, the caviar and champagne, it's 007 versus one of Russia's most powerful and ruthless agents.

Synopsis

The licence to kill for the Secret Service was a great honour. It brought James Bond the only assignments he enjoyed, the dangerous ones. At the Casino in Deauville, Bond's game is baccarat. But away from the discreet salons, the caviar and champagne, it's 007 versus one of Russia's most powerful and ruthless agents.

Über den Autor

Ian Fleming was born in 1908 and educated at Eton. in 1931, he joined the Reuters news agency. During World War II he was Personal Assistant to the Director of Naval Intelligence of the Admiralty. His wartime experiences provided him with a first-hand knowledge of secret operations. At the age of 42 he wrote Casino Royale, the first of the Bond novels. By the time of his death in 1964, Fleming's fourteen Bond books had sold more than 40 million copies.

Auszug aus James Bond - Casino Royale von Ian Fleming. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Um drei Uhr morgens ist der Geruch nach Parfüm, Rauch und Schweiß betäubend. Der Nervenverschleiß, den das Spielen um hohe Einsätze mit sich bringt und der sich aus der Summierung von Gier, Angst und nervöser Spannung ergibt, wird um diese Zeit unerträglich, und die Sinne erwachen und revoltieren dagegen.
James Bond wusste plötzlich, dass er erschöpft war. Er wusste immer, wenn Körper oder Geist genug hatten, und er richtete sich auch danach. Es half ihm, jegliche Überanstrengung zu vermeiden - aber auch jene gefühlsmäßige Dumpfheit, aus der die Fehler entstehen.
Unauffällig verließ er den Rouletttisch, an dem er gespielt hatte, und blieb einen Augenblick an einem Messinggeländer stehen, das den Tisch im »Salle privée«, an dem um höchste Einsätze gespielt wurde, in Brusthöhe umgab.
Le Chiffre spielte immer noch, und allem Anschein nach gewann er auch immer noch. Vor ihm lag ein unordentlicher Haufen von Hunderttausender-Chips. Im Schatten seines dicken linken Armes war außerdem ein kleinerer Haufen jener gelben Chips zu erkennen, von denen jeder eine halbe Million Francs wert war.
Bond beobachtete eine Weile das merkwürdige, eindrucksvolle Profil, zuckte leicht mit den Schultern, als wolle er seine Gedanken abschütteln, und ging dann weiter.
Das Gitter, das die »Caisse« abteilt, reicht bis dicht unter das Kinn, und der »Caissier«, im Allgemeinen nur ein kleinerer Bankangestellter, sitzt auf einem Stuhl und beschäftigt sich mit den Stapeln von Geldscheinen und Chips, die auf einem kleinen Brett vor ihm aufgebaut sind, jenseits des schützenden Gitters, etwa in Gürtelhöhe der wartenden Kunden. Der Caissier trägt zu seinem Schutz eine Pistole, und auch sonst ist es unmöglich, über das Gitter zu setzen, die Banknoten an sich zu raffen, wieder über das Geländer zu springen und das Kasino durch die vielen Gänge und Türen zu verlassen. Außerdem arbeiten die Caissiers im Allgemeinen immer zu zweit.
Bond dachte über dieses Problem nach, als er das Bündel von Hunderttausend-Franc-Scheinen und dann die Bündel von Zehntausend-Franc-Noten einsteckte. Ein anderer Teil seiner Gedanken galt der planmäßigen Sitzung des Kasino-Ausschusses, die morgen stattfinden würde.
»Monsieur Le Chiffre gewann zwei Millionen. Er spielte wie üblich. Miss Fairchild gewann in einer Stunde eine Million und verließ dann das Kasino. Innerhalb dieser einen Stunde bot sie Monsieur Le Chiffre dreimal »banco« und ging anschließend. Sie spielte vollkommen kühl. Monsieur le Vicomte de Villorin gewann am Roulett eine Million zweihunderttausend. Er setzte zu Anfang den Höchstbetrag und ließ ihn dann stehen. Er hatte sehr viel Glück. Und dieser Engländer, Mr. Bond, vergrößerte seine Gewinnsumme in den letzten beiden Tagen auf genau drei Millionen. Er spielt an Tisch 5 mit einem progressiven System auf Rot. Duclos, der »Chef de partie«, kennt die Einzelheiten. Anscheinend hat Mr. Bond sehr große Ausdauer und spielt immer nur mit dem höchsten Einsatz. Auch er hat sehr großes Glück. Seine Nerven scheinen gut zu sein. Auf der »Soirée« brachte Chemin-de-fer soundso viel ein, Bakkarat soundso viel und Roulett soundso viel. »Boul« war wieder sehr schlecht besucht, deckte jedoch die Ausgaben.«
»Merci, Monsieur le Président.«
So ungefähr würde die morgige Sitzung verlaufen, überlegte Bond, als er die Pendeltüren aufstieß, den Salle privée verließ und dem gelangweilten Mann im Abendanzug zunickte, dessen Aufgabe es war, jedem den Eintritt oder den Ausgang mithilfe jenes elektrischen Fußschalters zu gestatten oder zu verwehren, der die Türen bei dem geringsten Anzeichen von Unruhe versperrt.
Und der Kasino-Ausschuss würde die Abrechnung genehmigen und dann zum Mittagessen nach Hause oder in eines der Cafés gehen.
Bei der Vorstellung, die Caisse zu berauben - eine Sache, die ihn persönlich zwar nichts anging, aber ihn trotzdem interessierte - kam Bond zu dem Schluss, dass dazu zehn gute Leute notwendig seien, dass dabei mit Sicherheit ein Angestellter oder auch zwei getötet werden müssten und dass man vermutlich weder in Frankreich noch in irgendeinem anderen Land zehn Killer finden würde, die dieses Risiko übernähmen.
Als er dem »Vestiaire« einen Tausend-Franc-Schein in die Hand drückte und die Treppe des Kasinos hinunterging, war Bond zu der Überzeugung gekommen, dass Le Chiffre unter keinen Umständen versuchen würde, die Caisse zu berauben, und deswegen beschäftigte er sich auch nicht mehr mit dieser Möglichkeit. Statt dessen untersuchte er seine derzeitigen physischen Gefühle. Durch die Sohlen seiner Abendschuhe hindurch spürte er den trockenen, unangenehmen Kies des Weges; er hatte einen schlechten, ausgedörrten Geschmack im Mund und schwitzte leicht unter den Armen. Er spürte auch seine Augäpfel, die aufgequollen zu sein schienen. Gesicht, Nase und Augenlider wirkten gedunsen. Tief atmete er die frische Nachtluft ein und konzentrierte Sinne und Verstand. Er wollte wissen, ob man sein Zimmer, seit er es verlassen hatte um zu Abend zu essen, durchsucht hatte.
Er überquerte den breiten Boulevard und ging durch die Gartenanlagen zum Hotel Splendide. Dem Portier zulächelnd, der ihm seinen Zimmerschlüssel gab - Nr. 45 im ersten Stock - griff er nach dem Telegramm.
Es kam aus Jamaika und hatte folgenden Text:

KINGSTONJA XXXX XXXXXX XXXX XXX
BOND SPLENDIDE ROYALE-LES-EAUX
MINDERWERTIGE ZIGARRENPRODUKTION ALLER KUBANISCHEN FABRIKEN IM JAHRE 1915 ZEHN MILLIONEN WIEDERHOLE ZEHN MILLIONEN STOP HOFFE DASS ANGABE GENÜGT GRÜSSE
DASILVA

Das bedeutete, dass zehn Millionen Francs für ihn unterwegs waren; es war die Antwort auf eine Bitte, die Bond nachmittags über Paris an das Londoner Hauptquartier geschickt hatte. Paris hatte mit London gesprochen, wo Clements - der Leiter von Bonds Abteilung - wiederum mit M gesprochen hatte, der nur trocken lächelte und dann anordnete, die Sache mit dem Finanzministerium zu regeln.
Bond hatte früher einmal in Jamaika zu tun gehabt, und zwar unter dem Deckmantel eines sehr reichen Kunden der Firma Caffery, der bedeutendsten Import- und Exportgesellschaft von Jamaika. Aus diesem Grunde wurde er auch jetzt über Jamaika durch einen Verbindungsmann gesteuert, dem Bildredakteur des »Daily Gleaner«, der berühmten Zeitung der Großen Antillen.
Fawcett, wie der Redakteur des »Gleaner« hieß, war ursprünglich Buchhalter bei einer führenden Fischfanggesellschaft gewesen, die auf den Cayman-Inseln ihren Sitz hatte und ausschließlich Schildkröten fing. Er gehörte zu jenen Männern der Cayman-Inseln, die sich bei Kriegsausbruch freiwillig gemeldet hatte; bei Kriegsende war er dann Verwaltungsangestellter einer kleinen, in Malta stationierten Spionagegruppe der britischen Kriegsmarine.
Schweren Herzens musste er schließlich zu den Cayman-Inseln zurückkehren, wurde später jedoch von der Abteilung des Secret Service übernommen, zu deren Aufgabengebiet die Großen Antillen gehörten. Er erhielt eine gründliche Ausbildung als Fotograf und noch in einigen anderen Künsten, und mit dem stillschweigenden Einverständnis eines einflussreichen Mannes in Jamaika landete er hinter dem Schreibtisch des Bildredakteurs des »Gleaners«.
In den Pausen zwischen dem Aussortieren der Aufnahmen, die ihm von den großen Bildagenturen - Keystone, Wide-World, Universal, I.N.P. und Reuter-Foto - zugeschickt wurden, erhielt er telefonisch knappe Instruktionen von einem Mann, den er noch nie gesehen hatte, bestimmte einfache Dinge auszuführen, die lediglich völlige Verschwiegenheit sowie Schnelligkeit und Zuverlässigkeit erforderten. Für diese gelegentlichen Dienstleistungen bekam er monatlich zwanzig Pfund Sterling, die von einem fiktiven, in England lebenden Verwandten auf sein Konto bei der Royal Bank of Canada eingezahlt wurden.
Fawcetts gegenwärtiger Auftrag lautete, Texte, die ihm durch den anonymen Kontaktmann telefonisch in seine Wohnung übermittelt wurden, sofort und möglichst schnell an Bond weiterzuleiten. Der Kontaktmann hatte ihm vorher gesagt, dass es sich dabei nicht um Texte handeln würde, die das Misstrauen der Post von Jamaika erregen könnten. Daher war Fawcett auch nicht überrascht, dass man ihn plötzlich zum Korrespondenten der »Maritime Press and Photo Agency« ernannt hatte, zu dessen Aufgaben es gehörte, Pressemeldungen nach England und Frankreich durchzugeben. Für diese Tätigkeit erhielt er monatlich weitere zehn Pfund Sterling.
Er fühlte sich geborgen und angespornt, rechnete im Geheimen mit einem Orden und leistete die Anzahlung auf einen Morris Minor. Außerdem kaufte er sich einen grünen Augenschirm, mit dem er schon lange geliebäugelt hatte und der ihm half, hinter seinem Redaktionstisch einen gewichtigen Eindruck zu machen.
Einige dieser Einzelheiten gingen Bond durch den Kopf, als er das Telegramm las. Er war an diese indirekte Steuerung gewöhnt und begrüßte sie sogar. Er hatte das Gefühl, auf diese Weise etwas weicher gebettet zu sein, außerdem musste sich M auf diese Weise hin und wieder mit ihm beschäftigen. Er wusste jedoch, dass dies auch ein Trugschluss ein konnte und dass sich vermutlich noch ein zweiter Angehöriger des Service in Royale-les-Eaux aufhielt, der unabhängig von ihm berichtete; aber immerhin hatte er auf diese Weise die Illusion, nicht nur runde zweihundertfünfzig Kilometer von jenem entsetzlichen Bürogebäude jenseits des Kanals, in der Nähe des Regent's Park, entfernt zu sein, sondern sich auch der Beobachtung und Beurteilung durch jene wenigen kalten Rechner entziehen zu können, die hinter dieser ganzen Geschichte steckten. Auch Fawcett - der in Kingston lebende Cayman-Insulaner - wusste genau, dass man es in London sofort erfahren würde, wenn er seinen Morris Minor nicht auf Raten kaufen, sondern bar bezahlen würde, und dass man ihn dann fragen würde, woher er denn das Geld dazu hätte.
Bond las das Telegramm zweimal. Er riss ein Telegrammformular von dem Block, der auf dem Tisch lag (denn sonst hätte seine Schrift sich vielleicht durchgedrückt), und schrieb in großen Druckbuchstaben seine Antwort nieder:
DANKE INFORMATION GENÜGT BOND
Er gab das Formular dem Concierge und steckte das mit »Dasilva« unterzeichnete Telegramm in die Tasche. Die Auftraggeber des Concierge - falls es überhaupt welche gab - konnten sich durch Bestechung auch eine Abschrift von der Post beschaffen, wenn der Portier nicht bereits vorher über Dampf geöffnet oder den Text schon mitgelesen hatte, als Bond ihn niederschrieb.
Bond nahm seinen Schlüssel, sagte »Gute Nacht«, sah den Liftboy mit einem abwehrenden Kopfschütteln an und ging zur Treppe. Er wusste, dass jeder Lift eine Mausefalle sein konnte. Zwar war er überzeugt, dass niemand auf der ersten Etage herumlungern würde, wollte jedoch lieber vorsichtig sein.
Während er langsam die Treppe hochstieg, bedauerte er bereits seine über Jamaika laufende Antwort an M.
Dem Spieler in ihm war klar, dass es ein Fehler war, sich auf ein zu kleines Kapital verlassen zu müssen. Andererseits würde M ihm wahrscheinlich sowieso nicht mehr bewilligen. Er zuckte die Schultern, bog von der Treppe in den Korridor und ging unhörbar auf die Tür seines Zimmers zu.
Bond wusste genau, wo der Lichtschalter war, und mit einer einzigen Bewegung stand er nicht nur auf der Schwelle, die Tür weit aufgerissen, sondern hatte gleichzeitig das Licht angeknipst und die Pistole in der Hand. Der leere Raum grinste ihn höhnisch an. Er ließ die halb geöffnete Tür zum Badezimmer unbeachtet, schloss aber die Zimmertür hinter sich ab, knipste die Nachttischlampe sowie die Lampe über dem Spiegel an und warf seine Pistole auf die Polsterbank, die neben dem Fenster stand. Dann beugte er sich vor und betrachtete sorgsam eines seiner schwarzen Haare, das noch an der gleichen Stelle war, an der er es vor dem Abendessen deponiert hatte: eingeklemmt in die Schreibtischschublade.
Als Nächstes prüfte er die dünne Schicht Talkumpuder an der Innenseite des Porzellangriffs, der an der Tür des Kleiderschranks angebracht war. Sie schien unberührt zu sein. Er ging in das Bad, hob den Deckel des Klosettwasserbehälters hoch und verglich den Wasserstand mit einem kleinen Kratzer an dem kupfernen Ventil.
Während er diese winzigen Sicherungen überprüfte, die einen unerwünschten Besucher verraten hätten, kam er sich weder dumm noch töricht vor. Er war Geheimagent und nur dank seiner gründlichen Beachtung auch der Kleinigkeiten seines Berufs noch am Leben. Routinemäßige Vorsichtsmaßnahmen waren für ihn ebenso wenig unsinnig wie für einen Tiefseetaucher, für einen Testpiloten oder für irgendeinen Menschen, der sein Geld auf gefährliche Weise verdiente.
Befriedigt, dass sein Zimmer während seines Aufenthaltes im Kasino nicht durchsucht worden war, zog Bond sich aus und gönnte sich eine kalte Dusche. Dann zündete er die siebzehnte Zigarette dieses Tages an, setzte sich an den Schreibtisch, das dicke Bündel seines Spielkapitals und seiner Gewinne vor sich, und trug einige Zahlen in ein kleines Notizbuch ein. Innerhalb von zwei Tagen hatte er genau drei Millionen Francs gewonnen. Zehn Millionen hatte man ihm in London mitgegeben, und um weitere zehn Millionen hatte er gebeten. Mit dieser Summe, die jetzt zu der hiesigen Filiale der Crédit Lyonnais unterwegs war, verfügte er über einen Grundstock von dreiundzwanzig Millionen Francs oder rund dreiundzwanzigtausend Pfund Sterling.
Regungslos blieb Bond eine Weile sitzen und starrte aus dem Fenster auf die dunkle See hinaus. Dann schob er das Geldscheinbündel unter das Kopfkissen des zierlichen Einzelbetts, putzte sich die Zähne, drehte das Licht aus und legte sich erleichtert auf das grobe französische Bettlaken. Zehn Minuten lang lag er auf der linken Seite und überdachte die Geschehnisse des Tages. Dann drehte er sich auf die andere Seite und zwang seine Gedanken in den engen Tunnel des Schlafes.
Seine letzte Bewegung war, die rechte Hand so weit unter das Kopfkissen zu schieben, bis sie neben dem Griff des 38er Polizeicolts mit dem verkürzten Lauf lag. Dann schlief er ein, und mit dem Verschwinden der Wärme und des Humors aus seinen Augen veränderten sich auch seine Gesichtszüge; sein Gesicht wurde zu einer schweigenden Maske - ironisch, brutal und kalt.

Zwei Wochen vorher hatte Station S des Secret Service folgendes Memorandum an M weitergeleitet, der nicht nur damals Leiter dieses Zweiges des britischen Verteidigungsministeriums war, sondern es auch heute noch ist:
An: M Von: Leiter S
Betr.: Vorschlag für die Ausschaltung von Monsieur Le Chiffre (alias »The Number«, »Herr Nummer«, »Herr Ziffer« usw.), eines Hauptagenten der Gegenseite in Frankreich und geheimen Finanziers des »Syndicat des Ouvriers d'Àlsace«, der kommunistisch-kontrollierten Gewerkschaft der Schwerindustrien und des Transportgewerbes im Elsass, die - soweit wir wissen - im Kriegsfall mit Rotland die wichtige Rolle einer fünften Kolonne spielen soll.
Anlagen: Eine Biographie von Le Chiffre, verfasst vom Leiter des Archivs (Anlage A); eine Notiz über Smersch (Anlage B).
Seit einiger Zeit haben wir das Gefühl, dass Le Chiffre den Boden unter den Füßen verloren hat. In fast jeder Hinsicht ist er ein ausgezeichneter Agent der UdSSR; seine allgemeinen physischen Gewohnheiten und Neigungen sind für ihn jedoch eine Achillesverse, die wir hin und wieder zu unserem Vorteil ausnutzen konnten. So gehört zu seinen Freundinnen eine Eurasierin (Nr. 1860), die Station F untersteht und kürzlich in der Lage war, uns Einblick in einige seiner Privataffären zu verschaffen.
Es scheint, als stehe Le Chiffre am Rande einer finanziellen Krise. 1860 machte bestimmte Beobachtungen, wie z. B. diskrete Verkäufe von Schmuckstücken, die Aufgabe einer Villa in Antibes und eine allgemeine Einschränkung seines Lebensstandards, der für ihn bezeichnend war. Weitere Nachforschungen wurden mithilfe unserer Freunde vom Deuxième Bureau angestellt (mit denen wir diesen Fall gemeinsam bearbeiten), und dabei kam eine merkwürdige Geschichte ans Tageslicht.
Im Januar 1946 verschaffte sich le Chiffre die Kontrolle über eine Reihe von Bordellen, die als »Cordon Jaune« bekannt ist und ihre Niederlassungen in der Normandie sowie in der Bretagne hat. Er war dabei so unvorsichtig, für diesen Zweck rund fünfzig Millionen Francs aus einem Fonds zu entnehmen, der ihm von Leningrad, Abteilung III, zwecks Finanzierung der S.O.D.A., der oben genannten Gewerkschaft, zur Verfügung gestellt worden war.
Unter normalen Verhältnissen wäre der Cordon Jaune eine ausgezeichnete Geldanlage gewesen, und es ist möglich, dass Le Chiffre dadurch nur das Gewerkschaftsvermögen vergrößern und nicht so sehr mit dem Geld seiner Auftraggeber für eigene Zwecke spekulieren wollte. Wie dem auch sei, es ist klar, dass es andere und sicherere Geldanlagen als die Prostitution gegeben hätte, wäre er nicht der Versuchung erlegen, daneben über eine unbegrenzte Zahl von Frauen für den eigenen Gebrauch zu verfügen.
Die Entwicklung machte ihm jedoch in kurzer Zeit einen Strich durch diese Rechnung.
Kaum drei Monate später, am 13. April, wurde in Frankreich das Gesetz Nr. 4 verabschiedet: Loi Tendant à la Fermeture des Maisons de Tolérance et au Renforcement de la Lutte contre le Proxénitisme.
Als M zu diesem Satz kam, knurrte er vor sich hin und drückte auf einen Knopf der Sprechanlage.
»Leiter S?«
»Ja, Sir?«
»Sagen Sie, was soll eigentlich dieses Wort bedeuten?« Er buchstabierte es.
»Kuppeln, Sir.«
»Wir sind hier keine Berlitz-School, Leiter S. Falls Sie Ihre Kenntnisse von zungenverrenkenden fremden Sprachen unbedingt unter Beweis stellen wollen, wäre ich dankbar, wenn Sie irgendeinen Hinweis beifügen würden. Noch besser: Sie schreiben es gleich in Englisch hin.«
»Ich bitte um Entschuldigung, Sir.«
M ließ den Knopf los und beugte sich wieder über das Memorandum.
Dieses Gesetz, das unter der Bezeichnung »La Loi Marthe Richard« bekannt wurde und die Schließung aller schlecht beleumundeten Häuser anordnete sowie den Verkauf pornographischer Bücher und Filme verbot, entzog dem Unternehmen Le Chiffres fast über Nacht den Boden; plötzlich stand Le Chiffre einem schwer wiegenden Defizit in seiner Gewerkschaftskasse gegenüber. In seiner Verzweiflung wandelte er die Bordelle in »Maisons de passe« um, in denen die Leute sich - was vom Gesetz nicht ausdrücklich verboten ist - zu einem heimlichen Rendezvous treffen können. Außerdem betrieb er weiterhin zwei oder drei »Cinemas bleus«, aber diese behelfsmäßigen Unternehmen konnten die Gelder natürlich in keiner Weise wieder hereinbringen, und sämtliche Versuche, seine Beteiligungen selbst mit großem Verlust abzugeben, schlugen fehl. Mittlerweile war die Sittenpolizei ihm auf die Spur gekommen, und binnen kurzem wurden mindestens zwanzig seiner Etablissements geschlossen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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